Auf Schalke wird an einem Konzept zur Ausgliederung der Profi-Abteilung gearbeitet. Das bestätigte Marketing-Vorstand Alexander Jobst im Doppelinterview mit Sport-Vorstand Jochen Schneider gegenüber dem kicker.


Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Krise auf Schalke verschärft. Ende Juli erhielt der Verein eine Landesbürgschaft, dessen Volumen Medienberichten zufolge 31,5 Millionen Euro betragen soll. Bereits im Mai enthüllte der Spiegel, dass der Bundesligist zur Sicherstellung der Liquidität ein Darlehen aufnehmen dürfe, nachdem die letzte TV-Rate der abgelaufenen Saison bereits vor der Auszahlung verpfändet wurde.

Die Ausgliederung der Profi-Abteilung ist ein empfindliches Thema auf Schalke. In den vergangenen Monaten wurde immer wieder dafür geworben, etwa nach der 0:4-Pleite im Derby gegen Borussia Dortmund im Mai. Laut Vereinssatzung ist dafür aber eine Dreiviertel-Mehrheit der Mitglieder erforderlich - ein leichtes Unterfangen ist sie also nicht.


Jobst: "Wir arbeiten derzeit an einem Konzept"


Dennoch bleibt sie ein Thema, mit dem sich die Führungsriege auseinandersetzt. "Wir arbeiten derzeit an einem Konzept, um dem FC Schalke 04 eine Struktur zu geben, die zum einen zu 104 Prozent zu unserem Verein passt, es uns zum anderen aber ermöglicht, langfristig wieder höhere Ziele in Angriff zu nehmen", sagte Marketing-Vorstand Alexander Jobst gegenüber dem kicker.


Bei den Mitgliedern ist eine Ausgliederung umstritten. Vom Verein wird sie dennoch angestrebt.

Man stehe an einem Scheideweg, so der 47-Jährige: "Entweder wir verabschieden uns von unseren langfristigen sportlichen Zielen - dann können wir weitermachen wie bisher. Oder aber wir wollen auch in Zukunft ein ambitionierter Verein sein, dann müssen wir uns mit einer Strukturveränderung beschäftigen."


Werte sollen nicht verloren gehen


Das Thema Ausgliederung benötige Zeit, "aber sobald wir die Vorarbeiten abgeschlossen haben", kündigt Jobst an, "werden wir unsere Fans und Mitglieder einbinden, das Für und Wider gemeinsam abwägen und uns in aller Ruhe detailliert austauschen." Seiner Einschätzung nach sei "eine Mehrzahl der Mitglieder bereit, darüber zu diskutieren", vielen sei "deutlich geworden, dass eine Veränderung unumgänglich ist."

Darüber hinaus betont Jobst, dass der Verein auch trotz einer Ausgliederung seinen Werten treu bleiben wolle. Aufgrund dessen wolle man ein Konzept entwickeln, "das sich den Werten und Traditionen dieses Vereins verpflichtet fühlt und das überzeugungs- und begeisterungsfähig ist. Ein klassisches Ausgliederungsmodell wie etwa beim FC Bayern ist bei uns nicht zu realisieren, weil es einfach nicht zu Schalke 04 passt."