Am Freitagabend steigt das zweite Erstliga-Derby zwischen Hertha BSC und Union Berlin. Doch am 27. Spieltag wird aufgrund der Corona-Richtlinien, die Spiele im Beisein der Fans nicht zulassen, von der Rivalität im Stadion selbst wenig zu spüren sein. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Geschichte der beiden Hauptstadtklubs.


Erstmals im Jahr 2010 fußballerisch aufeinander getroffen - in einer der oberen beiden Ligen -, damals noch in der zweiten Liga, findet am Freitagabend um 20:30 Uhr das zweite Duell beider Vereine in der höchsten deutschen Spielklasse statt. Doch zum Unmut der Fans wird das Spiel ohne Zuschauer stattfinden. Interessanter könnte es dementsprechend außerhalb der Alten Försterei werden, denn die bisherigen Duelle wurden stets von Ausschreitungen der Anhänger begleitet.


Das Duell David gegen Goliath


Das Berliner Stadt-Derby ist geprägt vom Bild des Großen gegen den Kleinen. David gegen Goliath. Fußball-Kommerz gegen pure Tradition. Man muss nicht lange überlegen, um zu wissen, wer hier welchen Part einnimmt. Denn nicht ohne Grund ist die Hertha der in der Regel qualitativ bessere oder höherklassigere Verein, Union Berlin jedoch der deutlich beliebtere.


Nicht erst seit des Investoren-Einstiegs bei der Alten Dame haftet den Blau-Weißen das Image des aalglatten, stets etwas abgehoben daherkommenden Schaufenster-Klubs an. Union dagegen hat etwas von einem kleinen, stets etwas rebellischen Geschwisterkind, dessen Lebenslauf nicht so geradlinig wie beim großen Bruder daherkommt, dafür jedoch deutlich interessanter aussieht, und einige Ecken und Kanten mitbringt.


2010 bis heute: Duelle stets ausgeglichen


Und gegen die Hertha ist man bei Union stets doppelt motiviert. So ist auch zu erklären, dass die Duelle bisher fast jedes Mal relativ ausgeglichen waren.


Das erste Zweitliga-Duell im Jahre 2010 ging mit 1:1 zu Ende, und das obwohl die Hertha damals schon favorisiert und mit dem Führungstreffer ins Spiel ging. Doch wie auch heute noch, zeichnete Union sich schon damals durch großen Kampfeswillen aus und ackerte sich zurück in die Partie.


Im Rückspiel im Olympiastadion gelang sogar die kleine Sensation: Union Berlin schlug den Rivalen mit 2:1 und ging als David siegreich aus dem Duell gegen Goliath hervor. Im selben Jahr aufgestiegen, konnte sich Hertha BSC erst nach Wiederabstieg in die zweite Liga im Jahr 2012 für die schmerzliche Niederlage revanchieren. Durch Tore von Sandro Wagner und Ronny entschied man die Partie wiederum mit 2:1 für sich.


Nach einem weiteren Unentschieden im Jahr 2013 war es dann im November des letzten Jahres soweit: Am 2. November 2019 trafen die Stadtrivalen erstmals in der Bundesliga aufeinander. Union Berlin gewann sensationell mit 1:0, doch das Ergebnis verkam zur Randnotiz. Nachdem in der 48. Spielminute bereits die ersten Feuerwerkskörper von Seiten der Hertha-Fans in Richtung Union-Ersatzbank flogen, überquerten aufgebrachte Union-Fans nach der Partie den Zaun und mussten von eigenen Spielern von Schlimmerem abgehalten werden.


Hertha erneut Favorit - Union erneut Underdog


Ein Szenario, das beim zweiten Hauptstadt-Duell der Bundesliga-Geschichte nicht eintreffen wird - zumindest nicht im Stadion. Allerdings steckt auch so eine Menge Brisanz im Duell. Die Hertha hat sich erst im letzten Spiel, als ein 3:0-Sieg zum Einstand von Bruno Labbadia gelang, in der Tabelle einen Punkt und einen Platz vor Union geschoben. Heißt: Wer auch immer von beiden das Duell für sich entscheidet, beherrscht zumindest mal für eine Woche die Stadt. Und das will sich keine Partei nehmen lassen.


Vermutlich geht die Hertha erneut als Favorit ins Rennen, hat man sich unter Labbadia doch scheinbar schon jetzt merklich verbessert und Neuzugänge wie Matheus Cunha noch besser integriert. Für Die Eisernen dagegen geht es auch darum, den bisher guten Eindruck während der Saison zu bestätigen und die Niederlage gegen die Bayern aus den Köpfen zu kriegen.