Im Anschluss an seinen Kreuzbandriss musste sich Niklas Süle durch eine lange Reha kämpfen. Nach einem Rückschlag geriet er mit Teamarzt Dr. Müller-Wohlfahrt zusammen, da dieser eher für Vorsicht und langsamere Fortschritte warb. Das wollte der Innenverteidiger jedoch nicht akzeptieren.


Am achten Spieltag der vergangenen Saison fiel Niklas Süle früh und lange aus: Der Innenverteidiger des FC Bayern München zog sich, wie sich etwas später herausstellte, den zweiten Kreuzbandriss in seiner noch jungen Karriere zu. Von diesem Moment an war es bereits das Ziel, für die eigentlich im frühen Sommer angesetzte Europameisterschaft wieder fit zu sein.


Nach der wegen der Coronakrise abgesagten und in den Sommer 2021 verschobenen EM wurde der fortlaufende Wettbewerb in der Champions League zum neuen Ziel auserkoren. Über die letzten Wochen arbeitete Süle hart daran, in der Reha möglichst große Fortschritte zu machen, um seiner Mannschaft so früh wie möglich wieder aushelfen zu können.


Süles Wunsch gegen Dr. Müller-Wohlfahrts Bedenken: FC Bayern-Verteidiger suchte externe Ärzte auf


Im April jedoch gab es einen Rückschlag für den 24-Jährigen: Ein Ödem im Knie verhinderte eine Rückkehr ins fortgeschrittene Training. Süle hingegen soll immer wieder auf einen möglichst frühen Einstieg ins Mannschaftstraining bestanden haben, womit er - wie die Sport Bild am Mittwoch berichtet - auch den Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt gegen sich aufgebracht hat. Der Arzt sei, entgegen der Ansicht des Spielers, gegen eine verfrühte Trainingsrückkehr gewesen. Auch habe er ihm eine Arthroskopie-Behandlung vorgeschlagen, um das Gelenk genauer betrachten zu können. Das lehnte der Defensivspieler ab.


Niklas Süle wieder im Einsatz: Er spielte im Testspiel gegen Marseille

Müller-Wohlfahrt ist mittlerweile dafür bekannt, keine Risiken eingehen zu wollen. Manch einer wird sich noch an die Streitigkeiten zwischen ihm und dem damaligen Bayern-Coach Pep Guardiola erinnern. Der Ausnahme-Trainer sei oft zu fahrlässig mit wichtigen Aufwärm-Programmen und Muskelverletzungen umgegangen, wie der Arzt in seiner Biografie 'Mit den Händen sehen: Mein Leben und meine Medizin' verriet.


Süle, so der Bericht weiter, soll sich von den Warnungen Müller-Wohlfahrts jedoch unbeeindruckt gezeigt haben. Deshalb habe sich der Nationalspieler den Rat von anderen, externen Ärzten eingeholt. Durch diese Gespräche hatte sich der Verteidiger das grüne Licht für den Einstieg ins Mannschaftstraining geholt, in dem er ab dem 18. Mai auch wieder dabei war. Im Testspiel gegen Olympique Marseille, das als Vorbereitung für die Champions League fungierte, stand er bereits eine halbe Stunde auf dem Platz.