Auf Schalke gibt es derzeit tatsächlich viele Dinge zu kritisieren, und das sicherlich nicht nur auf dem Platz. Klaus Fischer hat dieser Tage ordentlich über Nabil Bentaleb gelästert, während er einen Abstieg fürchtet. Aber: Die aktuelle Lage der Mannschaft erlaubt es nur sehr begrenzt, Kritik an einzelnen Spielern zu äußern.


Dass Schalke 04 in verschiedenen Bereichen in der Kritik steht, nachdem man kurz vor dem sechsten Spieltag mit einem Punkt und einer deutlich negativen Tordifferenz auf dem 17. Tabellenplatz steht, ist keinesfalls verwunderlich.


Verwunderlich ist es eher, mit welcher Deutlichkeit Vereins-Legende Klaus Fischer nun über Nabil Bentaleb abledert. Gegenüber den Ruhr Nachrichten machte er seinem Unverständnis etwas Luft: "Er stand jetzt fünfmal in der Startelf und hat fünfmal enttäuscht. An mangelndem Vertrauen in seine Fähigkeiten kann es also nicht liegen." Der Rückkehrer, dessen endgültiger Abschied das erwartete Szenario im Sommer war, hat bisher tatsächlich nicht überzeugen können - das Gegenteil lässt sich derzeit aber über maximal eine Handvoll Schalker sagen.


S04-Rekordtorschütze Klaus Fischer ist regelmäßig selbst im Stadion

Fischer weiter: "Beinahe jeder Pass ist ein Fehlpass, in die Zweikämpfe kommt er gar nicht erst, und unter Druck ist der Ball sofort weg." Wie wenig aussagekräftig diese Kritik an einzelnen Spielern momentan ist, zeigt ein kleines Experiment: Wüsste man beim Lesen nicht bereits, dass sich diese Worte gegen Bentaleb richten, könnten sie auf derzeit etwa so gut wie jeden anderen S04-Spieler zutreffen. Dementsprechend sinnfrei ist es eigentlich, sich in der aktuell miserablen Lage einen einzelnen Spieler zur Brust zu nehmen, während die Mannschaft als Kollektiv diese Aspekte nicht umgesetzt bekommt.


Fischer-Kritik an Bentaleb nicht per se falsch - schlussendlich aber wenig differenziert


Was man nicht falsch verstehen sollte: Zweifelsfrei ist generelle Kritik weder an Nabil Bentaleb, noch an anderen Schalkern derzeit verboten - viel mehr ist sie geboten, schließlich müssen Probleme und Schwachstellen benannt und angegangen werden. Doch nun einen Sündenbock zu suchen, der Fehler macht, die drei Viertel des ganzen Teams machen, nur um einen solchen benennen zu können - das ist weder zielführend noch hilfreich.


"Es tut mir weh, das sagen zu müssen: Schalke ist mein Verein. Wenn der so weiterspielt, dann steigt Schalke ab", fürchtet Fischer das schlimmste Szenario. Eine Aussage, die derzeit ebenso richtig ist, wie sie doch zeigt, dass einzelne Spieler - egal ob sie Bentaleb, Harit, Raman oder sonst wie heißen - zwar wie immer in der Verantwortung stehen, sie aber nicht alleine betrachtet und kritisiert werden sollten, ohne die Gesamtlage zu betrachten. Dass Spieler vermehrt Fehler machen, vor allem in Ballbesitz, ist doch ohne Selbstvertrauen und Erfolgserlebnisse nicht anders zu erwarten - ein Aspekt, den auch Manuel Baum ganz aktuell immer wieder anspricht.


Nabil Bentaleb kann derzeit zwar nicht überzeugen - der Sündenbock ist er aber auch nicht

Selbstverständlich muss ein Nabil Bentaleb zusehen, dass er wieder mehr positiven Einfluss auf die Spiele hat. Das müssen aber so gut wie alle Spieler, und während ein ganzes Team nach Halt und Erfolgen sucht, ist es extrem schwer, als Einzelner (durchweg) positiv oder zumindest nicht (überwiegend) negativ aufzufallen. Positive Beispiele sind im Moment Salif Sané und Frederik Rönnow.


Alle anderen könnten in die gleiche Schublade gesteckt werden, wie Fischer es bei Bentaleb tut. Und das ist keine Einzelkritik gegenüber allen anderen Spielern in Blau-Weiß, das ist nun einmal primär der aktuellen Krisen-Situation geschuldet. Welche Mannschaften überzeugen denn bitte spielerisch und im Selbstbewusstsein, während sie beispielsweise gegen den Abstieg spielen? Welche Spieler würden regelmäßig souverän aufspielen, nachdem sie über neun Monate nicht ein einziges Spiel gewonnen haben? Es darf gerne etwas mehr differenziert werden.