Nun also doch: Davy Klaassen verlässt den SV Werder Bremen am Deadline Day und schließt sich nach dreijähriger Abstinenz seinem Ex-Klub Ajax Amsterdam an. Die offizielle Verkündigung steht zwar noch aus, die Details des Deals sind dennoch bekannt.


Die Uhr tickt, denn am heutigen Montag schließt das Transferfenster. Werder-Manager Frank Baumann hat allerhand zu tun. Insbesondere mit Blick auf die klammen Kassen der Grün-Weißen sollte noch mindestens ein Bremer Profi von Bord gehen. Eigentlich hatte man sich dabei auf Shootingstar Milot Rashica geeinigt, doch die Verhandlungen mit Aston Villa scheinen abermals zu stagnieren.


Stattdessen rückte in den vergangenen Tagen vor allem ein Abgang von Mittelfeldmotor und Vizekapitän Klaassen in den Vordergrund. Nachdem bereits Anfang Juli von einer potenziellen Rückkehr zu seinem Jugendklub die Rede war, konkretisierte sich das Interesse der Holländer gen Ende der Transferperiode und scheint den Hanseaten am letzten Transfertag doch noch eine Menge Geld in die Kassen zu spülen.


Werder nimmt damalige Rekordablöse wieder ein


Informationen der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf zufolge haben sich Werder und Ajax auf eine Ablösesumme in Höhe von elf Millionen Euro geeinigt. Spätere Boni können den Betrag auf bis zu 14 Millionen Euro erhöhen. Damit würden die Hanseaten in etwa die Summe erhalten, die man 2018 für seinen teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte (13,5 Millionen Euro) an den FC Everton überwies. "Was wir vor zwei Jahren für Davy an den FC Everton gezahlt haben, nehmen wir jetzt wieder ein", bestätigte Baumann gegenüber der Deichstube und erklärte, dass der Transfer deshalb "vor allem in diesen schwierigen Corona-Zeiten völlig in Ordnung" gehe.


Nur 7 Spiele: Klaassens Senkrechtstart in der Premier League blieb aus

Auch Klaassen persönlich einigte sich am Sonntagabend mit Ajax über die Konditionen seines Deals und wird am heutigen Montag einen Vierjahresvertrag unterschreiben. "Das stimmt", sagte sein Berater Sören Lerby kurz und knackig auf Nachfrage des Telegraaf. Holländische Medien munkeln derweil, dass der 27-Jährige in Amsterdam weniger als die am Osterdeich verdienten 3,5 Millionen Euro pro Saison bekommt.


Kann Werder seinen Abgang kompensieren?


Die große Frage, die sich stellt und eventuell gar im Laufe des Deadline Days zumindest teilweise beantwortet wird: Kann Werder Klaassens Abgang kompensieren? Dass der Transfer wirtschaftlich mit Blick auf Ablösesumme und Gehaltseinsparung für die Bremer durchaus wichtig ist, ist klar. Rein sportlich aber, fehlt dem Bundesligisten ein wahrer Fighter. Werders Dreh- und Angelpunkt der Zentrale verpasste in zwei Jahren lediglich zwei Bundesligaspiele und stand ansonsten immer in der Startelf von Cheftrainer Florian Kohfeldt.



Klaassens Leistung pro Verein


  • Ajax Amsterdam: 180 Spiele, 55 Tore, 38 Assists
  • Werder Bremen: 81 Spiele, 16 Tore, 13 Assists
  • Ajax U19: 21 Spiele, 10 Tore, 0 Assists
  • FC Everton: 16 Spiele, 0 Tore, 1 Assist
  • Ajax U23: 12 Spiele, 1 Tor, 1 Assist



Wie wichtig Klaassen für den Klub ist, weiß er selber, bat gegenüber Deichstube aber um Verständnis: "Es tut mir auch leid, aber ich möchte einfach gerne zurück zu meinem Verein." Von 2004 bis 2017 schnürte der 16-fache Nationalspieler Hollands für die Hauptstädter seine Fußballschuhe, ehe der einstige Ajax-Kapitän seinen Jugendklub vor drei Jahren für sage und schreibe 27 Millionen Euro verlies.


Nun also die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte und für "Deadline-Day-Frank", wie Kohfeldt seinen Kollegen und Sportdirektor Baumann nach dem Heimspiel gegen Bielefeld liebevoll nannte, der Druck, einen adäquaten Ersatz zu finden. In den vergangenen Jahren jedenfalls sorgte Baumann am letzten Tag der Transferperiode gut und gerne für einen wahren Kracher und eine echte Überraschung. Die Bremer Fans dürfen also gespannt bleiben.