Im kommenden Transfer-Sommer möchte der FC Bayern wieder zuschlagen, nachdem man sich im letzten Jahr - gemessen an den eigentlichen Zielen - zurückgehalten hat. Sportdirektor Hasan Salihamidzic hatte vor wenigen Tagen öffentlich seinen Transferplan geäußert. Das setzt den Verein stark unter Zugzwang.


Zurzeit schwirren viele Namen im Bayern-Kosmos umher, wenn es um mögliche Verpflichtungen im bevorstehenden Sommer geht. Mitverantwortlich ist Hasan Salihamidzic, der als Sportdirektor zwar noch immer von manchen Fans kritisch gesehen wird, in München jedoch immer fester im Sattel zu sitzen scheint. Im Gespräch mit der Welt am Sonntag hatte er verkündet, dass sich der FCBayern (unter anderem) mit "einem Toptalent aus Europa" und "einem internationalen Star" verstärken möchte.


Seit 2017 ist Salihamidzic als Sportdirektor tätig - Bei einigen Fans ist er noch immer umstritten

Solch eine mutige und offensive Aussage in der Öffentlichkeit schien die Bayern-Fans in den sozialen Netzwerken zu spalten. Einerseits formulierte Salihamidzic klare, wie große Ziele - für das Ziel, erneut an den Gewinn der Champions League heranrücken zu können, wären solche Transfers notwendig. Andererseits bringt er sich selbst und den Verein unter Zugzwang.

Wenn ein Plan so klar und sicher besteht, dass er öffentlich geäußert werden kann, dann muss er auch erfolgreich sein. Ansonsten hat man die Ziele verpasst und dementsprechend augenscheinlich keine gute Arbeit geleistet. Schon jetzt kann man übergeordnet sagen: Selbst wenn der Rekordmeister nun Leroy Sané und das angesprochene "Toptalent aus Europa" verpflichten kann, wäre aus einem großen Transfererfolg lediglich ein Haken auf der To-Do-Liste geworden. Die Arbeit wäre erfüllt, aber nicht außerordentlich gut. Schließlich wurden "nur" die angestrebten Ziele umgesetzt.


Dass Leroy Sané noch immer der große Wunschtransfer der Bayern ist, ist klar. Nachdem die Verpflichtung im letzten Sommer nicht Realität wurde, und auch im Winter kein Vollzug gemeldet werden konnte, bietet sich nun in der Sommerpause die wohl letzte Chance, den Nationalspieler zu verpflichten. Zu spät, sagen bereits jetzt einige Fans. Als ein so großer Coup wird die Personalie schon jetzt nicht mehr angesehen. Dadurch, dass sie als klares Ziel öffentlich ausgegeben wird, ist sie eher eine Art zu erledigende Aufgabe.


Salihamidzic bringt sich und den FCB in schlechte Position:
Unvorsichtige Äußerung oder geplantes Kalkül?


Salihamidzic schraubt damit die Erwartungen hoch und senkt gleichzeitig das eigene Ansehen, sollten diese Pläne realisiert werden. Sportlich bliebe der Effekt selbstredend der gleiche, ob ein Spieler beinahe angekündigt wird oder nicht. Das interessiert den jeweiligen Sportler eher wenig, wenn er dann Wochen später auf dem Platz steht. Dennoch muss man sich fragen, ob die Strategie Brazzos so klug gewählt war.


Salihamidzic über Kontakt zu Oliver Kahn: "Er bestärkt mich auch in unseren Ideen und Plänen, das gibt mir ein sehr gutes Gefühl" [WAMS]

Auch hängt er sich damit das in Neonfarben blickende Schild um den Hals, das anderen Verhandlungspartnern verrät, dass er und der FC Bayern Transfer X unbedingt klarmachen wollen oder müssen. Das verschlechtert die eigene Position, aus der er verhandeln muss. Ein Gegenüber, der weiß, dass Salihamidzic auf Transfer X angewiesen ist, kann eine Ablösesumme gerne mal erhöhen.


Dazu kommt, dass der Transfermarkt ohnehin sehr chaotisch, flexibel und schnelllebig sein kann. Durch die aktuelle Coronakrise bekommt er zusätzliche Dynamik. Gestern schien ein Dayot Upamecano noch sicher nach München zu wechseln und heute könnte er einen neuen Vertrag bei RB Leipzig unterschreiben - ein passendes Beispiel an aktuellen Meldungen. Daher sollte sich ein Sportvorstand, ein Sportdirektor, ein Geschäftsführer nie sicher sein bzw. sicher zeigen, was neue Spieler, Zugänge wie Abgänge angeht.


Blickt man also kritisch auf die getroffenen Aussagen von Salihamidzic, könnte man sagen, er kann nur verlieren. Setzt er die Pläne um, hat er seinen Soll erfüllt. Schließlich hat er diese Ziele ja auch geäußert und selbst vorgegeben. Setzt er sie nicht um, wird die Kritik erneut ziemlich laut und unangenehm. Womöglich ist sich der 43-Jährige in seinem Tun aber auch so sicher, dass er ohne Bedenken und Zweifel zur Tat schreiten kann. Ein Fazit diesbezüglich wird man jedoch erst in einigen Monaten ziehen können.