Julian Nagelsmann ist als Trainer dafür bekannt, alles von seinen Spielern zu fordern. So geht er natürlich nicht nur mit den gestandenen Profis um, sondern auch mit den Jugendspielern, die den Schritt in die erste Mannschaft schaffen wollen - von ihnen ist der Leipzig-Coach aktuell etwas enttäuscht.


Die Mannschaften von Julian Nagelsmann zeichnen sich stets durch ein klares Profil, eine eindeutige taktische Herangehensweise und das häufige Einbeziehen von jungen Spielern aus. Die Arbeit, die der frühere Jugendtrainer schon bei der TSG Hoffenheim umgesetzt hat, spiegelt sich auch seit seinem Amtsantritt bei RB Leipzig im Vorjahr wider.


Jugendspieler, die den Schritt zu den Profis machen wollen und diesen auch schaffen können, sind dabei ein altbewährtes Mittel für den 33-Jährigen. So hält sein Team auch den aktuellen Rekord, was das jüngste Durchschnitts-Alter bei einer Startelf der laufenden Saison betrifft (via transfermarkt): Mit genau 25 Jahren im Schnitt ließ er gegen Bayer Leverkusen aufspielen. Auch die anderen beiden Startaufstellungen dieser Saison zählen ligaweit zu den jüngsten.


Julian Nagelsmann ist mit der Mentalität der U19-Spieler in Leipzig unzufrieden

Aber sie einfach in die Bundesliga werfen, das macht Nagelsmann nicht mit seinen Jugendspielern. Er hat bestimmte Erwartungen und Vorstellungen, die er in letzter Zeit des Öfteren in der eigenen U19 vermisst (via Bild): "Ich habe immer einen großen Wunsch, wenn ein Jugendspieler in die Profi-Mannschaft kommt: Der muss die Welt einreißen wollen. Dieses Welteinreißen ist hier aber nicht immer gegeben. Die U19-Spieler müssen einfach erkennen, dass da ein junger Trainer ist, der auf Talente setzt und schon in Hoffenheim einigen Spielern ihr Profi-Debüt ermöglicht hat."


Nagelsmann fordert mehr Gier und Mentalität im Nachwuchsbereich: "Dann muss der Rasen brennen"


Einer der aktuellsten Namen ist Joscha Wosz. Der 18-jährige Offensivspieler durfte beim 4:0-Erfolg gegen Schalke 04 seine ersten sieben Minuten Profi-Luft schnuppern. Damit das häufiger passiert, auch bei anderen jungen Talenten, brauche es aber mehr Ehrgeiz, so Nagelsmann weiter: "Der muss auch erkennen, dass die Profis viele Spiele bis Weihnachten haben, es dann keine Winterpause gibt und dann bis zum Sommer durchgespielt wird. Da ist eine Chance zu spielen."


Das magische Zauberwort im Fußball, die Mentalität, scheint auch bei dieser Kritik eine Grundlage zu sein. Der RB-Coach hat klare Vorstellungen davon, wie sich ein junger Spieler verhalten sollte: "Da muss ich als junger Spieler in die Profi-Kabine gehen, mich umziehen und dann muss der Rasen brennen. Da muss nicht alles richtig sein. Da muss nicht technisch und taktisch immer alles perfekt sein - aber die Mentalität muss ich sehen. Und das tue ich nicht bei allen."


Julian Nagelsmann sichtlich zufrieden mit Joscha Wosz

Ein Aspekt, der intern garantiert nochmals verdeutlicht angesprochen wird. Immer wieder brüstet sich der Klub mit einem modernen Nachwuchsbereich, der jungen Talenten so viel an die Hand geben möchte, wie nur irgend möglich. Die Unzufriedenheit von Nagelsmann wird keineswegs auf taube Ohren gestoßen sein.


Diese Mentalität und der Wille müssen unbedingt mitgebracht werden - ansonsten werde ein Jugendspieler von den Profis aufgefressen, so der Trainer bildlich. "Jedes Spiel auf dieser Welt ist dazu da, um zu gewinnen. Sehe ich diese Gier, kriegen sie auch mehr Einsatzzeiten", fasste er zusammen. Schon Ralf Rangnick sprach vor zwei Jahren von der "schlechtesten U19 seit sechs Jahren". Offenbar ein Mini-Trend, den der Verein umkehren muss.



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