Zwischen Fast-Raufwurf und Schonfrist: David Wagner steht derzeit wie kaum eine andere Person auf Schalke für die sportliche Talfahrt. Während Namen etwaiger Nachfolger schon kursieren, muss er nun liefern. Dafür soll er noch die ein oder andere Chance erhalten, während die Spieler in die Verantwortung genommen werden.


Wenig überraschend wird dieser Tage erneut sehr viel über David Wagner und dessen Zukunft bei Schalke 04 geschrieben, gerätselt und diskutiert. Seit über einem Jahr ist er nun im Amt, schleppt aus der letzten Rückrunde eine historische Sieglos-Welle mit sich. Die blamable 0:8-Pleite gegen Bayern München war dabei Partie Nummer 17.


Am Montagmorgen berichtete die Bild, dass Wagner am kommenden Wochenende in der Pflicht steht: Gegen Werder Bremen, die den Auftakt ebenfalls verloren geben mussten, soll ein gänzlich anderer Auftritt und ein positives Resultat her. Sportvorstand Jochen Schneider hatte diese Forderung öffentlich ausgegeben, doch intern sei der Druck auch seitens des Aufsichtsrates und auch von Kaderplaner Michael Reschke groß.


Schneider stellt Wagner eine Schonfrist aus: Weitere Chancen gegen Bremen, Leipzig und Co.


Auch das Team scheint der Coach bereits verloren zu haben, nicht nur an den spielerischen Auftritten abzusehen: So soll es Zweifel an seiner Taktik-Finesse geben, dazu Kritik, weil er sich bei zuvor verschmähten Rückkehrer wie Mark Uth oder Sebastian Rudy sehr stark einschmeicheln soll. Glaubhaft sieht dementsprechend anders aus.


David Wagner in der Kritik: Kann er Schalke zur Trendwende verhelfen?

Sky-Reporter Dirk große Schlarmann setzte am Mittwochnachmittag via Twitter nach. Seinen Infos nach wird Wagner nicht nur gegen Bremen, sondern auch anschließend noch auf der Trainerbank sitzen. Anscheinend bekommt der 48-Jährige eine Art Schonfrist, die sich offenbar über das schwierige Startprogramm inklusive der Auswärtsspiele gegen RB Leipzig und auch Borussia Dortmund (fünfter Spieltag) ziehen kann. Allerdings bestätigt auch er, dass der interne Druck immer größer wird.


Sportvorstand Schneider, direkt für Wagners Zukunft beim S04 verantwortlich, scheint also nach wie vor an seinem Coach festhalten zu wollen. Ein Resultat: Die Spieler sollen "viel mehr in die Verantwortung" genommen werden, weil ihre Leistungen und der gebotene Einsatz - "trotz üppiger Gehälter" - nicht stimmt. Währenddessen soll es jedoch schon ein paar "lose Kontaktaufnahmen" mit etwaigen Nachfolgern gegeben haben. Sandro Schwarz, bereits von der Bild bespielt, sei einer davon.


Fraglich nur, wieso die Mannschaft nun plötzlich eine deutliche Leistungssteigerung zeigen soll. Über die vergangene Rückrunde, so war der Eindruck, wären (bei allem Respekt) selbst ein Großteil aller Zweitligisten ein unbesiegbarer Gegner für Königsblau gewesen. Wieso das nun gegen Bremen, Leipzig, dann Union Berlin und auch den BVB besser werden soll, mitsamt einer besseren Vor- und Aufbereitung durch Wagner, werden die Verantwortlichen beantworten müssen.


Fakt ist jedoch, sobald auch nur vorsichtig bei potenziellen Nachfolge-Kandidaten nachgeforscht wird, sitzt der aktuelle Trainer alles andere als Fest im Sattel. Der typische Knackpunkt im Profifußball: Vertraut man Wagner noch immer und glaubt daran, dass er - sehr verspätet - eine positive Wende erreichen kann, oder eben nicht?

Im ersten Falle bedarf es keines Nachfolgers, im zweiten Fall bedarf es keiner weiteren Chancen. Natürlich sehr und auch zu einfach gedacht, und dennoch zeigt die Situation, wie kurios Schalke mit der Sieglos-Serie und den Auftritten selbst bis in die Saisonvorbereitung umgegangen ist.