Willy Sagnols Comeback beim FC Bayern war bereits nach wenigen Monaten vorbei. Im Interview mit Sport1 übt er rückblickend Kritik an den Verantwortlichen und der Entwicklung des Klubs.


Im Sommer 2017 kehrte Willy Sagnol an die Säbener Straße zurück. Der Franzose sollte das Trainerteam von Carlo Ancelotti, der in seinem ersten Jahr beim FC Bayern die Meisterschaft gewann, verstärken. Doch im September wurde Ancelotti wieder entlassen, und auch Sagnol musste nach einem Spiel als Interimstrainer gehen. Bis Saisonende kehrte Jupp Heynckes zurück, doch anstelle von Sagnol arbeitete er mit Peter Hermann zusammen.


Sagnol kritisert Bayern: "Nicht mehr der FC Bayern, den ich kannte"


"Ich war traurig und irritiert. Wenn du bei Bayern arbeitest als Assistent von Carlo, dann hofft man auf eine lange Beziehung. Das hat nicht geklappt. Die Situation bei Bayern war schwierig", erklärt Sagnol rückblickend bei Sport1. Der ehemalige Rechtsverteidiger kritisiert die Art und Weise, wie die Trennung vonstattenging: "Das war nicht mehr der FC Bayern, den ich kannte. Eine Trennung lief in diesem Verein immer mit Stil ab, bei mir war das leider nicht so."


Kurz nach der Entlassung von Carlo Ancelotti (l.) musste auch Willy Sagnol seinen Hut nehmen

Generell habe sich der Klub in den vergangenen zehn Jahren geändert: "Zu meiner Zeit ging es im Verein sehr familiär zu. Das ist heute nicht mehr so, habe ich das Gefühl. Damals war das alles bei weitem nicht so groß wie heute. Die Beziehungen untereinander in den einzelnen Abteilungen waren enger, da gab es nicht rund 600 Mitarbeiter."

Dennoch, vielleicht sogar gerade deshalb, blickt er positiv auf seine Jahre beim Rekordmeister zurück: "Es war eine wunderbare Zeit. Und sehr erfolgreich. Dass ich so lange in diesem Verein spielen konnte, war genial." Er sei noch heute "ein riesiger Bayern-Fan. Bayern war und ist immer noch mein Herzensverein."


Sagnol auf der Suche nach einer neuen Herausforderung: "Ich möchte wieder loslegen"


Am liebsten hätte er sich wohl aber gewünscht, länger an der Seite von Ancelotti zu arbeiten. Den derzeitigen Trainer des FC Everton lobt Sagnol in den höchsten Tönen: "Er ist ein super Typ. Als Mensch eine Granate. Von ihm habe ich viel gelernt. In den wenigen Monaten bei Bayern haben wir eine herzliche Verbindung aufgebaut. Die Zusammenarbeit mit ihm hat mir sehr gut getan."

Bald will Sagnol selber wieder an der Seitenlinie stehen. Von Juli 2014 bis März 2016 trainierte er Girondins Bordeaux, nach einem sechsten Tabellenplatz in seiner Debütsaison rutschte die Mannschaft zwischenzeitlich in die Abstiegszone ab. Nach vier Spielen ohne Sieg und einer 0:4-Niederlage gegen den FC Toulouse folgte schließlich die Entlassung.

"Das erste Jahr war sehr erfolgreich. Im zweiten Jahr war es dann etwas schwieriger, und auch ich habe ein paar Fehler gemacht. Aber ich bin noch ein junger Trainer", sagt Sagnol rückblickend über seine erste Trainerstation auf Profi-Ebene. Erfolgreicher fungierte er als Sportdirektor beim französischen Fußballverband: "Der Weltmeistertitel 2018 würdigt die gesamte Arbeit des Verbandes und den Entwicklungsprozess, den wir damals zusammen angeschoben hatten."

In den kommenden Monaten will er eine neue Herausforderung annehmen - egal ob als Trainer oder Sportdirektor. "Es hängt davon ab, was sich mir bietet", sagt der 43-Jährige. "Ich kann mich zu 100 Prozent auf eine neue Herausforderung konzentrieren. Ich möchte wieder loslegen."