Zwei Monate und sieben Liga-Spieltage ist die aktuelle Saison nun alt. Schalke steht an einem gefährlichen Punkt in der Spielzeit, hofft, dass auch die Neuzugänge noch zum Umschwung beisteuern können. Wir werfen einen ersten, kleinen Blick zurück und ziehen ein Zwischenfazit für die Neuen in Blau-Weiß.


Nach sieben Spieltagen in der laufenden Saison steht Schalke 04 auf dem 17. Tabellenplatz und hat - auch wenn unter Manuel Baum kleine, aber wichtige Fortschritte gemacht werden - noch immer nicht gewinnen können. Für mehr Stabilität, Qualität und auch Quantität im Kader sollten die Neuzugänge sorgen - besser gesagt: Die Leih-Neuzugänge. Geld ausgegeben für einen neuen Spieler, das hat S04 im letzten Sommer nicht. Weil sie es nicht konnten.



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Ausgeliehen wurden Goncalo Pacencia und Frederik Rönnow von Eintracht Frankfurt, Kilian Ludewig von RB Salzburg. Vedad Ibisevic kam ablösefrei und spielt nur für ein absolut notwendiges Mini-Gehalt, könnte aber noch Erfolgsboni kassieren. Dazu haben die Youngsters Malick Thiaw und Can Bozdogan den endgültigen Sprung zu den Profis geschafft. 90min gibt eine Übersicht zu den Neuen bei Königsblau und zieht ein erstes Zwischenfazit.



Die Neuzugänge auf Schalke: Ein erstes Zwischenfazit


1. Frederik Rönnow

Frederik Rönnow wusste bislang zu überzeugen

Einer der bis dato wichtigsten Neuzugänge ist Frederik Rönnow. Der Keeper ersetzte Ralf Fährmann zunächst verletzungsbedingt, hat ihm über die letzten Wochen den Rang abgelaufen. Ob er weiterhin die Nummer eins bleibt, ist ein Diskussions-Thema für die aktuelle Pause, verriet Manuel Baum.


  • Erwartung: Als Rönnow kam, wusste man nicht so genau, welche Rolle er spielen würde. Markus Schubert ging im Tausch nach Frankfurt, während Fährmann als Nummer eins ausgerufen war. Somit begnügte sich der Däne zunächst als Ersatzkeeper, hat vor allem in 1-gegen-1-Situationen überzeugen und zahlreiche Chancen entschärfen können. Bislang hat er die Erwartungen übertroffen.


  • Einsätze: Das Spiel im DFB-Pokal ausgenommen, hat Rönnow jede Minute auf dem Platz verbracht, die er konnte. Für ihn, Frankfurt und S04 äußerst positiv.


  • Leistung: Manche S04-Fans bleiben noch etwas skeptisch, sprechen lieber von soliden Leistungen, als von sehr starken Spielen, wie es andere Anhänger tun. Was Paraden pro 90 Minuten betrifft, ist Rönnow auf Platz eins der Liga, bei der Quote für abgewehrte Schüsse auf Platz fünf (via ligainsider). Manchmal schwer, diese Quoten je nach Torgefahr des Gegners zu bewerten, doch wenn ein Team mehrmals gerettet werden musste - dann Schalke.


  • Zukunft: Vieles hängt von der Länderspielpause ab. Einiges spricht dafür, dass er die Nummer eins bleibt. Einen regelmäßigen Tausch zwischen den Pfosten lehnt Trainer Baum ab, das hat er betont. Läuft es, aus welchen Gründen auch immer, schlecht für Rönnow, sitzt er über die nächsten Wochen erst einmal wieder als Zuschauer auf der Bank. Spielt er jedoch, kann er für S04 zum wichtigen und vor allem sicheren Schlussmann werden, der zusätzliche Sicherheit und Ruhe ins Spiel bringen kann.


  • Bewertung: Note 2



2. Goncalo Paciencia

Goncalo Paciencia hat als Stürmer keinen leichten Stand beim S04

Goncalo Paciencia ist mit anschließender Kaufoption ausgeliehen, soll als Stürmer für Torgefahr sorgen und eine wichtige Anspielstation darstellen. Gegen Mainz machte er einen wichtigen Schritt nach vorne, bislang hat er es aber eher schwer.


  • Erwartung: Obwohl Paciencia als Bankdrücker aus Frankfurt kam, waren die Erwartungen auf Schalke vergleichsweise hoch. Dass er ein torgefährlicher Stürmer sein kann, der über Kopfball- und Zweikampfstärke verfügt, war klar. Bislang 'scheitert' auch er an der erst sehr langsam ins Rollen kommenden Offensive.


  • Einsätze: Wie Rönnow, kann auch Pacencia mit seinen Einsatzzeiten sehr zufrieden sein. In jedem Liga-Spiel stand er auf dem Platz (sechs Mal Startelf), auch im Pokal durfte er für eine halbe Stunde ran. Was die Einsätze betrifft, ist er schon jetzt zum wichtigen Neuzugang geworden.


  • Leistung: Die bisherigen Leistungen von Paciencia zu beurteilen, ist etwas kompliziert: Auf dem Papier stehen ein Tor und eine Vorlage - eher wenig für einen Mittelstürmer nach insgesamt acht Einsätzen. Aufgrund der bislang schwachen S04-Offensive ist dieser Maßstab jedoch nicht ganz passend. Er opfert sich sehr auf und hat gegen Mainz erstmal einen frischen Zug zum Tor zeigen können - mit mehreren guten Chancen und Aktionen.


  • Zukunft: Wichtig wird es somit für den Portugiesen sein, dass Schalke allgemein torgefährlicher wird. Ein Stürmer kann nicht glänzen, wenn das Offensivspiel nicht existiert. Kommt S04 immer mehr in Fahrt, wenn auch sehr langsam, kann auch er sich mehr beweisen.


  • Bewertung: Note 4+



3. Kilian Ludewig

Kilian Ludewig muss von Null auf Hundert zum gesetzten Rechtsverteidiger werden

Kurz vor dem Ende der Transferphase wurde Kilian Ludewig ausgeliehen. Der 20-Jährige hätte das perfekte Profil, um zu Rechtsverteidiger Nummer zwei zu werden, der einen aktuell gesetzten Spieler in ein, zwei Jahren langsam beerben kann. Beim S04 ist er es allerdings, der aus der Not direkt liefern muss.


  • Erwartung: 20 Jahre, keine richtige Profi-Erfahrung, bislang keine Einsätze in großen Ligen. Und dennoch muss Ludewig nun als gesetzter Außenverteidiger in der Bundesliga agieren und auch so auftreten. Während die Erwartungen an sich nicht wirklich hoch sein dürften, hat er einen gewissen Standard zu erfüllen. Bislang gibt es nur wenig zu meckern.


  • Einsätze: Aufgrund der fehlenden Alternativen, aber auch dank des vollen Vertrauens seitens Baum - den er noch von der U-Nationalelf kennt -, hat Ludewig bisher jedes Spiel in der Startelf gestanden. Teilweise als klassischer Rechtsverteidiger, zuletzt oft im rechten Mittelfeld als Teil der defensiven Fünfer-/Dreierkette.


  • Leistung: Gemessen an den Erwartungen und tatsächlich zu erwartenden Leistungen, wusste der 20-Jährige bislang zu überzeugen. Natürlich spielt er nicht auf wie ein gestandener Bundesliga-Spieler Mitte zwanzig - das ist aber auch gar nicht der Gradmesser. Er bringt Frische rein, einen wichtigen Offensivdrang, gewinnt mehr Zweikämpfe, als er verliert - vor allem in der Luft überzeugt er trotz seiner nur 1,75 Meter (vier von fünf Duelle gewonnen).


  • Zukunft: So bescheiden die Situation für Schalke auch sein mag, sportlich wie personell auf der rechten Seite - so optimal ist sie für Ludewig. Er erhält enorm wichtige Spielpraxis in einer der besten Ligen in Europa, hat das Vertrauen des Trainers und muss gar nicht alles super machen. Die Saison wird ihm persönlich sehr helfen, womöglich bleibt er schlussendlich sogar auf eigenen Wunsch.


  • Bewertung: Note 3+



4. Vedad Ibisevic

Vedad Ibisevic ist der klare Ersatzstürmer

Vedad Ibisevic kam ablösefrei und kostet so gut wie kein Geld. Trotz seiner 36 Jahre will er Fußball spielen, einfach um zu spielen - und nicht für das liebe Geld. Beim S04 hat er die klare Rolle als Ersatzstürmer inne.


  • Erwartung: Ibisevic soll seine Erfahrung und Mentalität einbringen, wenn er spielt, für die ein oder andere Torchance sorgen und sie, wenn möglich, natürlich auch verwandeln. Er wurde nicht als Stammspieler geholt und das ist er auch nicht. Eine Verpflichtung, die insofern Sinn ergeben hat, dass sie nichts kostet und der Angreifer sich positiv einbringen kann.


  • Einsätze: Man kann sagen, dass der Bosnier mit seinen bisher fünf Einsätzen, zweimal aus der Startelf heraus, durchaus zufrieden sein kann. Schließlich wurde er mit einer Ausnahme immer für mindestens eine ganze Halbzeit eingewechselt. Das Gute für beide Seiten: Er kann und wird jedes Spiel genießen, wird keine zu hohen Ansprüche haben.


  • Leistung: Wie auch bei Paciencia, ist es schwer einen Stürmer zu bewerten, der keine Torchancen hat. Gegen Schweinfurt traf er im Pokal zum schnellen und wichtigen Ausgleich, in den übrigen Partien fungierte er vor allem als zentrale Anspielstation. Nichts Überragendes, aber auch nichts, worüber man sich ärgern müsste.


  • Zukunft: Die Zukunft Ibisevics beim S04 hat einen klaren Plan: Diese Saison wird er für die Knappen spielen und dabei den ein oder anderen Einsatz mitnehmen, vielleicht das ein oder andere Tor schießen können - nicht mehr, nicht weniger.


  • Bewertung: Note 4



5. Can Bozdogan

Youngster Can Bozdogan hat den endgültigen Schritt zu den Profis geschafft

Im Endspurt der letzten Saison durfte sich Can Bozdogan bereits zeigen, über den Sommer fand er dann sicher in die Profi-Mannschaft. Er bringt bereits jetzt eine gewisse Klasse ins Spiel, auch wenn er erst 19 Jahre alt ist.


  • Erwartung: So wie es bei den meisten jungen Spielern ist, so ist es auch bei Bozdogan: Große Taten, Spiele und Wunder darf man nicht erwarten. Vielmehr steht die Freude im Fokus, wieder einem Youngster den Schritt in die Bundesliga ermöglicht zu haben - weshalb er seinen Vertrag kürzlich bis 2024 verlängerte. Trotzdem kann er in dieser Saison schon Verantwortung übernehmen, was er auch sollte - das traut er sich zu.


  • Einsätze: Auch was die Einsätze betrifft, gilt es zu beachten, wie jung und unerfahren der gebürtige Kölner noch ist. Baum hält sehr viel von ihm, lobt ihn regelmäßig - weshalb er unter ihm auch bei jedem Liga-Spiel auf dem Platz stand; und das, obwohl es auf seiner Position durchaus gute Konkurrenz gibt.


  • Leistung: Das Beste, was Bozdogan derzeit tun kann, ist Verantwortung übernehmen, mutig in Ballbesitz agieren und Spaß am Spielen haben - das ist es auch, was er schon häufig zu vermitteln weiß. Er weist eine sehr solide Passquote auf, sucht schnell den Torabschluss und ist engagiert. Dass er aber nicht die Sterne vom Himmel spielt, ist ebenfalls klar.


  • Zukunft: Ähnlich wie für Ludewig, kann diese Spielzeit eine Menge Potenzial für ihn bieten. Da es sportlich alles andere als rosig aussieht, wird er noch mehr Einsatzzeiten kommen, auch durch das gegebene Vertrauen des Coaches. Auf ihm lastet so gut wie kein Druck von außen, auch wenn er einen gewissen Standard bereits etabliert hat. Aus diesem Jahr kann er viel lernen, sodass er in Zukunft zum wichtigen Stammspieler werden wird.


  • Bewertung: Note 3+



6. Malick Thiaw

Malick Thiaw kommt ebenfalls aus der Schalker Jugend

So wie es auch bei Bozdogan der Fall war, hat auch Malick Thiaw zum Ende der letzten Saison erste Profi-Luft schnuppern können - inzwischen gehört er fest zum Kader. In der laut Baum "überdurchschnittlich gut besetzten Innenverteidigung" spielt er aber noch keine große Rolle.


  • Erwartung: Die Erwartungen an Malick Thiaw sind niedrig, so einfach das auch klingen mag. Er fühlt sich gerade in den Profikader rein, hat die ersten paar Einsätze in der Bundesliga hinter sich und mit seinen 19 Jahren noch viel zu lernen.


  • Einsätze: Zwei Einsätze hat Thiaw bisher in der Liga zu verbuchen, dazu stand er im Pokal auf dem Platz - alle Spiele aus der Startelf heraus. In den übrigen Partien war er entweder auf der Bank, oder (zu Beginn noch) bei der zweiten Mannschaft von S04 dabei. Dass er noch nicht so regelmäßig spielt wie Bozdogan oder Ludewig, liegt vor allem an der starken Konkurrenz in der Innenverteidigung.


  • Leistung: In den Leistungen ist der junge Finne noch etwas schwankend, was absolut nicht verwunderlich oder per se schlecht ist. Gegen Stuttgart beispielsweise hat er eine sichere Partie abgeliefert und sogar per Kopfball treffen können - gegen Schweinfurt jedoch wirkte er sehr unsicher, weshalb er in der Halbzeit ausgewechselt wurde. Er wird Zeit brauchen.


  • Zukunft: Auch Thiaws Vertrag ist langfristig bis 2024 datiert, was wichtig ist, da ihn schon so mancher großer Top-Klub aus Europa beobachten soll. Kurzfristig wird es ihm natürlich primär um möglichst viele Einsätze gehen, wo es ihm zugute kommt, sollte häufiger auf die Dreierkette gesetzt werden.


  • Bewertung: Note 3-