Seit zwei Jahren geht Serge Gnabry nun schon für den FC Bayern auf Torejagd. Der Flügelspieler hat sich auf Anhieb zum Stammspieler und Leistungsträger gemausert. In seinem Gastbeitrag auf The Players' Tribune verrät Gnabry, warum der Rekordmeister für ihn persönlich mehr ist als ein Arbeitgeber. Über die (verzögerte) Erfüllung eines ganz großen Traums.


Schon in Jugendjahren galt Serge Gnabry als großes Talent - nicht umsonst spielte der gebürtige Schwabe im Nachwuchsbereich für den VfB Stuttgart und den FC Arsenal. Zwei Klubs, die (zumindest damals) für ihre herausragende Jugendarbeit bekannt waren.


Doch dass Gnabry überhaupt erst für den VfB und die Gunners auflief, hatte er seinem Vater zu "verdanken". Verdanken in Anführungszeichen, weil, nun ja, er als kleiner Junge nicht unbedingt mit der damaligen Entscheidung seines Vaters einverstanden war - denn bereits als 10-Jähriger hatte Gnabry die Chance gehabt, in die Nachwuchsakademie des FC Bayern zu wechseln.


In seiner Kolumne auf The Players' Tribune verrät der 24-Jährige, dass er als Kind bei einem Jugendturnier dem großen FC Bayern aufgefallen war. "Ich kam gerade mit meinem Vater von einem Turnier nach Hause, als er mir sagte - völlig versteinert -, dass ein Trainer von Bayern mit ihm gesprochen und ihn gefragt hatte, ob ich mich ihnen anschließen wolle", offenbart Gnabry. "Ich erinnere mich, dass ich meine Früchte aß, die meine Mutter mir eingepackt hatte, und noch bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte, sagte er: 'Aber du wohnst hier bei deinen Eltern. Wir ziehen nicht nach München. Du bist zehn Jahre alt.'"


Gnabry führt aus, dass er nach diesen Worten den ganzen restlichen Nachhauseweg geweint hat und am Boden zerstört war.


Doch aus genau diesem Grund ist es für ihn heute ein noch größeres Gefühl, für den Rekordmeister aufzulaufen, als es das ohnehin wäre. "Wenn ich sage: 'Für Bayern zu spielen, ist ein wahr gewordener Traum', dann verstehen Sie nicht wirklich, was ich meine. Denn es ist viel mehr als das", beschreibt der Nationalspieler seine Gefühlslage.


"Moment mal, spiele ich wirklich für Bayern München? Ist das wirklich wahr?" Serge Gnabry

Noch heute kann Gnabry kaum begreifen, dass er es geschafft hat und für den größten und erfolgreichsten Klubs Deutschlands aufläuft. "Vielleicht liegt es daran, dass sich [während der Corona-Krise, Anm.] alles verlangsamt hat, aber als ich allein zu Hause trainierte, ertappte ich mich bei dem Gedanken: 'Moment mal, spiele ich wirklich für Bayern München? Ist das wirklich wahr?'", so Gnabry, für den der FC Bayern somit mehr ist als "nur" ein Arbeitgeber und Fußballverein.


"Jetzt dieses rote Bayern-Trikot tragen zu können, wirklich ... es ist unglaublich. Manchmal, wenn die Dinge schwierig sind und ich etwas Motivation brauche, schaue ich mir die anderen Jungs in der Umkleidekabine an und denke mir: 'Ist dir klar, dass du für die erste Mannschaft des FC Bayern spielst? Du und deine Jungs ... Ihr seid wirklich alle hier. Ist dir das wirklich klar?' S***, das ist verrückt."


Gnabry mit seinen Kumpels Kimmich und Alaba

Um Gnabrys ganze Geschichte mitsamt seinen unterschiedlichen Gefühlen zu erfahren und nachzulesen - von seinen Anfängen auf einem kleinen Stuttgarter Trainingsfeld, seinem großen Schritt zum FC Arsenal, eine schreckliche Erfahrung bei West Bromwich und die Rückkehr nach Deutschland -, schau auf The Players' Tribune vorbei. Es lohnt sich! Versprochen.


Ach ja: Und obwohl sein Vater ihm als 10-Jähriger den Schritt zum FC Bayern verboten hat, so spielt er doch eine ganz wichtige und entscheidende Rolle, dass Gnabry es überhaupt erst zum Profifußballer geschafft hat.