Verlässt Kingsley Coman nun doch den FC Bayern? Im Zuge der Verpflichtung von Leroy Sané wurde bereits im vergangenen Jahr über einen Abschied des quirligen Franzosen spekuliert, laut The Athletic ist er nun als Alternative zu Jadon Sancho bei Manchester United im Gespräch. Wie BILD und Sport Bild berichten, wollen die Bayern Coman aber nicht verkaufen. Was spricht für und gegen einen Transfer?


Seit seiner Verpflichtung von Juventus Turin im Sommer 2015 gilt Kingsley Coman als unheimlich talentierter Flügelspieler. Der Franzose liebt das Eins-gegen-eins, nimmt nach dem Andribbeln immer wieder Tempo auf, um seine Gegenspieler zu überwinden, schlägt Haken um Haken, um sie aus der Balance zu bringen und sich dann freizulaufen. Seine Hereingaben und Schüsse mögen nicht die effektivsten sein, abgesehen von der Torgefahr ist Coman aber ein hochinteressanter Spieler.

Schon in der Vergangenheit kursierten Gerüchte über einen Abschied aus München. Aktuell soll Manchester United die Fühler nach Coman ausstrecken, unabhängig von den Bemühungen um Jadon Sancho. Angeblich wollen ihn die Münchner aber nicht ziehen lassen. Welche Entscheidung wäre die richtige?



Was für einen Transfer spricht


Die Corona-Krise macht auch dem FC Bayern zu schaffen. Der Kader soll in der Breite verstärkt werden, dafür braucht es aber das nötige Transferbudget. Leroy Sané hat eine Fixsumme von knapp unter 50 Millionen Euro gekostet, Alexander Nübel und Tanguy Nianzou wechselten dagegen ablösefrei an die Isar. Allerdings soll noch ein Mittelfeldspieler kommen, auch ist ein neuer Rechtsverteidiger im Visier.

Coman könnte aufgrund der Vertragslaufzeit bis 2023 eine stattliche Millionensumme einbringen, die die Bayern dann in den Kader reinvestieren würden. Mit einem gleichzeitigen Verkauf von Thiago hätte man also viel Geld übrig, um die Lücken zu schließen. So könnte Coman durch einen Backup auf dem Niveau von Ivan Perisic und einem hauseigenen Talent wie Oliver Batista Meier ersetzt werden, für die rechte Abwehrseite könnte ein talentierter Außenverteidiger verpflichtet werden und für das zentrale Mittelfeld ein Spielgestalter, der sich nicht vor Zweikämpfen scheut.


Comans Körper steht seiner fußballerischen Entwicklung seit Jahren im Weg

Außerdem ist das größte Manko an Coman seine extreme Verletzungsanfälligkeit. Mehrere Kapselverletzungen, ein Kapselriss im Sprunggelenk und zwei Syndesmosebandrisse haben ihn in den vergangenen Jahren regelmäßig außer Gefecht geworfen. Selten findet Coman innerhalb einer Saison in den Rhythmus, ohne wieder rausgeworfen zu werden. Auch in dieser Spielzeit blieb er davon nicht verschont. Bei jedem Foul besteht die Chance, dass er sich erneut verletzt. Auch Franck Ribéry und Arjen Robben hatten mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen, die langjährige Flügelzange war aber völlig unverzichtbar - anders als Coman.



Was gegen einen Transfer spricht


Doch trotz seiner Verletzungen und trotz seines durchschnittlichen Outputs ist Coman noch immer ein Spieler mit großem Potenzial. Der 22-fache französische Nationalspieler ist erst 24 Jahre alt, passt damit perfekt in die Kaderstruktur der Bayern, die vorrangig junge Spieler verpflichten. Auf dem Flügel ist er noch einmal wendiger als Serge Gnabry, vielleicht würde er sogar perfekt mit Sané harmonieren, wenngleich er dann auf den eher ungeliebten rechten Flügel ausweichen müsste.


Schon jetzt ist Coman ein sehr guter Fußballer - aber er kann es noch viel besser

Die Bayern wissen, was sie an Coman haben - und sie wissen, dass der Kader derzeit dünn besetzt ist. Im Kollektiv könnte ein Verlust kompensiert werden, dann wäre aber die Verpflichtung eines Ersatzspielers fällig. Warum also sollte man Coman nicht behalten und hinter ihm, Gnabry und Sané die Talente aus der Nachwuchsschmiede heranführen? Denn verglichen mit einem Backup wie Perisic hat Coman ein höheres Leistungsniveau und ein noch größeres Potenzial.

Außerdem ist der Konkurrenzkampf auf den Außenbahnen nach vielen Jahren wieder offen. Waren die Rollen in der Vergangenheit klar verteilt, ist jetzt unklar, welcher der drei Akteure spielen wird. Konkurrenz belebt das Geschäft - jeder wird an sein Limit gehen, denn jeder will spielen. Das Flügel-Trio Coman, Sané und Gnabry ist ein purer Luxus, von dem viele Mannschaften in Europa träumen.



Welche Entscheidung wäre die richtige?


Sollte Manchester United ein Angebot zwischen 60 und 70 Millionen Euro einreichen, dürfte dieses an der Säbener Straße zumindest überdacht werden. Grundsätzlich sollte Coman allerdings auch weiterhin für den FC Bayern spielen. Unter Hansi Flick kann er sich weiterentwickeln, wird dabei vom Konkurrenzkampf mit Sané und Gnabry profitieren. Der deutsche Rekordmeister ist außerdem jedes Jahr in der Champions League vertreten und kommt nur in Ausnahmefällen nicht über das Achtelfinale hinaus.



United befindet sich seit der Rückrunde zwar im Aufschwung, ist aber noch weit davon entfernt, wieder eine Spitzenmannschaft zu sein. Der FC Bayern gehört dagegen zu den Top-5-Vereinen in Europa. Sollte er all das für die Premier League aufgeben, in der eine deutlich ruppigere Gangart als in der Bundesliga an der Tagesordnung steht und in der die Aussichten auf Titel deutlich geringer sind, würde er einen großen Schritt zurück gehen.