Das Ende der Tabelle ziert nach dem Auftaktspieltag der 58. Bundesligasaison ein namhaftes Trio. Der SV Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach und der FC Schalke 04 stehen schon gleich zu Beginn der Spielzeit im Tabellenkeller.


Doch während man bei den Fohlen eher nicht geneigt ist, aus dieser Momentaufnahme eine Tendenz für die Rest-Saison abzuleiten (immerhin verloren die Gladbacher bei der deutschen Nummer 2), sieht das bei den anderen beiden Kellerkindern schon ganz anders aus. Nun ist die Aussagekraft einer Tabelle nach dem ersten Spieltag naturgemäß eher schwach. Doch nicht so die Eindrücke, die man über die jeweiligen Spiele von den Mannschaften bekommen hat. Und da muss ich sagen: es wird wirklich eng für die beiden. Aktuell fällt mir nicht mal eine einzige Mannschaft (geschweige denn drei!) ein, an denen die beiden biggest loser des Liga-Auftaktes vorbeikommen könnten.


Für mich als HSV-Fan ist der Werder-Fall natürlich noch mal ganz besonders. Nach der diesjährigen Sommervorbereitung (der kürzesten in der DFB-Geschichte) schienen die Grün-Weißen auf einem guten Weg zu sein. Sieben Siege in sieben Testspielen wiegten Fans und Funktionären in der trügerischen Sicherheit, dass der letztjährigen Horror-Saison nun eine weitaus entspanntere folgen würde. Zumal keiner der Leistungsträger abgegeben und der Kader um interessante Personalien wie Felix Agu (an dem auch der HSV mal dran war), Patrick Erras (vom 1.FC Nürnberg) oder Manchester-United-Leihgabe Tahith Chong bereichert wurde.


Zu schwache Testspiel-Gegner?


Doch schon ein Blick auf die Sparringsgegner der letzten Woche verrät: unter ihnen war kein wirklicher Härtetest, wenn wir unter diesen Begriff einfach mal Mannschaften aus den ersten fünf Ligen Europas (Spanien, England, Deutschland, Italien und Frankreich) subsumieren wollen. Stattdessen gab es Duelle mit zwei Erstligisten aus Holland (FC Groningen) und Österreich (Linzer ASK), drei Aufeinandertreffen mit hiesigen (St. Pauli, Eintracht Braunschweig und Hannover 96), eines mit einem österreichischem Zweitligisten (Austria Lustenau) und einen Vergleich mit einem Viertligisten (BSV Rehden).


Hinter dieser Auswahl der Testgegner steckte auch durchaus eine gewisse Strategie, wie Trainer Florian Kohfeldt gegenüber der Deichstube zugab: "Es stimmt: Ich wollte auch Spiele gewinnen in der Vorbereitung und keine Gegner suchen, von denen wir auf die Fresse kriegen. Nach unserer letzten Saison war es schon wichtig, dass wir ein gewisses Selbstverständnis bekommen, auch mal zwei Spiele hintereinander gewinnen zu können."


Ein löblicher und durchaus nachvollziehbarer Ansatz. Der aber in dem Moment konterkariert wird, wenn die Mannschaft aus den "Erfolgserlebnissen" die falschen Schlüsse zieht. Ob falsche Schlussfolgerungen nun am Ende der entscheidende Faktor für die happige Auftakt-Heimniederlage gegen Hertha BSC waren oder einfach ein qualitativer Unterschied zu den Hauptstädtern oder womöglich nur ein sogenannter "gebrauchter Tag" - der SV Werder Bremen hat jetzt 33 Spieltage Zeit, den Fans die Erklärung zu liefern.