In der groß angekündigten Pressekonferenz auf Schalke ging es um verschiedenste, dennoch sehr wichtige Bereiche des Vereins: Ein großer Teil nahm die Ankündigung nach massiven Einsparungen ein, verbunden mit einem Absenken der Erfolgs-Erwartungen. Zudem berichteten David Wagner und Jochen Schneider über den weiteren sportlichen Weg.


Mit deutlichen und offenen Worten eröffneten Sportvorstand Jochen Schneider und Marketingvorstand Alexander Jobst die Pressekonferenz, in der viel zur Vergangenheit, zur Gegenwart und zur Zukunft des FC Schalke 04 gesprochen und erklärt wurde. Dabei wurde sie in einen organisatorischen und finanziellen Rahmen, und den sportlichen Teil unterteilt.



Teil I: Massive Einsparungen, Zäsur, kein "Weiter so" - Schalke vorerst ohne Europa


Zu Beginn der Pressekonferenz wurde seitens Schneider und Jobst auf die vergangenen Wochen und Monate eingegangen. Es seien sehr unruhige Wochen gewesen, sowohl durch den sportlichen Abrutsch, aber auch durch eigens zu verantwortende Fehler. Für diese entschuldigte sich der S04-Vorstand und meinte damit Probleme bei Ticket-Rückerstattungen, das Gesamtbild des Vereins, die Kommunikation rund um diverse Themen wie etwa der Fahrer-Entlassungen.


Angekündigt wurde eine regelrechte Zäsur für Schalke. Mit diesen klaren Worten kündigten Jobst und Schneider an, dass der Verein zunächst wieder in ruhige Fahrwasser und sicher durch die Coronakrise gebracht werden müsse. Dazu gehörten die Entschuldigungen, eine neue Art der Transparenz, aber auch Taten, die folgen müssten, um das Vertrauen in Verein und Personal wiederherstellen zu können.


Als ersten Akt der Transparenz wurde angekündigt, dass Schalke - was bereits seit Längerem ein offenes Geheimnis war - durch schwierige wirtschaftliche Zeiten gehe. Die Ausrichtung am europäischen Geschäft, was Ausgaben (Budgets, Gehälter, Etats usw.) betrifft, habe sich über die letzten Jahre nicht rentiert. Das Einnahme-Ausgaben-Verhältnis, betonte Schneider, müsse wieder auf ein vernünftiges Level gebracht werden.


Für den sportlichen Rahmen bedeutet dies, dass auch die Erwartungshaltung vorübergehend einen anderen Stellenwert bekommen muss. Dass Königsblau eigentlich nach Europa gehöre, betonte der Vorstand. Dass dieses Ziel für die nächsten vermutlich zwei bis drei Spielzeiten nicht ausgegeben werden kann, müsse aber ebenso verstanden werden. Das gehe damit einher, dass beispielsweise der Etat reduziert werden müsse. So erhofft sich der Verein, nach wiedererlangter Stabilität und Handlungsfähigkeit einen Angriff auf die ersten sieben Plätze wagen zu können.


Dafür sei jedoch eine weitsichtige, nahezu "schwäbische Einstellung", wie Jobst mit einem Augenzwinkern an Schneiders Herkunft anspielte, notwendig. Jobst erklärte zudem, dass der S04 auf einem sicheren Fundament stehe, was die Sponsoring-Partner betreffe. Auch Gazprom als Hauptsponsor habe bereits angekündigt, den bis 2022 geschlossenen Vertrag ohne Veränderungen erfüllen zu wollen.


Reger Andrang beim S04: Die Pressekonferenz stieß auf viele Ohren

Eine zuletzt vermutete Gehaltsobergrenze bestätigte keiner der handelnden Personen, was allerdings wenig überraschend ist. Viel mehr, so Schneider sinngemäß, wolle man durch flexible Maßnahmen innerhalb des Kaders dafür sorgen, dass die nötigen Einsparungen vorgenommen werden. Somit dürfte es keine allzu strikten Einzel-Maßnahmen geben, was eine unveränderliche Obergrenze betrifft, sondern eher einen vorgelegten Rahmen, den man sich nach und nach annähern muss.


Über einen weitergehenden Gehaltsverzicht der Spieler wurde bereits geredet. Zu einer Übereinstimmung soll zum zurzeit anvisierten Trainingsauftakt am 31. Juli kommen. Die ersten Gespräche seien aber, so wie bereits Mitte März, konstruktiv und optimistisch verlaufen. Schneider war es indes wichtig zu betonen, dass die geplanten Investitionen in die Schalker Knappenschmiede - ungeachtet der Sparmaßnahmen - nicht verändert sondern weiter im normalen Rahmen ausgeführt werden. Diesen Weg sieht die sportliche Führung, mitsamt des generellen Ziels, primär auf junge Spieler zu setzen, als "alternativlos" an, erklärte der Sportvorstand.


Fazit: Schalke muss massiv sparen - Neuausrichtung, Taten und Transparenz


Allem übergeordnet steht also ein großer Spar-Kurs des gesamten Vereins. Damit einhergehend wird sich der Verein, und somit auch die zahlreichen Fans und Mitglieder, darauf einstellen müssen, über die kurz- und mittelfristige Ausrichtung eher nur durch absolute Top-Leistungen an die europäischen Plätze anklopfen zu können. Zusammen mit dem scheidenden AR-Vorsitzenden Clemens Tönnies erwartet Königsblau ein großer Umbruch, der diese Bezeichnung zur Abwechslung auch verdient.



Teil II: Verletztenmisere, Saison-Unterteilung und ein Vertrauensverhältnis - Wagner durch fehlende Selbstkritik angezählt


Im zweiten Teil der Pressekonferenz ging es um die sportliche Analyse und die daraus zu ziehenden Folgen. Trainer David Wagner, der im ersten Teil keine Wortmeldungen hatte, stieg neben Schneider mit einem eigenen Statement in diesen Bereich ein.


Die beiden erklärten zunächst, dass der Kader, den sie im letzten Jahr vorgefunden hatten, nicht richtig ausbalanciert war. Damit bezogen sie sich auf die Zusammensetzung des Teams, was es beispielsweise notwendig machte, viele Spieler zunächst verleihen zu können, um handlungsfähig zu sein und den Kader auf die anvisierte Spielidee auszurichten.


Versuchte, die geteilte S04-Saison zu erklären: S04-Coach David Wagner

Schneider war es, der als erstes betonte, die Rückrunde sei nichts anderes als "richtig schlecht" gewesen - Wagner zog wenig später mit dem gleichen Wortlaut nach. Ziemlich schnell folgten Erklärungen, die bereits über die letzten Wochen zu hören waren - auch wenn sie keine Ausreden sein sollten, wie der S04-Coach erklärte: Die Verletzungen, aber auch die fehlerbehafteten Reha-Phasen seien ein großes Problem gewesen. Zum Ende der Hinrunde das Wegbrechen der Abwehr-Achse, im Laufe der Rückrunde das Wegbrechen der Mittelfeld-Achse.


So könnte man beinahe sagen, es haben im Verlauf der Saison zwei unterschiedliche Teams auf dem Platz gestanden, erklärte Wagner. Es habe zu wenig Stürmer-Tore gegeben, und auch die Transferphase im Winter sei nicht richtig genutzt worden, um aufkeimende Probleme anzugehen, so der 48-Jährige weiter. Viele Fans fragen sich, warum Michael Gregoritsch - offensichtlich auch intern als Fehltransfer angesehen - dennoch so viel Einsatzzeiten bekommen hatte.


Dass Wagner als Trainer auch zur nächsten Saison im Amt bliebe, war nur noch eine offiziell zu verkündende Formsache, die Schneider dann übernahm. Gleichzeitig verwieß er darauf, dass "zwei Drittel der Saison richtig attraktiv und erfolgreich" gespielt worden seien - dass vor allem der letzte Eindruck im Gedächtnis bliebe, das bestätigten beide, sei selbstverständlich.


Eine Entlassung, so der Sportvorstand, wäre ihm deutlich zu schnell gekommen - auch angesichts der herausgearbeiteten Hintergründe und Probleme, die es gilt, zunächst anzugehen. Viel mehr wolle er auf "ein stabiles Fundament" und Kontinuität setzen, was er sich vom Festhalten an Wagner erhofft. Dass der Coach auch bei der heutigen Pressekonferenz Fragen zur Selbstkritik auswich, zusammen mit regelmäßig wiederholten Aussagen in Richtung Mannschaft, sie sei schlicht nicht konkurrenzfähig für die Bundesliga, sorgte bei einigen Anhängern erneut für Kritik.


Gleichzeitig betonten auch viele Fans in den sozialen Netzwerken, dass es nun wichtig sei, geschlossen den Verein und die verantwortlichen Personen dabei zu unterstützen, die wichtigen Veränderungen anzustoßen. Auch Wagner, bei aller Kritik und Unmut, wünschten viele im Sinne des Vereins den dann vermutlich doch eher überraschenden Erfolg.


Jochen Schneider stand bei der sportlichen Analyse im Fokus

Zum Schluss bestätigte Schneider noch, dass Juan Miranda die eigentlich zweijährige Leihe aufgrund von zu wenig Einsatzzeiten abbrechen wollte, und man diesem Wunsch entsprochen habe. Eine erneute Leihe von Jonjoe Kenny sei das Ziel gewesen, was der FC Everton jedoch nicht akzeptiert habe. Zudem sei der Klub weiterhin im Austausch mit Benjamin Stambouli, den man sehr gerne halten würde, so Schneider. Wasserstandsmeldungen gab er jedoch, wie gewohnt, nicht ab.


Fazit: Wagner geht mit Hypothek in die nächste Saison - Zwischen Fan-Argwohn und niedrigen Erwartungen


Was bleibt also aus dem zweiten, dem sportlichen Teil? David Wagner bleibt, die Hoffnung auf einen erfolgreichen, aber auch mit Substanz erfüllter und mutiger Spielstil bleibt. Ob dieser in der aktuellen wie bleibenden Konstellation umgesetzt werden kann, muss abgewartet werden. Auch für die nächste Saison wird es also kein sportliches Ziel geben, abgesehen von der weiteren Entwicklung einer Philosophie, die auf dem Platz zu erkennen sein muss.

Zudem wird der Athletik- und Reha-Bereich umgebaut, um Verletzungen präventiv gegensteuern zu können und notfalls in der Reha bessere Fortschritte ohne Rückfälle machen zu können. Dafür kommt Quirin Löppert von Borussia Mönchengladbach, Werner Leuthard unterstützt den Fitnessbereich. Andreas Schlumberger wird verletzte Spieler betreuen - eine fast vollumfängliche Neuaufstellung.