Thiago Alcantara ist wieder zurück - wenn auch nur auf der Bank. Der Mittelfeld-Dirigent des FC Bayern muss sich nach auskurierter Verletzung hinter Leon Goretzka anstellen, sollte er in den übrigen Spielen nicht wieder häufiger von Beginn an zum Zug kommen, könnte das auch einen Einfluss auf die Vertragsverhandlungen haben. Einen Abgang von Thiago dürfen sich die Bayern aber nicht leisten. Dafür ist er zu wichtig.


Die Kritik an Thiago ist seit seinem Wechsel zum FC Bayern vor mittlerweile sieben Jahren unverändert. Er sei kein Mann für die großen Spiele und versprühe zu wenig Torgefahr, er sei kein Kämpfer, in der Rückwärtsbewegung eine Schwachstelle und könne deshalb ohne schlechtes Gewissen wieder abgegeben werden.

Es reicht nicht einmal, dass der 29-Jährige vor der Corona-Krise und seiner anschließenden Verletzung die wohl beste Phase seiner Karriere erlebt hat. Und es ist einigen Medienvertretern offenbar noch immer nicht gelungen, diesen Spieler einzuordnen, zu erkennen, wofür er wirklich auf dem Platz zuständig ist und was ihn auszeichnet. Seine Qualitäten mögen unscheinbar sein, sind aber für das Spiel der Bayern eminent.


Thiago (r.) ist für den Erfolg des FC Bayern ein elementarer Spieler

Im Mittelfeld bestimmt Thiago den Rhythmus. Nur seinem kongenialen Partner Joshua Kimmich mag es gelingen, ähnlich präzise wie geniale Pässe zu spielen. Thiago kann ein Spiel lesen, vereint seine Wahrnehmung mit seinen technischen Fertigkeiten am Ball, wirft sich zudem in zahlreiche Bälle und verteidigt konsequent mit. Vor der Zwangspause war er das Herzstück im Mittelfeld, der oberflächlich aber nur auf seine langen Pässe und kleinere Tricks reduziert wird.


Der Konkurrenzkampf belebt die Mannschaft


Der FC Bayern besitzt in der Zentrale keinen kreativeren Spieler als Thiago. Leon Goretzka hat in den vergangenen Wochen zwar mächtig aufgeholt, bringt eine hohe Dynamik mit, ist körperlich unheimlich robust und zudem torgefährlich - aber genau diesen Konkurrenzkampf braucht die Mannschaft, um sich zu motivieren.

Dass sich Thiago wieder herankämpfen muss, ist ein gutes Zeichen für Cheftrainer Hansi Flick. Unter seiner Leitung gilt das Leistungsprinzip, wer spielen will, muss sich einen Platz erarbeiten - entsprechend wird Thiago in jeder Einheit sein gesamtes Leistungsvermögen abrufen. Und sobald Goretzka wieder häufiger auf der Bank sitzt, wird er die Zügel wieder anziehen.


Leon Goretzka (r.) hat den Konkurrenzkampf im Mittelfeld neu entfacht

Außerdem stehen Flick mit unterschiedlichen Spielertypen unterschiedliche Systeme zur Verfügung, eben weil sie verschiedene Elemente in das Spiel bringen. Deshalb ist Thiago noch immer ein wichtiger Spieler; und wird auch in den kommenden Jahren einer sein. Vorausgesetzt, er verlängert seinen bis 2021 datierten Vertrag.

Einen Spieler seiner Klasse zu finden, ist aufgrund der hohen Nachfrage enorm schwierig. Die Verantwortlichen täten gut daran, Thiago mindestens zwei weitere Jahre an sich zu binden. Die Stammbesetzung im Mittelfeld verfügt über die richtige Mischung, um für unterschiedliche Probleme unterschiedliche Lösungen zu finden, und die vergangenen Spiele haben gezeigt, dass es auch ohne ihn geht. Aber gänzlich dürfen die Bayern nicht auf Thiago verzichten.