Am Donnerstag feierte Kilian Ludewig sein Debüt für Schalke. Im Testspiel gegen den SC Paderborn hinterließ der junge Außenverteidiger einen soliden Eindruck, sodass er direkt zur Startelf-Option für Trainer Manuel Baum werden könnte.


Schon seit über einem Jahr war es abzusehen, dass die Position des Rechtsverteidigers bei Schalke 04 zu einer akuten Baustelle werden würde. Zunächst lieh man im Vorjahr Jonjoe Kenny aus, wissentlich ohne Kaufoption und somit ohne große Chancen auf einen festen Verbleib. Über die letzte Sommerpause schien man erneut keinen rechten Außenverteidiger zu finden. Die fehlenden Optionen und das fehlende Geld mündete in einer erneuten Leihe, dieses Mal von Kilian Ludewig.


Der 20-Jährige ist ebenfalls ohne direkte Kaufoption von Red Bull Salzburg ausgeliehen, spielte zuvor etwa ein halbes Jahr für den FC Barnsley in der zweiten englischen Liga. Für Königsblau hat der zunächst zum Teil kritisch betrachtete Neuzugang am Donnerstag sein Debüt geben dürfen. Über 90 Minuten stand er beim 5:1-Sieg im Testspiel gegen den SC Paderborn auf dem Platz. Der generelle erste Eindruck unter den meisten Anhängern: Ludewig hat eine sehr solide Leistung gezeigt, die die Sorge, ohne richtigen Rechtsverteidiger durch die Saison gehen zu müssen, spürbar geschmälert hat.


Die übergeordnete Frage, die sich nun stellt: Kann der 32-fache U-Nationalspieler Deutschlands direkt zum S04-Stammspieler werden? Trainer Manuel Baum, der ihn von der U20-Nationalmannschaft kennt, hat eigentlich nur zwei Optionen: Entweder der zwar erfahrenere, aber nur Aushilfs-Außenverteidiger Alessandro Schöpf übernimmt diese Rolle vorerst noch, um Ludewig noch die ein oder andere Woche an Eingewöhnungszeit geben zu können - oder Ludewig selbst wird direkt zum Startelf-Kandidaten, weil er zum einen der einzig richtige Rechtsverteidiger ist, zum anderen aber auch, weil Baum viel von ihm hält und auch sein erster Eindruck überzeugt hat.


Baum hält viel von Ludewig: Vertrauen für die S04-Startelf ist gegeben


Viel dürfte dafür sprechen, dass der Leihspieler direkt ein wichtiger Bestandteil der ersten Elf auf Schalke wird. Schon im letzten Winter schwärmte Baum von seinem Neuzugang. Er sagte ihm die Entwicklung zu einem "Granaten-Fußballer" voraus, sprach zudem seine technischen Fähigkeiten und seine Geschwindigkeit an. Eindrücke, die sich nach dem ersten Test durchaus bestätigten lassen. Engagiert lief Ludewig auf, war unmittelbar ein wichtiger Faktor im Aufbauspiel. Gerne und häufig schaltete er sich zudem in die Offensive ein - etwas, das der Coach schon sichtbar zu etablieren scheint.


Auf der Suche nach einem Rechtsverteidiger war die verzweifelte Ausgangslage der Knappen klar: Normalerweise wäre Ludewig in seinem aktuellen Profil der typische Youngster, der noch ein, vielleicht zwei Jahre hinter einem etablierten Außenverteidiger lernen soll, bevor er selbst zum Stammspieler wird. Diese Zeit, und das war allen Beteiligten klar, hat er auf Schalke aber nicht. Dementsprechend wird Baum ihm zugetraut haben, diese Aufgabe auch direkt übernehmen zu können - ansonsten wäre diese Leihe nicht allzu sinnvoll gewesen.


Der große Vorteil: Niemand wird Wunder-Leistungen und fehlerfreie Spiele von ihm erwarten. Dass es, trotz der Vorhersehbarkeit dieser Notlage, noch immer keinen gebundenen Rechtsverteidiger gibt, wird nicht Ludewig, sondern Sportvorstand Jochen Schneider angelastet. Dieser muss zwar ohne ein richtiges Budget auskommen, kann nur Geld ausgeben, wenn er vorher welches einnimmt oder einspart - eine solch wichtige Rolle aber potenziell unbesetzt zu lassen, wenn man in der Bundesliga bestehen will und ohnehin nach Stabilität lechzt, schreit schon fast nach Fahrlässigkeit.


Auch wenn es leichter gesagt ist, als schlussendlich getan: Ludewig wird halbwegs befreit und ohne großen Druck aufspielen können. Für ihn ist es eine verdammt gute Gelegenheit, sich zu beweisen. In seinem Alter und ohne vorige große Rolle Einsatzzeiten in der Bundesliga sammeln zu dürfen. Dementsprechend wird er zusätzlich motiviert sein, starke Partien abzuliefern. Baum wird ihm das Vertrauen schenken, davon ist auszugehen. Zu hoffen wäre, dass er an seinen Einstand vom Donnerstag anknüpfen kann - gegen Union Berlin könnte er sein Liga-Debüt geben.