In der Woche vor dem Pflichtspiel-Start in die Saison 2020/21, in der die erste Runde des DFB-Pokals wartet, steht Schalke weiterhin mit teils großen Lücken im Kader da. Neuzugänge wird es wohl auch nicht mehr geben, wie David Wagner demonstrativ andeutete.


Leere Taschen, kein Geld für neue Spieler. Das war die Geste, die David Wagner am Samstag zeigte. Die Taschen seiner Trainingshose nach außen gedreht, um symbolisch die verwaisten Kassen von Schalke 04 zu zeigen und den anwesenden Journalisten klar zu machen, dass keine finanziellen Mittel für Neuzugänge vorhanden sind.


"Wenn du nicht kannst, dann kannst du nicht, auch wenn du gerne würdest", so der S04-Coach zur aktuellen Transfer-Situation (via Bild). Weiter: "Wir wollen gerne, aber unter den gegebenen Umständen ist das nicht so einfach." Die Notwendigkeit noch mancher Einkäufe scheint wohl verstanden zu sein, doch das Geld ist schlichtweg nicht vorhanden. Eigentlich sollte neben Fast-Kostenlos-Stürmer Vedad Ibisevic noch ein Angreifer mit Stammplatz-Potenzial kommen, ein Linksverteidiger wäre ebenfalls noch hilfreich und einen Rechtsverteidiger hat Schalke erst gar nicht.


Was Transfers angeht zum Nichtstun gezwungen: David Wagner und Jochen Schneider

Problemstellen und Lücken, die nun offenbar so gut wie abgehakt zu sein scheinen. Passend dazu erklärte Wagner auch, dass es wohl auf Sebastian Rudy als rechter Außenverteidiger hinauslaufen wird. Eine absolute und doppelte Notlösung, weil der 30-Jährige selbstredend eine andere Rolle seine sportliche Heimat nennt, und weil er und der Klub eigentlich erst gar nicht wieder zusammenkommen wollten. Rudy wird bleiben, S04 muss ihn als Rechtsverteidiger einsetzen. Die einzige Alternative wäre ein unerfahrener Innenverteidiger aus der U23, der in der Vorsaison erst den Sprung zu den Profis schaffte - Timo Becker.


Wagner muss ohne S04-Neuzugänge auskommen - fehlender Spielraum wirft Fragen auf


Dass Wagner eigentlich noch notwendige Einkäufe bildlich als so kompliziert und eigentlich ausgeschlossen darstellt, wirft allerdings Fragen auf. Es war klar, dass Alexander Schwolow zu Königsblau anstatt zu Hertha BSC wechseln sollte, die Gespräche waren fortgeschritten und mit dem Keeper selbst war eine Einigung bereits erzielt. Mit welchem Geld wäre das dann denkbar gewesen? "Vielleicht war das Geld gar nicht da", so der Trainer auf Nachfrage der Bild.


Warum werden Gespräche mit Sead Kolasinac über eine etwaige Leih-Rückkehr geführt? Das zu übernehmende Gehalt, was maximal um die 2,5 Millionen Euro betreffen würde, wäre in diesem Fall keineswegs vorhanden. Warum wird Weston McKennie dann doch verliehen und somit eine um ein ganzes Jahr verzögerte Zahlung von (weiteren) 18,5 Millionen Euro akzeptiert (sofern die CL-Qualifikation für Juventus Turin eintritt), wenn ein Verkauf so dringend und ausnahmslos notwendig gewesen wäre?


McKennie und Goretzka zu Besuch auf Schalke: Die Leihgebühr scheint verpufft zu sein

Kritische Fragen, die in dem Maße nicht eingetreten wären, wenn mittlerweile zumindest ein kleiner Spielraum für Neuzugänge beziehungsweise kurzfristige Leihen vorhanden gewesen wäre. Immerhin wurde für McKennie eine Leihgebühr von 4,5 Millionen Euro bezahlt, die laut kicker noch immer auf sechs Millionen Euro anwachsen könnte. Eine günstige Option, einen jungen, im besten Fall bereits gescouteten Rechtsverteidiger auszuleihen, müsste das Mindestmaß sein, das auf Schalke möglich sein sollte - ansonsten hätte man sich die gesamte Leihe des Mittelfeldspielers auch schenken können.


Auf der einen Seite scheinen sich Spieler wie Mark Uth oder Nabil Bentaleb zwar nach und nach zu integrieren, während junge Spieler wie Can Bozdogan ihr Talent zeigen können, doch die teils großen Lücken im Kader werfen ein sehr dunkles Licht auf den nahenden Saisonstart.