Der FC Bayern hat sich am Samstagabend mit 5:2 gegen Eintracht Frankfurt durchgesetzt. Über weite Strecken lieferte der Rekordmeister eine überzeugende Leistung, doch speziell gegen den Ball lief nach dem Seitenwechsel nicht alles rund. Mit viel Selbstvertrauen und einem Warnschuss geht es ins Topspiel gegen den BVB am Dienstag, wie die folgenden Erkenntnisse zeigen.



1. Müller und Kimmich Extraklasse - auch Davies überragt

Unter Hansi Flick ist und bleibt Thomas Müller ein Phänomen. Der 30-Jährige lieferte am Samstagabend seinen 17. Assist in der laufenden Saison und erzielte obendrein Tor Nummer 7. Sein Treffer zum 2:0 gehört glasklar in die Kategorie 'Typisch Müller': Die Annahme von Alphonso Davies' Hereingabe sah behäbig und misslungen aus, doch irgendwie konnte Müller den Ball doch noch ins Tor spitzeln.

Der Raumdeuter erledigte seine Aufgabe wieder einmal mit Exzellenz, holte sich dafür ein großes Lob vom Trainer ab: "Man muss heute auch Thomas Müller herausheben, der sehr intelligent die Räume genutzt hat und auch bei einigen Toren mit beteiligt war", sagte Flick laut Sky nach dem Spiel.

Es war aber nicht nur Müller, der in der Zentrale funktioniert hat, auch Joshua Kimmich hatte einen großen Anteil am Sieg. Aufgrund des Ausfalls von Thiago musste Leon Goretzka auf der Doppelsechs aushelfen; der 25-Jährige übernahm den defensiveren Part und brillierte mit seinen nachrückenden Tiefenläufen wie beim 1:0, während sich Kimmich nach vorne orientierte und deutlich öfter im letzten Drittel zu sehen war als üblich.

An der Seite von Thiago lässt sich Kimmich im 4-2-3-1/4-3-3-Mix häufig zwischen die Innenverteidiger fallen, während sich der Spanier nach vorne orientiert. Gegen die Eintracht agierte Kimmich derweil beinahe als offensiver Mittelfeldspieler, der gerne auf die Außenbahn auswich, mit seinen flachen Pässen wieder zahlreiche Chancen kreierte und mit Goretzka und Müller das Mittelfeld dominierte.

Doch auch Alphonso Davies ist wieder einmal hervorzuheben. Der Kanadier überzeugte mit Agilität, Aggressivität und Spielwitz, bereitete das 2:0 mit einer butterweichen Flanke vor und erzielte nach einem Sololauf und etwas Glück das zwischenzeitliche 4:2. Es ist kaum vorstellbar, dass Davies in der kommenden Saison wieder auf der Ersatzbank sitzt.



2. Flankengewitter von Perisic und Coman nicht zielführend

So flüssig auch kombiniert wurde, so harmlos waren wieder einmal die vielen Flanken, die ins Zentrum geschlagen wurden. Weder Ivan Perisic noch Kingsley Coman sorgten mit ihren Hereingaben für Gefahr - ein Problem, das sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht und von dem auch Serge Gnabry betroffen ist.

Wie effektiv Angriffe über die Außen sein können, wurde beim 1:0 eindrucksvoll deutlich: Perisic ließ den Steilpass zu Müller durchrutschen, der wiederum fast bis zur Grundlinie marschierte und den Ball in den Rückraum spielte, wo Goretzka bereitstand und nur noch einschieben musste.

Allerdings kamen die Flügelspieler zu selten in Eins-gegen-eins-Situationen und zu häufig mangelte es bei den Zuspielen an Präzision. Daran wird Flick definitiv arbeiten müssen.



3. Abwehrboss Alaba

Es ist wahrlich nicht seine Lieblingsposition - doch unter Flick hat man das Gefühl, dass David Alaba schon immer in der Innenverteidigung gespielt hat.

Der Linksverteidiger, der eigentlich davon träumt, im defensiven Mittelfeld zu spielen, ist längst zum neuen Abwehrchef aufgestiegen. Alaba glänzt mit seinem Positionsspiel, läuft deshalb viele Pässe problemlos ab. Zudem überragt er im Aufbauspiel mit seinen präzisen, überlegten Zuspielen und einer herausragenden Übersicht. "Das ist schon auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Bei Ballbesitz ist er sehr ballsicher, hat aber auch ein Auge für Spieler und Raum. Auch in der Defensive, wie er organisiert, die Linie hält. Er ist auf dieser Position ein Maßstab", schwärmte Cheftrainer Flick laut der tz.

Umso spannender ist die Frage, auf welcher Position Alaba in der neuen Saison spielen wird - dabei kann die Innenverteidigung eigentlich nur seine neue Heimat werden.



4. Zu braves Abwehrverhalten und mangelnde Konzentration

Im zweiten Durchgang gab es einige Szenen, in denen Manuel Neuer keineswegs mit der Arbeit seiner Vordermänner zufrieden war. Etwa bei den Gegentoren, als Martin Hinteregger binnen wenigen Minuten zwei Mal nach einem Eckball einnetzen durfte; oder als die Eintracht trotz des 2:4-Rückstandes nach vorne spielte, dabei häufig über die linke Außenbahn gefährlich wurde und gefährliche Flanken in den Strafraum schlagen konnte; oder als Mijat Gacinovic in der 68. Minute die Chance auf das 3:4 hatte und an Neuer scheiterte, der in der 83. Minute Glück hatte, dass Filip Kostic nur den Pfosten traf.

Nachdem Robert Lewandowski wenige Augenblicke nach Wiederbeginn das 3:0 erzielte, haben die Bayern ein paar Gänge zu viel zurückgeschaltet. Das blieb Trainer Flick keineswegs verborgen: "Da hat vielleicht die Konzentration gefehlt", so der 55-Jährige, der mit den Gegentoren haderte: "Frankfurt hat gute Standards, deswegen haben wir hier nicht so gut ausgesehen. Darüber müssen wir sprechen und gucken, dass wir das besser machen."

Das Angriffsspiel der Eintracht war ein Warnschuss vor dem Spitzenduell gegen den BVB. Am Dienstag dürfte Schwarz-Gelb wie so häufig gegen die Bayern auf Umschaltsituationen setzen und nach Balleroberung auf volle Offensive umschalten.

Die riskante Spielweise unter Flick lässt diese Räume durchaus zu, weshalb Vorsicht geboten ist. Die Münchner müssen konzentrierter und konsequenter verteidigen, besonders im Mittelfeld aggressiv und kompakt zu Werke gehen und verhindern, dass Zielspieler Erling Haaland zwischen den Innenverteidigern durchstarten kann. Der Norweger dürfte aufgrund seines Geschwindigkeitsvorteils das Laufduell mit Jerome Boateng suchen - ähnlich agierte Werder Bremen mit Milot Rashica in der Spitze.

Gelingt das nicht, dürfte viel Arbeit auf Neuer zukommen; wie im Supercup, den der BVB mit 2:0 gewinnen konnte. So oder so erwartet die Fans ein spannendes Fußballspiel zwischen den beiden besten deutschen Mannschaften.