Zwischen dem FC Bayern und einem mit Hausverbot belangten Mitglied der aktiven Fanszene des Klubs herrscht ein Rechtsstreit. Angeblich gibt es das Hausverbot, weil er ein Plakat verbotenerweise ins Stadion brachte - er selbst und sein Anwalt vermuten das absichtliche Verstummen einer kritischen Stimme.


Mit einem Plakat, dass sich kritisch gegen die Montagsspiele richtet, soll im vergangenen Februar alles angefangen haben. Mike, so wird der Fan mit falschem Namen genannt, soll dieses Banner verbotenerweise ins Stadion zum Spiel der zweiten Mannschaft des FC Bayern gegen den Halleschen FC gebracht und damit zusätzlich gegen die Brandschutzordnung verstoßen haben.


Ein Vorwurf, der sich nun im Rechtsstreit vor Gericht befindet. Mike und sein Anwalt Andreas Hüttl beklagen, dass die Hausverbot-Sanktion schlicht ohne triftigen Grund und ohne Rechtsgrundlage verhängt wurde. Zudem gilt dieses Verbot nicht nur für die Allianz-Arena, sondern auch für den Bayern-Campus, das Gelände an der Säbener Straße und für das Stadion an der Gründwalder Straße, wo die zweite Mannschaft des FCB aufspielt (via Sportschau).


Rechtsstreit wegen fragwürdigen Hausverbots beim FC Bayern - Katar-Verbindung auch ein Thema


Das Ziel des Beklagten ist klar: Die Sanktion soll aufgehoben werden. Beim Prozessbeginn selbst, der am gestrigen Mittwoch auf dem Plan stand, soll es lebhaft zugegangen sein. Zum einen waren viele interessierte Zuhörer gekommen, die selbstredend nicht alle in den Saal des Amtsgerichts München durften. Zum anderen sei es teilweise sehr kontrovers und laut zugegangen, u.a. mit Zuweisungen von Lügen.


Da eine Güteverhandlung gescheitert war, läuft nun alles auf den Prozess an sich hinaus. Dieser ist aber vorerst verschoben worden: Am 15. Oktober soll es weitergehen, dann mit mindestens einem dazugerufenen Zeugen. Ein Urteil dürfte, so die aktuelle Schätzung und wenn alles im zu erwartenden Rahmen bleibt, Ende Oktober zu erwarten sein.


Für Mike und seinen Anwalt geht es aber um mehr, als um das besagte Plakat, das er weder mitgebracht, noch mit dem er gegen Brandschutzverordnungen verstoßen haben soll. Nach Empfinden der Partei wäre eine Genehmigung ohnehin erst gar nicht notwendig gewesen, da das Spiel vor weniger als 5.000 Zuschauer stattgefunden habe - es sollen sogar weniger als 2.000 gewesen sein.


Mike ist als kritischer Fan bekannt. Ihn "mundtot" zu machen, so Hüttl, könnte ein Ziel des Vereins sein. Dabei immer im Fokus: Die Verbindungen zwischen dem FC Bayern und Katar. Neben dem Ärmelsponsor der Fluglinie Qatar Airways findet auch das Wintertrainingslager regelmäßig und seit Jahren in Katar statt. Mike kritisiert diese Vorgänge, da er die Werte des Vereins nicht respektiert sieht.


"Qatar Airways" prangt auf dem Bayern-Trikot

Eine von ihm angesetzte Satzungsänderung "zur Einhaltung der Menschenrechte gemäß den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nation", durch die sich der FCB klar zu den Werten und somit zur Zusammenarbeit mit Katar hätte positionieren müssen, wurde auf der Mitgliederversammlung erst gar nicht zur Abstimmung gestellt. Zudem ist der vom Hausverbot betroffene Fan ein prominentes Mitglied eines Verbands von Bayern-Fans, die zwei nepalesische Wanderarbeiter zu ihrer unwürdigen Arbeit im Wüstenemirat referieren ließen. Ein eingeladener Vertreter des Klubs nahm nicht teil.


Auch wenn es vor Gericht in großen Anführungsstrichen nur um das erteilte Hausverbot eines Mitglieds der aktiven Fan-Szene geht, was an sich eine große und ungewöhnliche Strafe ist, regt sich im Hintergrund noch viel mehr. Kritik am deutschen Rekordmeister wegen der Verbindungen zu Katar gibt es immer wieder - genauso häufig wird sie ignoriert oder beiseite geschoben. Das passt nicht zu den gelebten Werten, finden viele Anhänger.