Am vergangenen Bundesliga-Spieltag nutzen mehrere Profis ihre Aufmerksamkeit als Plattform, um an den in den USA ermordeten George Floyd zu gedenken und um ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt zu setzen. Dass er nun eine Strafe erwarten könnte, interessiert Weston McKennie nicht - auch er protestierte mit einem Armband und möchte seine Reichweite weiterhin nutzen.


Mit einem "Justice for George"-Armband lief Weston McKennie am Samstag für Schalke 04 auf. Auch Marcus Thuram, Jadon Sancho und andere Bundesliga-Profis setzten ein Zeichen gegen Rassismus und die damit einhergehende Gewalt. Als "politische Statements" könnten sie gegen die DFB-Statuten verstoßen, weshalb der Verband nun zwar ermitteln, aber nicht unbedingt eine Strafe aussprechen muss.


McKennie will seine Reichweite weiter nutzen - Gedenken an George Floyd und zahlreiche weitere tragische Fälle


Unabhängig des Ausgangs der Ermittlungen und der etwaigen Strafe denkt McKennie jedoch nicht daran, sofort mit dem Tribut an George Floyd und dem Protestieren gegen Rassismus aufzuhören. Im Interview mit dem Magazin Forbes erklärte er seine Beweggründe für das getragene Armband: "Die Liga und jeder im Fußball predigt ständig 'Sag Nein zu Rassismus'. Deshalb habe ich gedacht, dass es kein Problem geben wird. Wenn ich Konsequenzen tragen muss um meine Meinung zu äußern, um meine Gefühle zu erklären, um für meinen Glauben einzustehen, dann ist das etwas, was ich tun muss."


"Für mich war es meine Verantwortung und Pflicht, gerade als Amerikaner und in der aktuellen Situation." McKennie über sein Statement

Zwar gab der 21-Jährige zu, dass er seine Aktion womöglich vorher mit dem Verein hätte abstimmen sollen, doch am Ende zähle nur die Botschaft. Auch diese erklärte er: "Meine Botschaft ist, dass wir zwar Athleten sind, aber zuerst Menschen." Da er diese Aktionen für wichtig hält, möchte er sie auch fortsetzen, trotz potenzieller Strafen: "Ich weiß, dass ich weiterhin auf irgendeine Art an George Floyd erinnern werde, aber nicht nur an ihn, sondern an die vielen sinnlosen Tode die durch derartige Situationen [Polizeigewalt und Rassismus. - Anm.] verursacht wurden."


In den USA wird derzeit nahezu flächendeckend protestiert

"Ich denke wir Sportler haben eine der größten Plattformen um einen Einfluss zu erzielen und wenn den Followern nicht gefällt, wofür man einsteht, müssen sie uns nicht folgen. Aber ich sollte nicht meine Meinungen ändern müssen, weil es den Leuten die mir folgen nicht gefällt. So funktioniert das nicht", mahnte der gebürtige Texaner weiter an. Folgend wird McKennie, zusammen mit anderen Sportlern, ein Video veröffentlichen. Darin wird unter der Message "Genug ist Genug" Polizeigewalt angeprangert, verschiedene Persönlichkeiten werden sich klar aussprechen.

"Ich habe mir das Video angesehen und an einem Punkt gedacht, 'ist das zu viel? Sind diese Szenen zu viel?', aber das ist nunmal das, was wirklich passiert." Das Video soll sehr bald veröffentlicht werden. Wichtig war es ihm aber auch zu betonen, dass er nicht an das "Jeder Polizist ist ein schlechter Polizist"-Mantra glaube, genauso wenig wie es nicht stimme, "dass alle Weißen Rassisten sind", oder "dass alle schwarzen Menschen kriminell sind".



Kommentar: Mündige und ehrliche Sportler werden gefordert, nun sind sie da: Mit einem wichtigen Anliegen


Weston McKennie ist in diesem Falle das Sprachrohr verschiedener Fußball-Profis und Sportler, die auf Ungerechtigkeit, Rassismus und Gewalt aufmerksam machen, sich dagegen aussprechen. Immer wieder werden die Rufe nach mündigen Profis laut, die Klartext sprechen und ihre Meinung laut sagen, statt zu den vorgefertigten Agentur-Texten zu greifen. Immer wieder wird betont, wie selten solche in der Öffentlichkeit stehenden Sportler sind - vor allem in der Bundesliga werden Spieler und Trainer gefeiert, die kein Blatt vor den Mund nehmen und deutlich sagen, was Sache ist.


Nun kann es für derartige Statements keinen besseren Anlass geben, als sich gegen Rassismus und Gewalt auszusprechen. Klare Meinungen, die ausgesprochen werden und die normalerweise selbstverständlich sein sollten, es aber leider noch immer nicht sind. Wer kann sich dagegen aussprechen? Natürlich muss der DFB ermitteln, schließlich greifen die eigenen Statuten, schließlich könnte ein Spieler auch unliebsame und nur von einem kleinen Teil der Gesellschaft vertretene Ansichten verbreiten. Deshalb ist es wichtig, dass es dieses Mittel der Kontrolle gibt.

Wie bereits am am Montag erklärt: Trotzdem sollte der Verband keine Strafe erlassen. Die Statements sind richtig, sie gehören in die Öffentlichkeit. Mit der Überzeugung dahinter, in diesem Fall von S04-Profi McKennie erklärt, sollten sie Gehör finden.