Für Kevin Vogt war das Jahr 2020 enorm wechselhaft. Nach seiner Ausbootung bei der TSG Hoffenheim, schaffte er mit Werder Bremen nur knapp den Klassenerhalt. Nun blüht er wieder bei seinem Heimatklub auf und sieht sogar Positives im Stress der vergangenen Monate.


In der Spielzeit 2019/20 erlebte Kevin Vogt wohl alle Höhen und Tiefen, die man in nur einem Jahr mitnehmen kann. Anfänglich bei der TSG Hoffenheim gesetzt, hoffte er unter dem neuen Trainer Alfred Schreuder auf ein weiteres starkes Jahr. Doch früh kam bei ihm die Vermutung auf, dass die Zusammenarbeit mit dem Niederländer auf Dauer nicht funktionieren wird.


"Mein Bauchgefühl hat mir das schon früh gesagt. Wahrscheinlich schon eher, als das der ein oder andere wahrnahm", so der 29-Jährige im Interview mit dem kicker. Zwischen ihm und Schreuder stimmte die Chemie nie so richtig. Als er dann vor der Winterpause ausgebootet wurde, legte der Abräumer sogar sein Kapitänsamt nieder.


Vogt brauchte einen kurzfristigen Ausweg


"Ich habe die Winterpause genutzt, um mich wieder gut vorzubereiten, aber im Trainingslager ging das so weiter. Da machte es keinen Sinn mehr, in dieser Konstellation weiterzumachen. Ich habe dann mit den Verantwortlichen besprochen, dass ich auf jeden Fall in diesem halben Jahr etwas anderes machen möchte."


Schreuder verlor mehr und mehr den Draht zu seinem Kapitän

Die Entscheidung kostete ihn einige Überwindung, doch sie hatte in jedem Fall ihre Gründe. "Ich habe die Kehrseite der Medaille kennengelernt. Das war schon bitter und deswegen so ärgerlich, weil Hoffenheim meine sportliche Heimat war", so Vogt weiter. "Aber mit zeitlichem Abstand betrachtet, hatte auch das seine positiven Seiten."


Diese dürften im Nachhinein betrachtet überraschen. Nachdem er bei Werder Bremen anheuerte, entwickelte sich Vogt vor allem persönlich weiter und lernte den Umgang miteinander mehr zu schätzen. "Meine Sicht auf die Dinge hat sich geändert. Loyalität ist mir nach wie vor sehr wichtig, wenn ich mein Vertrauen schenke, dann voll und ganz. Aber man wird bedachter, wenn man so etwas erlebt hat."


Abräumer konnte sportliche Krise "genießen"


Die Zeit beim SVW war ebenfalls schwer, auch wenn es vom Grund her um ganz andere Probleme ging. Diese erkannte Vogt früh: "Es war sehr lehrreich, weil ich zu einem Klub kam, der wirklich mit dem Rücken zur Wand stand. Eine irre Herausforderung und Erfahrung. Das war wirklich prägend. Aber ich habe das auch genossen. Sportlich wie menschlich ein absoluter Gewinn." In Bremen musste der Abräumer nicht nur für seine eigenen Ziele spielen, sondern auch die Zukunft des Klubs und dessen Arbeitsplätze sichern.


In Bremen kämpfte Vogt auch um die Existenz des Klubs

Ein Verbleib an der Weser war für ihn aber kein Thema. Das lag auch daran, dass ihm die Tür in Hoffenheim nach dem Aus Schreuders weiter offen stand. Mit der Rückkehr in den Mannschaftsrat und der Führungsrolle auf dem Platz, ist er unter Sebastian Hoeneß wieder eine wichtige Personalie. Und auch das Verhältnis zu seinem Übungsleiter ist ein ganz anderes. "Jetzt passt das sehr gut, die Mannschaft ist sehr zufrieden mit dem neuen Cheftrainer."


"Es hilft auch, ein besseres Gespür zu bekommen für Spieler, die nicht jede Woche in der Startelf stehen." Kevin Vogt

Abschließend findet Vogt klare Worte. "Es war das anspruchsvollste und lehrreichste Jahr für mich. Auf vielen Ebenen. Lehrreich, weil ich die Dinge jetzt anders sehe und nicht mehr alles als selbstverständlich erachte." Auch wenn es anfangs nicht den Anschein machte, brachte ihn die zwangsläufige Auszeit weiter. Für die kommenden Jahre dürfte er dennoch auf eine weitere ähnliche Saison gerne verzichten.