Das Remis zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Köln hat zwei Dinge aufgezeigt: Die junge Mannschaft des VfB muss noch lernen, Rückschläge zu verkraften; die Kölner Defensive ist derweil stabiler, offensiv präsentieren sich die Geißblöcke aber harmlos.


Mit Anpfiff des Spiels offenbarte sich, wie weit Freud und Leid auf beiden Seiten auseinanderliegen. Nach gerade einmal 26 Sekunden ging der VfB Stuttgart in Führung, weil sich die vorderen Mannschaftsteile des 1. FC Köln beim Anlaufen so stark auf die rechte Spielhälfte der Schwaben verschoben hatten, dass eine einfache Verlagerung auf den linken Halbverteidiger und ein Vertikalpass auf den völlig freistehenden Gonzalo Castro im Mittelfeld genügten, um das Pressing zu überspielen und mit freier Bahn in Richtung Tor von Timo Horn aufzudrehen. Das Kombinationsspiel wurde nicht energisch genug gestört, weshalb Daniel Didavi - umgeben von vier Gegenspielern - einen Steilpass auf Sasa Kalajdzic spielen durfte, der unbedrängt auf Orel Mangala klatschen ließ - und schon war der Ball drin.


Anderssons Ausgleich wird zum Wirkungstreffer


Der Aluminumtreffer von Didavi in der dritten Minute war ein echter Glücksschuss für den FC. Die Mannschaft von Markus Gisdol hat die Anfangsphase völlig verschlafen, die so oft kritisierte Passivität und Entfernung vom Gegner kam wieder einmal zum Vorschein. Doch wie schon beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt genügte eine Aktion, um alles vergessen zu machen und die Mannschaft ins Spiel zu bringen. Diesmal war es ein Elfmeter von Sebastian Andersson in der 22. Minute.

Das zweite Saisontor des Neuzuganges von Union Berlin war ein echter Wirkungstreffer. Denn während der FC immer spielbestimmender wurde und sich mehr mit dem Ball zugetraut hat, brachte der VfB phasenweise nur noch wenig zustande und war zuallererst mit dem Verteidigen beschäftigt. Insbesondere das frühe Anlaufen der Kölner sorgte für Unruhe im Aufbau der Schwaben, die wie schon beim Heimspiel gegen Leverkusen am dritten Spieltag (1:1) nach einem Gegentor unruhig und hektisch gewirkt haben.


VfB-Coach Pellegrino Matarazzo wird seinen Spielern noch beibringen müssen, in gewissen Phasen des Spiels die Ruhe zu bewahren.

Hier offenbart sich der Schwachpunkt des zweitjüngsten Kaders der Bundesliga: Vielen Spielern mangelt es an Erfahrungen, die sie erst noch sammeln müssen. So gut die Mannschaft von Pellegrino Matarazzo auch funktioniert, wenn es keinen derartigen Rückschlag gibt - die Spielweise des US-Amerikaners ist klar zu erkennen, mit flachen Passstafetten und klaren Abläufen zieht der VfB das Spiel von hinten auf - so nervös wird sie auch, wenn ein Gegentor fällt und der Gegner das Momentum auf seiner Seite hat. In Durchgang zwei überspielte der VfB das Kölner Pressing allerdings wesentlich abgeklärter und geduldiger.


Ideenloser FC sorgt nur mit Flanken für Gefahr


Der FC hat sich indes defensiv verbessert. Wie schon gegen Eintracht Frankfurt bleibt mangelnde Intensität und Gegnerdruck besonders in der Anfangsviertelstunde ein Thema, doch mit nur einem Treffer ist das Selbstvertrauen wieder zurück und die Arbeit gegen den Ball wird kompakter und aggressiver ausgeführt. Nach dem Ausgleich schaffte es die Elf von Markus Gisdol über weite Strecken der Partie, den VfB vom eigenen Tor fernzuhalten, selbst brachte sie aber wenig vor dem Kasten von Gregor Kobel zustande.


Allein auf weiter Flur: Ohne Unterstützung im Strafraum kann Sebastian Andersson (l.) wenig ausrichten

Die Abläufe waren bei fast allen Angriffen identisch: Auf den Außenbahnen erfolgte der Durchbruch, anschließend wurde eine Flanke ins Zentrum geschlagen. Da aber kaum ein Spieler in den Strafraum eingelaufen ist und dieser demzufolge äußerst schwach besetzt war, hatten die Stuttgarter keine Schwierigkeiten damit, die Situation zu bereinigen. Abgesehen von Andersson, der darüber hinaus wieder einmal häufig als Zielspieler bei langen Bällen im Aufbau gesucht wurde, war schlicht kein Kölner im VfB-Strafraum zu finden. Er allein kann sich aber nicht gegen drei Innenverteidiger durchsetzen - so sind die 26 geschlagenen Flanken ziellos und nicht das richtige taktische Mittel.

Mit dem Ball ist der FC nicht zwingend genug, wie einige andere Bundesligisten auch. Innerhalb der Liga mangelt es an der Fähigkeit, eigenständig Angriffe zu initiieren. In den vergangenen Jahren haben sich viele Klubs darauf versteift, kompakt zu verteidigen und Umschaltmomente für sich zu nutzen. Will die Liga aber wieder attraktiver werden, müssen die Teams lernen, selber Räume zu kreieren. Vorbilder sind neben dem FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig auch Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt und die junge Stuttgarter Truppe.