Mit dem ersten Gehaltsverzicht konnten die Profis und Funktionäre auf Schalke den zahlreichen Klub-Mitarbeitern spürbar unter die Arme greifen. Noch immer wird über einen zweiten Verzicht gesprochen, doch die Gespräche gestalten sich offenbar schwierig - noch immer gibt es keine Einigung.


Rund 600 Mitarbeitern an der Geschäftsstelle von Schalke 04 konnte inmitten der ersten Monate der Coronavirus-Pandemie finanziell geholfen werden, weil die Spieler und auch das Trainerteam einem Gehaltsverzicht zustimmten. Die Initiative, so wurde es zum damaligen Zeitpunkt immer wieder erklärt, sei eindeutig von der Mannschaft ausgegangen.


Daraufhin fanden Gespräche zwischen dem Mannschaftsrat und der Vereinsführung statt. Das Resultat: Den Mitarbeitern im Verein konnte trotz der notwendigen Kurzarbeit der volle Lohn gezahlt werden. Ein tolles Ergebnis, erreicht durch den offenbar freiwilligen Verzicht auf Teile des Gehalts. Insgesamt sind etwa zehn Millionen Euro eingespart worden, pro Monat waren es 2,5 Millionen Euro (via WAZ). Neben dem Verzicht an sich gab es zudem weitere Stundungen, also zeitweise Aussetzungen der Bezahlung. Diese sollen nachgeholt werden, sobald Schalke wieder in der ausverkauften Veltins-Arena spielen kann. Die noch immer ausbleibenden Tickets reißen zusätzliche Löcher in die Taschen des ohnehin finanziell stark angeschlagenen Klubs.


Auf Schalke ist der Gehaltsverzicht zum komplizierten Thema geworden

Da die Pandemie noch immer wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen für das Fußball-Geschäft hat und auch Königsblau nach wie vor betroffen ist, waren Gespräche über einen erneuten Gehaltsverzicht angedacht. Bislang ohne Erfolg und so wie es aussieht, dürfte es schwierig werden, eine erneute Einigung zu erzielen - zumindest nicht in den nächsten Wochen.


Gehaltsverzicht auf Schalke inzwischen ein schwieriges Thema: Hardliner und Enttäuschung im Team


Die WAZ berichtet, dass die Verantwortlichen des S04 schon seit dem Start der Saisonvorbereitung (Anfang August) mit den Führungsspielern, die sich inzwischen zum neuen Mannschaftsrat zusammengesetzt haben, diesbezüglich in Kontakt stehen. Innerhalb des Teams sei der erneute Verzicht "ein großes Thema". Derzeit soll es die Hoffnung geben, dass es im Oktober womöglich zu einem Kompromiss kommen könnte. Erst wenn der Kader endgültig feststeht und es keine weiteren Zu- und Abgänge mehr geben kann.


Ein Problem soll beispielsweise das angekratzte Vertrauen in die Maßnahmen sein. Dass trotz des Verzichts die 24 Busfahrer des Vereins entlassen und durch eine externe Firma ersetzt wurden, habe für Irritationen gesorgt. Die Entlassungen waren ohnehin ein großes Thema im Umfeld des Klubs, auch durch die Fans hagelte es kritische Nachfragen oder Unverständnis. Sportvorstand Jochen Schneider erklärte, für die Betroffenen sollen neue Anstellungen in oder rund um das Vereinsgebilde gefunden werden.


Jochen Schneider erklärte die damalige Busfahrer-Entlassungen

Zudem machen "einige Hardliner" innerhalb der Mannschaft, so der Bericht weiter, keine Hoffnungen auf einen weiteren Verzicht. So seien nur die Stundungen, also lediglich eine verzögerte, aber dennoch volle Zahlung des Gehalts, für "die meisten Spieler" ein zu akzeptierendes Thema. Ein möglicher Kompromiss in diesem Fall, angeblich vorgeschlagen von den Vereinsverantwortlichen: Bei sportlichem Erfolg - wie auch immer bemessen - soll es zu früheren Rückzahlungen kommen.


Aufgrund dieser Probleme, Vorschläge und bislang fehlender Kompromisse zieht sich das Thema bei Königsblau mit in die mittlerweile gestartete Saison hinein. Diese Verzögerungen sind ebenfalls der Grund dafür, weshalb sich dazu derzeit nicht geäußert wird - noch ist schlichtweg keine Einigung in Sicht.


Schneider soll sich erst wieder dazu äußern, wenn es einen Durchbruch zu vermelden gibt. Trainer David Wagner betonte bereits im August, dass diese Thematik Zeit und Geduld bräuchte. Auch Bastian Oczipka stimmte seinem Coach zu, gab sich jedoch auch optimistisch: "Aber wir werden da eine Lösung finden, zu 100 Prozent." Ob er sich mittlerweile noch genauso sicher ist, wäre wohl eine spannende Frage.