Die Kritik von Uli Hoeneß wollte BVB-Sportdirektor nicht lange auf sich sitzen lassen. Der Bayern-Ehrenpräsident hatte die Transferpolitik der Schwarz-Gelben angeprangert und sie als Grund für den Abstand zum FCB angeführt. "Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant", schießt Zorc gegenüber der WAZ nun zurück.


Zehn Prozent koste es den BVB in den entscheidenden Spielen, so Hoeneß im FAZ-Interview. Gemeint war die Transferpolitik des größten Rivalen der Bayern. Für Hoeneß sei sie darauf ausgelegt möglichst viel Profit zu machen. Youngster wie Dembélé, Sancho oder Haaland würden vor allem deshalb verpflichtet werden, um sie später mit einem satten Plus weiterverkaufen zu können.


Die DNA des BVB könnten diese Spieler so nicht verinnerlichen. Im Prinzip sagte Hoeneß, der BVB sei bloß ein Ausbildungsklub für kommende Jung-Stars aus dem obersten Regal. Ganz im Gegensatz zu seinem FC Bayern, der Spieler immer mit dem Credo verpflichten würde, dass sie für immer beim FCB spielen.


Michael Zorc hat auf die Hoeneß-Kritik promt reagiert - und zurückgefeuert.


Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant, aber einiges ist auch sachlich de facto falsch. Zorc zur Hoeneß-Kritik am BVB

"Grundsätzlich: Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken", so Zorc gegenüber der WAZ weiter.


Zum Vergleich, die nackten Zahlen: Rekordmeister FC Bayern erzielte laut dem aktuellen DFL-Geschäftsbericht einen Umsatz von 713 Millionen Euro. Der BVB steht mit 476 Millionen Euro weit dahinter. Auf 356 Millionen Euro beliefen sich die Kader-Kosten des FCB, 205 Millionen Euro gab der BVB aus.


BVB ist und bleibt kein Klub, der alle Stars halten kann


Zahlen, die verdeutlichen, dass finanziell zwischen den beiden Topklubs eine Lücke klafft. Doch allein daran kann und sollte man den verbalen Schlagabtausch um Transfer-Strategien nicht festmachen. Denn während der FC Bayern zu den fünf, sechs besten Klubs der Welt gehört, folgt der BVB im internationalen Ranking in der Gruppe dahinter.


Heißt, für Spieler wie Dembélé (nach seinem überragenden Jahr in Schwarz-Gelb), Sancho oder Haaland ist Dortmund von Beginn an nur eine Zwischenstation, von der beide Seiten profitieren sollen. Irgendwann sehen sich diese Spieler eben bei jenen Top-5-Klubs der Welt.


Talente wie Sancho und Co. kann der BVB vor allem deshalb verpflichten, weil die Ausgangslage allen bewusst ist. Dass der BVB potenzielle Transfer-Überschüsse erwirtschaften kann, ist ein Teil des Plans.


Jadon Sancho ist der nächste BVB-Star vor dem Absprung

Die spannendere Frage - und eine Frage, die sich Zorc, Watzke und Co. intern auch stellen dürften: Kann der BVB in Zukunft etwas am Status quo ändern? Denn prominente Abgänge gab es beim BVB auch zu Titelzeiten unter Klopp (Lewandowski, Sahin, Götze, u.a.). Der Schritt zu einem Klub wie dem FC Bayern, der nach eigenem Selbstverständnis keine Stars abgibt, ist aber ein sehr großer.


Die finanziellen Eckpunkte liefern ein Indiz dafür. Fraglich, dass es dem BVB in naher Zukunft gelingen kann, seine Mannschaft zusammenzuhalten.