Am Freitagabend schaffte es Schalke nicht über ein 1:1 gegen den VfB Stuttgart hinaus, womit die Sieglos-Serie weiterhin bestehen bleibt. Manuel Baum sah ein in der ersten Halbzeit etwas verbessertes Team, das in der zweiten Hälfte jedoch müde wirkte und in alte Muster verfiel. 90min gibt eine Übersicht zu Aussagen und Erkenntnissen zum Spiel.


Es ist immerhin ein Punkt, aber ein Punkt, der Schalke 04 nicht nach vorne bringt - weder in der Tabelle, noch im Kopf. Das 1:1-Remis gegen den VfB Stuttgart offenbarte wichtige Verbesserungen, aber auch, wie schnell Blau-Weiß derzeit wieder in Unsicherheit und alte Muster verfällt.


"Die erste Hälfte war okay von uns - sowohl gegen den Ball, als auch mit dem Ball. Es war zu sehen, dass wir auch spielerische Lösungen an den Tag legen können, waren aber im letzten Drittel oft zu harmlos", resümierte ein etwas angeschlagen wirkender Manuel Baum nach der Partie. Aufgrund des guten Spielaufbaus des VfB habe sein Team in Halbzeit zwei Probleme bekommen: "Im Offensivspiel haben wir die Positionen nicht mehr gehalten und sind in alte Muster verfallen."


Mark Uth, der nach seiner Verletzung zurückkehren und bis zur 83. Minute spielen konnte, zeigte sich einerseits enttäuscht, andererseits optimistisch, was die gemachten - wenn auch kleinen - Fortschritte betrifft: "Wir haben sehr mutig von hinten rausgespielt und viel riskiert. Darauf müssen wir aufbauen. In der Offensive müssen wir noch besseren Fußball spielen, weil wir uns zu wenige Chancen herausspielen und müssen uns noch besser durchkombinieren." Für ihn sei es wichtig gewesen, wieder zu spielen, weil er Verantwortung übernehmen und vorangehen wollte, betonte er zudem.


Nichtsdestotrotz bleibt der Klub auch im 22. Liga-Spiel in Folge ohne Sieg. Zwar gab es auf der einen Seite positive, wenn auch kleinere Fortschritte - andererseits aber auch einen guten VfB, der Schalke vor Probleme stellte und die anzugehenden Probleme deutlich machte.



Die wichtigsten Erkenntnisse zum S04-Spiel


1. Schalke zeigte spürbar mehr Mut im Spielaufbau

Aus der S04-Defensive erfolgte gegen Stuttgart ein sicherer Spielaufbau

Ein Aspekt, den Manuel Baum schon seit Amtsantritt fordert: Deutlich mehr Mut beim Spielaufbau und in Ballbesitz. Gegen den VfB setzte Königsblau immer wieder auf kurze Varianten, um sich über die Stuttgarter Linien zu spielen, anstatt lediglich auf lange Bälle zu den Stürmern zu vertrauen.

Obwohl die gegnerischen Offensivkräfte häufig schnell den Druck auf die Dreier-Innenverteidigung der Gastgeber erhöhten, gelang es regelmäßig, sich zumindest bis vor die Mittellinie - also ins eigene Umschalten zwischen dem defensiven und offensiven Mittelfeld - zu kombinieren. Das ist zwar keine Glanzleistung, den Umständen entsprechend sollte es aber als kleiner Fortschritt erkannt werden.

Damit ebenfalls einhergehend: Baum hatte bereits vor der Partie verlauten lassen, dass es deutlich mehr Bewegung ohne Ball und dementsprechend Freilauf-Bewegung bräuchte - damit nimmt eine Mannschaft etwas Druck von den einzelnen Spielern und bietet zeitgleich mehrere Anspielstationen an.



2. S04 in Ballbesitz: Zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten

Amine Harit im Zweikampf mit Stuttgarts Wataru Endo

Das auf dem Platz größte Lernfeld ist und bleibt der eigene Ballbesitz. Diesen hat Schalke nicht nur viel zu selten, ihn kann man auch nie wirklich umsetzen. Zu wenig Selbstvertrauen, zu wenig Struktur, Kreativität und Sicherheit.

Am Freitagabend zeigte sich eindrucksvoll, wie unterschiedlich Königsblau derzeit mit dem Ball auftreten kann. In der ersten Halbzeit war das Verhältnis noch ausgeglichen (49 zu 51 Prozent), doch S04 spielte spürbar mehr Pässe als zuletzt, brachte sie häufiger an den Mann (insgesamt zu 83 Prozent) und auch die Ballverluste lagen - trotz einigermaßen ausgeglichenem Ballbesitz-Verhältnis - eher aufseiten der Stuttgarter.

In der zweiten Hälfte und ganz besonders nach dem Elfmeter zum 1:1-Endstand (56. Minute) verfiel man aber, wie Baum ebenfalls erklärte, in alte Muster zurück. Zu viel Unsicherheit, zu häufige und vor allem zu schnelle Ballverluste. Teilweise versagten die Annahmen oder die Absprachen, sodass es immer noch umständlich wirkt, mal drei, vier Pässe hintereinander zum Mitspieler zu bringen. Eine große Herausforderung, die auch mit dem Kopf zu stehen und fallen scheint.



3. Das "letzte Drittel": Schalke entwickelt viel zu wenig Torgefahr

Mark Uth war ein wichtiger, aber selbstredend nicht alles überragender Rückkehrer

Was auch gegen Stuttgart gut zu beobachten war: Die Torgefahr, die Schalke innerhalb eines Spiels aufbringen kann, ist viel zu gering, um tatsächlich gefährlich werden und somit auch mehrere Tore erzielen zu können. Klare und mehrfache Torchancen fehlen, weil im berühmten 'letzten Drittel' zu wenig kombiniert und herausgespielt wird.

Das ist alles andere als eine Neuerscheinung dieser bisherigen Saison. Sowohl unter Domenico Tedesco (vor allem im zweiten Jahr), als auch - und noch stärker (!) - unter David Wagner, waren Offensiv-Kombinationen noch schwieriger zu finden als ein S04-Store in der Dortmunder Innenstadt.

Baum hat somit keinerlei Grundlagen in seiner Mannschaft vorgefunden, um dieses Problem anzugehen. Natürlich müssen die Profis auch 'von sich aus' Fußball spielen können, doch sobald der jeweilige Gegner auch nur ein kleines bisschen an taktischer Arbeit liefert, ist dieser Ansatz ohne eigene Strategie und Struktur wieder null und nichtig. Der Coach auf der anschließenden PK sinngemäß: Mehr Abstimmungen, mehr Schüsse, mehr Training.



4. Stuttgarter Positions- und Raumspiel hat auch Lob verdient

Der Jubel nach dem Ausgleich: Stuttgart schien immer wichtige Räume besetzt zu haben

Blickt man auf die Schwächen einer Mannschaft, sollte man auch immer die Stärken des anderen Teams berücksichtigen. Auch wenn Stuttgart ein Aufsteiger ist, so sind sie sehr gut in die Saison gestartet. Obwohl das Schalker Pressing in Halbzeit eins noch gut aussah und sich oft griffig zeigte, schienen die Schwaben immer mindestens einen Spieler in wichtigen offenen Räumen zu haben.

Das war vor allem oft zentral der Fall, während das S04-Mittelfeld überspielt und die restliche Abwehr - schon mit Gegenspielern bestückt - zwangsweise alleine gelassen wurde. Es sind solche Kombinationen, die Gefahr für das gegnerische Team bedeuten und zu Druck führen - also das, wo die Knappen dringend nachlegen müssen. Ein Aspekt, den der VfB am Freitagabend sehr gut umzusetzen wusste.



5. Keine Ausreden: Manuel Baum spricht Klartext und die Probleme an

Manuel Baum will das S04-Team sowohl fördern, als auch fordern

Ganz wichtig in einer Situation, in der sich Schalke 04 derzeit befindet: Kein Schönreden, kein Verschweigen von unangenehmen Wahrheiten, kein bloßes Phrasendreschen, was die eigenen Probleme betrifft. All das macht Manuel Baum nicht.

Er benennt die guten Sachen im Spiel, die kleinen Fortschritte. Er merkt aber auch mit deutlicher Sprache und nach dem Spiel schnell an, wo die Fehler jeweils lagen, wo und wie sehr man sich weiterhin verbessern muss. Neben dem aktiven Coaching, das der Mannschaft gut zu tun scheint, ist das klare Benennen der Arbeitsfelder ein wichtiger Schritt, um lösungsorientiert arbeiten zu können.