Fünf Jahre lang hielt Sven Ulreich Manuel Neuer beim FC Bayern den Rücken frei, jetzt steht der 32-jährige Torhüter beim HSV zwischen den Pfosten. Im Interview mit Sport1 sprach Ulreich über die Gründe für den Abschied aus München, welche Rolle der Transfer von Alexander Nübel gespielt hat und warum es ihn ausgerechnet zum HSV zog.


Er habe ursprünglich gar nicht so lange auf der Bank des FC Bayern sitzen wollen, sagt Sven Ulreich im Interview mit Sport1 - und doch blieb der Schlussmann, der zuvor viele Jahre das Tor des VfB Stuttgart gehütet hatte, nach seiner Verpflichtung im Sommer 2015 stolze fünf Jahre, ehe er sich für einen Abschied entschied.

Bereits im Juni kündigte Ulreich an, sich nach einem neuen Verein umsehen zu wollen. Die Suche gestaltete sich als kompliziert, die raren Plätze in der Bundesliga wurden mit der Zeit besetzt. Vor einigen Wochen habe man schließlich Kontakt mit dem Hamburger SV aufgenommen, Vollzug konnte aber erst kurz vor Schluss gemeldet werden. Dem Vernehmen nach zahlen die Hanseaten keine Ablösesumme für Ulreich, dessen Gehalt zu 80% vom FC Bayern übernommen werden soll.


Ulreich wollte nicht weiter auf der Bank sitzen


Ulreich geht als verdienter Spieler, der bewusst als Nummer zwei nach München gekommen ist und nun endlich wieder spielen will: "Ich hätte mich nicht damit zufriedengegeben, noch ein Jahr auf der Bank zu sitzen und nicht regelmäßig Spiele zu bekommen", erläutert der 32-Jährige die Beweggründe für seinen Wechsel. In den vergangenen sechs Monaten sei die Idee gereift, "ich wollte diese neue Herausforderung", betont Ulreich.


Beim FC Bayern hat Sven Ulreich die meiste Zeit auf der Ersatzbank verbracht

Beschwert hatte er sich nie über die Rolle als Neuers Stellvertreter, leicht ist es ihm aber nicht immer gefallen: "Es gab Tage, an denen es schwer war. [...] Wenn man die Spiele gewinnt und man nicht selbst auf dem Platz steht, ist schon ein weinendes Auge dabei." Künftig wolle er "wieder mehr miterleben und genießen", einfach wieder "auf dem Platz stehen. Das ist der Grund, warum ich gewechselt bin."


Nübel-Transfer als Dosenöffner


Die Bayern hatten unlängst vorgesorgt, noch im Dezember vergangenen Jahres wurde bekanntgegeben, dass Alexander Nübel im Sommer vom FC Schalke 04 kommen würde. Informiert wurden Ulreich & Co. erst auf dem Weg zum Trainingslager in Katar, während der Transfer simultan bekanntgegeben wurde. "Das hätte man anders lösen können", kritisiert er die Kommunikation der Sportlichen Leitung. Er habe "enttäuscht" auf diese Nachricht reagiert, im selben Moment aber auch realisiert, "dass ich umsetzen will, was ich schon lange im Kopf hatte: Endlich wieder spielen zu wollen."


"Schon immer ein Hingucker" - Deshalb fiel die Wahl auf den HSV


Freilich hat also auch der Nübel-Transfer dazu beigetragen, dass Ulreichs Wechselwusch gereift ist - nicht aber dazu, dass er bis 2023 beim HSV unter Vertrag steht. "Ich bin froh, dass ich jetzt beim HSV bin", sagt Ulreich, den "die Aufgabe gereizt" hat.


Beim HSV hofft Ulreich auf mehr Spielpraxis

"Hamburg", betont Ulreich, "war für mich schon immer ein Hingucker." Überzeugt haben ihn letztlich die Gespräche mit Sportdirektor Michael Mutzel und Sportvorstand Jonas Boldt sowie die Spielweise des neuen Trainers Daniel Thioune. "Ich war sofort von dem Projekt überzeugt", schwärmt Ulreich, "davon möchte ich ein Teil sein."

Als Rückschritt betrachtet er den Wechsel keineswegs: "Ich kann mich hier weiterentwickeln und will helfen, unsere Ziele zu erreichen. Hier herrscht ein gutes Klima und die Spieler wissen, um was es geht." Sein oberstes Ziel ist ohnehin nicht der Aufstieg, sondern wieder regelmäßig zwischen den Pfosten zu stehen: "Ich bin hierhergekommen, um mehr Spielzeit zu bekommen." Das fällt in Hamburg deutlich leichter als in München, wo Manuel Neuer seit Monaten in absoluter Weltklasse-Form besticht.