Zweifel daran, dass Leroy Sané ab der neuen Saison für den FC Bayern auflaufen wird, gibt es keine mehr. Seine Ankunft in München wurde minutiös dokumentiert, einzig die offizielle Bekanntgabe des Vereins steht noch aus. Endlich geht der Transfer über die Bühne, endlich findet die zähe Berichterstattung ein Ende. Es war längst überfällig.


Man könnte fast einen Roman über die Transfer-Saga um Leroy Sané und den FC Bayern schreiben. Vor über einem Jahr bekundete der deutsche Rekordmeister sein Interesse am Flügelspieler, der bis 2021 bei Manchester City unter Vertrag gestanden hatte. Monatelang waren die Aussichten auf einen Erfolg in den Verhandlungen unklar, weil der englische Spitzenverein mehr als 100 Millionen Euro für Sané, der zu keinem Zeitpunkt Stellung beziehen wollte, gefordert haben soll. Klar war also nur, was die beiden Klubs wollten.


Im August vergangenen Jahres schienen die Bayern den Durchbruch geschafft zu haben, angeblich hatte sich Sané für einen Wechsel entschieden. Doch dann riss er sich im Community Shield gegen den FC Liverpool das Kreuzband - und die Bayern legten ihre Bemühungen auf Eis. Wie nach der Dramentheorie des Aristoteles nahm das Transfer-Theater eine böse Wendung. Als Ersatz kamen Ivan Perisic und Philippe Coutinho, beide Spieler wurden allerdings nur ausgeliehen; ein erstes Indiz dafür, dass die Seifenoper weitergehen sollte.


Leroy Sané wird ein Spieler des FC Bayern. Bis zur Vertragsunterschrift war es ein langer Weg.

In den darauffolgenden Monaten ging es hin und her. Sämtliche deutsche und englische Medien rollten den Fall immer wieder neu auf. Mal hieß es, Sané habe sich mit den Bayern geeinigt, dann wechselte er sein Management, dann zweifelte Bayern-Coach Hansi Flick an seiner Einstellung, dann entschied man sich angeblich gegen den 24-Jährigen, bevor man sich doch wieder einig war, dass er der Wunschspieler für die Außenbahn sei. Schlussendlich landete er am Abend des 1. Juli 2020 in München, absolvierte spät den ersten Teil des Medizinchecks, der am darauffolgenden Tag fortgesetzt wurde. Zig Fotos kursierten durch die sozialen Medien, Sanés Ankunft wurde zelebriert, als sei der Papst in der bayrischen Landeshauptstadt eingetroffen.


Die Seifenoper geht endlich zu Ende


Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Transfer offiziell bekanntgegeben wird. Dann ist diese Posse endlich vorüber. Die schwankende Berichterstattung wurde immer zäher und lästiger, die Glaubwürdigkeit der TV-Sender und Fachmagazine begann zu schwinden. Denn jeder behauptete, er habe diese und jene exklusive Information, die sich wiederum nicht mit den Informationen der Konkurrenz decken sollte.


Auch für die Bayern-Verantwortlichen geht eine Nervenschlacht zu Ende. Ein Jahr lang wurden Gespräche mit Manchester City geführt, ein Jahr lang musste Sané davon überzeugt werden, dass eine Rückkehr in die Bundesliga das Beste für seine Karriere ist. In München spielt er künftig mit Manuel Neuer, Jerome Boateng, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry - allesamt Kollegen aus der deutschen Nationalmannschaft.

Die ewigen Nachfragen haben sich ebenfalls erledigt. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Trainer Flick können nun wieder ihrer Arbeit nachgehen, ohne über etwaige Wasserstandsmeldungen sprechen zu müssen. Und auch die Frage, wie liquide der Verein in Corona-Zeiten ist, ist endgültig geklärt. Die Ablösesumme soll sich auf knapp unter 50 Millionen Euro belaufen, das Jahresgehalt auf 17 Millionen Euro. Von solchen Ausgaben kann die Konkurrenz nur träumen.


Für die Zukunft: Bitte keine zweite Causa Sané


Selbstverständlich wird auch in den kommenden Monaten fleißig über Zu- und Abgänge beim FC Bayern spekuliert. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass sich eine zweite Causa Sané entwickelt. Diese Hängepartie war ob der unglücklichen Umstände eine Ausnahme, die es so aber auch nie gebraucht hätte. Egal, wer noch mit den Bayern in Verbindung gebracht wird - es bleibt zu hoffen, dass die Berichterstattung wesentlich moderater und eindeutiger ausfällt. Ein wenig mehr professionelle und seriöse Arbeit täte allen gut.