Am Montagabend herrschte in ganz Bremen pure Erleichterung. Dank zweier Auswärtstore in Heidenheim hat Werder die Klasse gehalten, der Traditionsverein wird auch in der Saison 2020/21 in der Bundesliga an den Start gehen. Um künftig wieder in einer höheren Tabellenregion zu landen, wird sich einiges ändern müssen. Allen voran Geschäftsführer Frank Baumann ist nach der missglückten Kaderplanung im vergangenen Jahr gefragt.


Die Herangehensweise in den vergangenen beiden Transferperioden war definitiv einer der Gründe, wieso Werder Bremen derart in der Tabelle abgestürzt ist. Das Experiment, Max Kruse durch Yuya Osako zu ersetzen und mit Niclas Füllkrug einen anderen Stürmertyp in die Mannschaft zu bringen, hat aufgrund des Kreuzbandrisses, den Rückkehrer Füllkrug nach dem vierten Spieltag erlitt, nur bedingt funktioniert. Denn die Art und Weise, wie Werder Bremen Tore erzielten wollte, passte nicht mit dem zusammen, was Trainer Florian Kohfeldt geplant hatte.

Flanke um Flanke flog in den Strafraum des Gegners - bloß gab es ohne Füllkrug keinen passenden Abnehmer. Erst im Saison-Finale kehrte der 27-Jährige auf den Platz zurück, erzielte prompt gegen den SC Paderborn (5:1) und den 1. FC Köln (6:1) seine Saisontore drei und vier. Im Schnitt brauchte Füllkrug in der Bundesliga 100 Minuten pro Tor - kein schlechter Wert, der ob der geringen Spielzeit von 400 Minuten aber kaum Aussagekraft besitzt.

Mit Davie Selke sollte ein weiterer Rückkehrer eben jene Elemente in das Spiel bringen, die ohne Füllkrug verloren gingen. Der Angreifer wurde bis 2021 von Hertha BSC ausgeliehen, im Falle eines Klassenerhalts greift eine Kaufpflicht in Höhe von 15 Millionen Euro. Gleiches gilt für die Leihspieler Ömer Toprak (4 Millionen Euro) und Leonardo Bittencourt (7 Millionen Euro), die schon in diesem Jahr verpflichtet werden müssen. Einzig Kevin Vogt wird den Klub verlassen und zur TSG Hoffenheim zurückkehren.


Frank Baumann stehen aufgrund der Corona-Krise deutlich geringere finanzielle Mittel zur Verfügung. Dennoch kann es gelingen, einen schlagkräftigen Kader zu gestalten. So haben beispielsweise Christopher Nkunku, Marcus Thuram oder Breel Embolo weniger gekostet als Davie Selke - das Trio wurde bei ihren neuen Vereinen als voller Erfolg gefeiert.

Allerdings steht Baumann vor einer ähnlichen Herausforderung wie im vergangenen Jahr: Mindestens ein Schlüsselspieler wird den Klub verlassen. Diese Abgänge gilt es, im Kollektiv zu kompensieren. Doch wer wird oder könnte den SV Werder verlassen? Und auf welchen Positionen braucht die Mannschaft händeringend Verstärkungen?



1. Diese Spieler könnten den Verein verlassen

Ganz oben auf der Liste steht Milot Rashica. Die Offensiv-Rakete gilt seit Monaten als Wechselkandidat, will eines Tages Champions League spielen. Baumann deutete vor dem Bundesliga-Finale gegen Köln einen Transfer an, offen ist allerdings, wie hoch die einst kolportierte Ablösesumme über 38 Millionen Euro ausfallen wird.

Neben den Abgängen von Claudio Pizarro, Kevin Vogt und Michael Lang, dürfte auch Johannes Eggestein den SVW verlassen. Der Offensivspieler kam in dieser Saison kaum zum Zug, spielte nach dem Re-Start überhaupt keine Rolle mehr.

Darüber hinaus könnte Torhüter Jiri Pavlenka wichtige Einnahmen in die klammen Kassen spülen, Ersatztorwart Stefanos Kapino würde dann aller Voraussicht nach zur neuen Nummer eins aufsteigen.

Ebenso vorstellbar ist ein Verkauf von Milos Veljkovic. Laut BILD sind Lazio Rom und Inter Mailand am Innenverteidiger interessiert. Zudem kursierten in der Vergangenheit Gerüchte über einen Wechsel von Linksverteidiger Ludwig Augustinsson in die Premier League.

Unklar ist, wie mit den Rückkehrern Felix Beijmo, Ole Käuper und Martin Harnik verfahren wird. Das Trio dürfte aber endgültig abgegeben werden.



2. Diese Spieler (könnten) bleiben

Klar geregelt sind die Verpflichtungen von Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt, auch Davie Selke wird mindestens bis 2021 an der Weser bleiben. Doch welche Spieler entscheiden sich noch für einen Verbleib?

Aufgrund des Klassenerhalts dürften Leistungsträger wie Maximilian Eggestein und Davy Klaassen gehalten werden, auch ein Verkauf von Yuya Osako dürfte kein Thema sein. Bei Josh Sargent und Niclas Füllkrug ist ebenfalls kein Abschied in Sicht.

Gelingt es, alle Leistungsträger bis auf Rashica und Pavlenka zu halten, steht Florian Kohfeldt noch immer eine schlagkräftige Truppe zur Verfügung, die im Optimalfall einen einstelligen Tabellenplatz erreichen kann.



3. Auf welchen Positionen Verstärkung gebraucht wird

Um sich aber wieder in ruhigen Gewässern wähnen zu können, benötigt es personelle Verstärkungen, die die Schwachstellen aus der Kaderplanung des vergangenen Jahres beheben.

Allen voran in der Defensive ist neues Spielermaterial gefordert. Die Innenverteidigung braucht Spieler, die das Spiel aufbauen können - das ist weder Niklas Moisander noch Kevin Vogt, Milos Veljkovic oder dem von Verletzungen geplagten Ömer Toprak gelungen. Darüber hinaus ist eine Alternative zu Theodor Gebre Selassie ebenso nötig wie ein Linksverteidiger, falls Augustinsson den Verein verlässt.

Will Kohfeldt wieder häufiger ein breiteres System spielen lassen, braucht es - auch wegen Rashicas voraussichtlichem Abgang - Neuzugänge auf den Außenbahnen, die sich ins Eins-gegen-eins trauen und spielerische Lösungen finden. Das Flankengewitter dieser Saison war jedenfalls nicht hilfreich.

Zusätzlich wäre ein weiterer Stürmer nicht von Nachteil, obwohl die Neun bereits breit besetzt ist. Selke hat eine äußerst schwache Rückrunde gespielt, und nicht zuletzt hat Füllkrugs Verletzungsanfälligkeit für Probleme gesorgt. Werder braucht einen zweiten Spieler, der lange Zuspiele festmachen und Flanken verwerten kann. Dafür ist Osako beispielsweise nicht geeignet. Der Japaner bringt aufgrund seiner Wendigkeit eher ein spielerisches Element in die Spitze, doch darauf hat die Mannschaft kaum vertraut.