Vor dem Revierderby, das Schalke am Ende mit 0:3 eindeutig verloren geben musste, hatten rund 80 Ultras zumindest Kampf und Leidenschaft gefordert - ansonsten würde man sich wiedersehen. Zu diesem Wiedersehen kam es an diesem Wochenende nicht. Auch, weil das Team sichtlich engagiert war, obwohl es schlussendlich nicht für eine konkurrenzfähige Leistung reichte.


Nach dem 1:1-Remis gegen Union Berlin am vorletzten Wochenende sahen es einige Ultras des FC Schalke 04 als notwendig an, sich endlich Gehör gegenüber der Mannschaft zu verschaffen. Da eine solche Ansprache in Corona-Zeiten im Stadion oder auf dem Trainingsgelände nicht möglich ist, warteten die Ultras vor dem Stadion auf die Spieler. Der Tenor: Es braucht vollen Einsatz für den Klub, die Spieler sollen sich im Derby "zerreißen" - oder in S04-Deutsch: Malocher-Qualitäten zeigen. Ansonsten werde es zu einem "nicht so friedlichen" Wiedersehen kommen.


Ein Wiedersehen, das am Wochenende ausblieb, obwohl das Team im Revierderby mit 0:3 gegen Borussia Dortmund etwas unter die Räder gekommen war und somit ein weiteres Spiel ohne Sieg in die Statistik aufgenommen hat. Zwar wurde vor der eigenen Veltins-Arena ein Banner für kurze Zeit aufgehängt, das wie folgt lautete (via Bild): "Selbst Tönnies Schweine zeigen mehr Kampf als Ihr!"


Schalke-Ultras forderten Kampf und Leidenschaft - doch das Problem liegt woanders


Doch insgesamt konnte der Mannschaft zumindest der Wille nicht aberkannt werden, auch wenn sich die Waffen gegen offensivstarke und qualitativ hochwertige Dortmunder lediglich auf das gemeinsame Verteidigen beschränkten. Dass in Ballbesitz so gut wie gar nichts gelang, und dieser ebenso schnell wieder abgegeben wurde, darüber war auch Trainer Manuel Baum "extrem verärgert" (via kicker) - schließlich ist und bleibt dieser Punkt eine seiner zwei sehr großen Herausforderungen.


"Wir konnten gar nicht so schnell schauen, wie der Ball wieder weg war", so der S04-Coach weiter. Das lag zwar zum einen auch am oftmals sehr schnellen und effizienten Gegenpressing des BVB, doch zu verschweigen, dass dieser Aspekt seit Jahren eine große Schwäche im Spiel von Königsblau ist, wäre fatal. Natürlich gab es in der (jüngeren) Vergangenheit auch Partien, die nach Lustlos-Auftritten aussahen, doch das ist im Grundsatz nicht der berühmte Casus Knacksus.


Manuel Baum muss Schalke Ballbesitz beibringen - und nicht erst das Kämpfen

Bis zum nächsten Spiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Freitagabend wird es wohl keinen erneuten Ultra-Besuch geben. Zum einen, da es bis dahin keine normale Möglichkeit geben wird, die Mannschaft zum Gespräch zu bitten beziehungsweise sie dazu aufzufordern, zum anderen, weil es bei der Forderung nach mehr Einsatz und Kampf auch gegen Dortmund eher wenig zu meckern gab. Es gilt zu betonen: Nur damit ist es aber nicht getan. "Nur verteidigen - das reicht nicht, um zu gewinnen", weiß auch Baum. Eine Struktur und eine Idee in Ballbesitz zu entwickeln, während das so wichtige Selbstvertrauen fehlt, wird die große und sehr komplizierte Aufgabe sein.


Die nächsten beiden Spiele, die nun auf Schalke warten, sind von größter Bedeutung. Nach Stuttgart wartet Schlusslicht Mainz 05 auf die Knappen. Normalerweise würde man gegen diese Teams sechs Punkte erwarten, doch zwischen gewöhnlicher Erwartungshaltung und Realität liegen derzeit Welten. Es geht darum, sich möglichst früh die Erfolgserlebnisse zurückzuholen: Und das nicht nur primär durch Kampf, sondern durch das Erzielen von Toren. Klappt das auch gegen diese beiden Gegner nicht, dann - das ist gewiss - dürfte es sehr ungemütlich und auch lauter werden beim S04.