Der FC Schalke 04 hat seine schwächste Rückrunde der Vereinsgeschichte endlich hinter sich gebracht, doch auch in naher Zukunft sind die Aussichten nicht besser. Topspieler werden die Königsblauen in diesem Sommer nicht verpflichten können - die sportliche Perspektive ist fraglich.


Sportvorstand Jochen Schneider war zu Gast im Sport1-Doppelpass und berichtete dort von der angespannten wirtschaftlichen Situation seines Klubs. "Die gestandene Topspieler werden wir uns in den nächsten Jahren nicht leisten können. So offen müssen wir sein. Wir müssen auf die jungen Spieler setzten, die aus der Knappenschmiede hervorgehen, aber auch auf jüngere Spieler, die wir dann zum Verein dazuholen", sagte Schneider im Hinblick auf die kommenden Transfer-Aktivitäten der Schalker.

Der fehlende sportliche Erfolg sei Schuld an der aktuellen wirtschaftlichen Situation: "Über viele Jahre wurden die hohen Ausgaben mit den entsprechenden Einnahmen wieder gerechtfertigt. Schalke hat die Verbindlichkeiten enorm reduziert, weil die sportlichen Erfolge da waren. Jetzt sind die ausgeblieben, das macht was mit deiner Einnahmeseite. Ich kann nicht ständig im Traumland leben, so funktioniert das Geschäft nicht. Transparenz kann aber nicht heißen, dass ich sämtliche Gehälter offen lege."


Auf der Suche nach ruhigen Gewässern


Dass die Schalker sportlich in diesem Jahr desolat auftraten, blieb auch Schneider nicht verborgen. "Wir haben eine ganz schlechte Rückrunde gespielt. Der Trend spricht nicht für uns. Wir haben nach Wiederbeginn des Spielbetriebs katastrophal gespielt. Der letzte Eindruck einer Saison bleibt hängen. Der ist miserabel", doch Schneider erkennt auch das Potenzial seines Kaders: "An Weihnachten waren wir mit diesen Spielern, diesem Trainer und diesem Umfeld Fünfter und nur drei Punkte hinter Bayern. Wir haben keine so schlechte Mannschaft, wie sie zuletzt gespielt hat."


Schneider musste viel Kritik für die Entlassung verdienter Mitarbeiter einstecken

Zudem kündigte Schneider Konsequenzen an. "Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen. Das haben wir getan. Es gibt verschiedene Gründe, warum wir so eine schlechte Rückrunde gespielt haben." Ob man es sich erlauben kann, mit Trainer Wagner in die neue Spielzeit zu gehen, verriet er nicht. Dafür änderte er an anderer Stelle etwas, wofür es viel Kritik hagelte.


"Unglücklicher Zeitpunkt" für Fahrdienst-Entlassungen


Denn inmitten der Diskussionen um zu hohe Spielergehälter und latente Misswirtschaft entließ der Manager altgediente Angestellte, um den Fahrdienst für die Jugendspieler einer externen Firma anzuvertrauen. "Wir suchen für jeden Einzelnen eine Lösung, haben sie zum Teil auch schon gefunden. Es ist aber auch so, dass der Fahrdienst von einem externen Dienstleister viel besser erledigt werden kann. Manche Fahrer haben ein Alter erreicht, wo ich sage, 13 oder 14-jährige Spieler sollten vielleicht besser von professionellen Fahrern gefahren werden", so Schneider. Und weiter:

"Die Kommunikation war nicht gut und über das Timing könnte man streiten. Unsere Aufgabe als Manager ist es, Sachen zu ändern und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Ich kann doch nicht ewig so weitermachen, während sich die Rahmenbedingungen ändern", ob dies jedoch der richtige Schritt war, darf bezweifelt werden. Denn nicht nur werden die Ausgaben nun höher sein - in der Außendarstellung mutiert der einstige "Malocher-Klub" immer mehr zum sich von der Basis entfernenden Unsympathen


Leihspieler fest eingeplant


Um die beschränkten Mittel zu nutzen, plant Schneider fest mit der Rückkehr der Leihspieler Rudy und Uth. "Wir planen mit ihnen. Das sind gestandene Bundesliga-Spieler", sagte Schneider. Ob die beiden jedoch nicht eher bei ihren jetzigen Klubs bleiben wollen, wird man sehen. Nabil Bentaleb soll hingegen verkauft werden, um dessen üppiges Gehalt einzusparen.

Allerdings muss Newcastle United auch mitspielen. "Wir müssen sehen, wie die Saison dort zuende geht und ob Newcastle die Option zieht", so Schneider über Bentalebs jetzigen Verein.