Die spanische La Liga ist auf der Zielgeraden, in dieser Woche stehen die letzten beiden Spieltage der Saison 2019/20 an. Real Madrid steht kurz vor dem Gewinn der ersten Meisterschaft seit drei Jahren, auch dank einer langen Siegesserie mit sehr viel Minimalismus.


Am kommenden Donnerstag empfängt Real Madrid den FC Villarreal und kann mit einem Sieg im verwaisten Estadio Alfredo di Stefano den 34. spanischen Meistertitel klar machen. Auf den ersten Blick wirkt der Weg dahin beeindruckend: Seit der Betrieb in La Liga Mitte Juni wieder aufgenommen wurde, hat Real alle neun Spiele gewonnen und auf den FC Barcelona sechs Punkte gut gemacht. Gelingt nun der zehnte Dreier in Folge, ist alles klar.


Selbstverständlich ist eine solche Siegesserie auch imposant, egal wie sie letztlich zustande kommt. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die einstigen Galaktischen dabei nicht besonders galaktisch auftraten, sondern eher zu den Minimalistischen wurden. Fünf der neun Partien hat Real mit nur einem Tor Vorsprung gewonnen, mehrfach erzielte Sergio Ramos per Strafstoß den 1:0-Siegtreffer. Der Kapitän und Abwehrchef erzielte nach der Corona-Pause bereits fünf Tore.


VAR immer zugunsten Real Madrids? Barca wittert Verschwörung


Ebenfalls ein ständiger Begleiter während der Siegesserie: Der Video Assistant Referee. In den vergangenen Wochen gab es einige strittige Szenen, die immer zugunsten Reals ausgelegt wurden. Barcas Präsident Josip Bartomeu witterte schon eine Verschwörung ("Der VAR favorisiert immer dieselbe Mannschaft", via Spiegel), auch Gerard Pique schlug in diese Kerbe. Die Königlichen lassen diese Vorwürfe aber kalt: "Der Lärm von außen interessiert uns nicht", sagte Raphael Varane (via Real Total). "Wir haben keinen Einfluss auf den VAR. Wir kontrollieren unseren Einsatz und unsere Einstellung."


Einsatz und Einstellung stimmen fraglos, doch mehr als das Nötige machen die Blancos derzeit nicht. Auch am vergangenen Montag konnte Real beim FC Granada nur 45 Minuten überzeugen und verspielte eine 2:0-Halbzeitführung beinahe noch, am Ende lag der Ausgleich in der Luft. "Es war nicht unser bester Fußball, aber manchmal muss man leiden, um zu gewinnen. Das haben wir getan", meinte Torwart Thibaut Courtois, der erstmals nach über 500 Minuten wieder ein Gegentor kassiert hatte.


Aussagen wie diese von Courtois waren zuletzt häufiger zu vernehmen. "Es war nicht unser bestes Spiel", meinte Varane etwa nach dem Sieg über Alaves, Federico Valverde sagte nach dem knappen 1:0 in Bilbao: "Es verlangt einem ziemlich viel ab, in dieser Liga Spiele zu gewinnen. Das hat man wieder gemerkt." Das Wichtigste ist aber natürlich: Real gewinnt seine Spiele, anders als der große Rivale aus Katalonien. Barca hat bei schwächeren Spielen, vor allem auswärts, hier und da einmal Punkte gelassen und generell derzeit andere Probleme, sodass sie den Madrilenen nach zwei Meisterschaften in Folge mal wieder den Vortritt lassen müssen.


Zwar wird das Heimspiel gegen Villarreal sicher kein Selbstläufer für die Königlichen, denn das gelbe U-Boot kämpft noch um eine Teilnahme an der Europa League, doch alles andere als der zehnte Sieg in Serie und damit der Titelgewinn wäre eine Überraschung - wie auch immer er zustande kommt. Ein 1:0 würde ja schon reichen, und das wissen sie bei Real Madrid ohnehin ganz genau.