Überraschend gut startete Werder Bremen in die neue Bundesliga-Saison. Wirklich freuen dürfte das Neuzugang Patrick Erras aber nicht. Der defensive Mittelfeldakteur wartet weiterhin auf seinen ersten Ligaeinsatz. Eine Verletzung am Oberschenkel katapultiert den 25-Jährigen in seiner Entwicklung erneut zurück. Avanciert Erras zum nächsten Bremer Transferflop?


Werders Sportdirektor Frank Baumann gerät immer mehr in das Blickfeld zahlreicher Kritiker. Sein glückliches Händchen für starke Transfers sei abhanden gekommen, heißt es. Stattdessen führe der 44-Jährige die Grün-Weißen mit fehlender Transparenz sowie schwachen, teuren Kaufpflichten in den finanziellen Ruin. Die vergangene Transferphase brachte das Fass zum Überlaufen. Die große Kluft im Mittelfeld bereitet vielen Fans starke Bauchschmerzen. Man kennt zwar die finanzielle Lage des Klubs, einen Leihspieler oder gar vereinslosen Akteur hätte man sich am Osterdeich dennoch gewünscht. Zumal Werder mit dem Abgang von Leistungsträger Davy Klaassen nicht nur an Kaderquantität, sondern auch an Kaderqualität verloren hat.


Erras-Transfer eher schlecht als recht


Neben Klaassen verließen mit Nuri Sahin, Philipp Bargfrede und dem aus Hoffenheim ausgeliehenen Kevin Vogt drei weitere Sechser den Klub. Die Position vor der Bremer Abwehr ist äußerst rar besetzt. Wirklich zugeschnitten auf diese Position scheint im aktuellen Kader eigentlich niemand - bis auf Patrick Erras! Ende Juli wechselte der 25-Jährige ablösefrei vom 1. FC Nürnberg an den Osterdeich. Im Relegationsrückspiel gegen Ingolstadt (1:1) sorgte der 1,96-Meter-Hüne mit seinem letzten Ballkontakt im FCN-Trikot für die Vorlage zum rettenden Treffer für einen Verbleib in der zweiten Liga. Obgleich der defensive Mittelfeldspieler keine Ablöse in die Kassen des Zweitligisten spülte, war man beim Glubb nicht sonderlich traurig um den Abgang seines Eigengewächses. Erras sei nicht mehr der Alte, zu langsam, häufig verletzt und deshalb definitiv ersatzbar, hieß es in Nürnberger Fankreisen.


Patrick Erras (25) steht bei Werder weiterhin im Schatten

Auf der anderen Seite, im grün-weißen Fanlager, kam hier und da gar die Frage auf: Wer ist Patrick Erras? Nicht unberechtigt, zumal Erras mit gerade einmal 19 Bundesligaeinsätzen tatsächlich noch nicht auf dem Radar gestandener Profis steht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denkt man sich in Bremen. Vielleicht kann er ja hier und da überraschen. Als Backup zum hoffentlich bald verpflichteten Stammsechser keine allzu schlechte Wahl, so der Wortlaut aller Bremer während der Transferphase. Einige Monate später ist man bereits deutlich schlauer. Ein neuer Sechser kam nicht, Werder hat eine große Kluft im Mittelfeld und Erras wartet dennoch auf seine ersten Bundesligaminuten im grün-weißen Dress.


Erras nur Sechser-Notkauf


Nach mäßiger, unauffälliger Vorbereitung durfte Werders Neuzugang zwar das erste Pflichtspiel der Saison im Pokal gegen Jena bestreiten, wurde aber nach 45 schwachen Minuten bereits zur Halbzeit ausgewechselt. Das erste Ligaspiel verfolgte Erras gänzlich von der Bank aus, in den drei Folgespielen stand er nicht einmal im Kader von Cheftrainer Florian Kohfeldt. Nun fällt Erras auf unbestimmte Zeit aus. Das Training am Dienstagvormittag verpasste der 25-Jährige aufgrund einer Oberschenkelverletzung. Alle andere Spieler standen fit auf dem Platz.


Erras avanciert mehr und mehr zu einem wahren Sechser-Notkauf. Die Klasse und Qualität für das Fußballoberhaus scheint er auch aufgrund fehlender Fitness noch nicht erreicht zu haben. Nun verfällt er mit seiner Verletzung sogar zurück in alte Muster. Beim FCN verpasste der Mittelfeldstratege in der Vergangenheit wegen Kreuzband- und Innenbandriss sowie muskulärer Probleme bereits 34 Pflichtspiele. Erras braucht Zeit, sehr viel Zeit sogar. Zeit, die Werder zwar gerne in die Entwicklung junger Potenzialspieler steckt, nicht aber in einen verletzungsanfälligen, bereits 25 Jahre alten Mittelfeldspieler ohne wirkliche Bundesligaerfahrung. Trotz dünner Personaldecke im Mittelfeld wird Erras die Bremer in Zukunft nicht sonderlich bereichern können. Von einem glücklichen Händchen des Bremer Sportdirektors kann auch hier nicht die Rede sein.



Auch für dich interessant: Die besten FIFA 21-Teams in ihrer Sterne-Kategorie