Dieser Tage dürfte die meisten der Anhänger von Schalke 04 wohl nur ein Blick auf die Tabelle über die zuletzt besorgniserregende sportliche Entwicklung bei Königsblau hinwegtrösten. Denn angesichts von zehn Punkten Vorsprung auf den Tabellensechzehnten Fortuna Düsseldorf wird der absolute Super-GAU, also der Gang in Liga 2, wohl vermieden werden. Doch das war es dann auch schon mit "guten" Nachrichten.


Zumal in dieser Spielzeit ja alles besser werden sollte als im Vorjahr, in dem zunächst der anfänglich zur neuen Schalker Trainer-Hoffnung gekürte Domenico Tedesco im März entlassen wurde und Altmeister Huub Stevens den sturmreifen Kahn danach so gerade noch in den sicheren Hafen Ligaverbleib navigierte.


Hinrunde lief nahezu perfekt


Und es ließ sich ja auch gut an, zu Beginn der laufenden Spielzeit. Mit Neu-Trainer David Wagner, der als Klopp-Buddy und mit Premier-League-Erfahrung das längst verlorene Sieger-Gen der Westdeutschen reaktivieren sollte, legten die Schalker einen überraschend guten Saisonstart hin. Die Hinrunde beendete Schalke auf einem akzeptablen fünften Rang, in Tuchfühlung zu den Champions League-Plätzen. Dass die Königsblauen während dieser ersten Runde auch häufig Spiele mit Ach und Krach für sich entscheiden konnten, wurde im Klub geflissentlich übergangen. Das Wort von der Über-Performance wollte man in Gelsenkirchen nicht hören.


Jetzt, wo die positiven Ergebnisse schon seit viel zu langer Zeit ausbleiben, könnte sich diese Haltung rächen. Wobei - zum ganz schlimmen Ende wird es, wie gesagt, nicht mehr kommen. Auch in der Spielzeit 2020/21 wird S04 in der Bundesliga spielen. Doch mit welchen Perspektiven?


Bangen um Harit


Auf die für den Rest der Saison braucht man eigentlich gar nicht mehr gucken. Denn da wird nicht mehr viel drin sein für Königsblau. Zumal das Verletzungspech weiterhin unbarmherzig zuschlägt. Mit Weston McKennie, Omar Mascarell, Jean-Clair Todibo und Amine Harit drohen für das Spiel der Knappen bei Union Berlin (So, 15.30 Uhr) vier weitere Akteure auszufallen.


Wobei die Abwesenheit von McKennie (Gelbsperre), Mascarell (der nach Wagners Worten "diese Saison nicht mehr zur Verfügung stehen" wird) und Todibo (sieben bis zehn Tage Pause nach Sprunggelenksverletzung) schon feststeht. Lediglich bei Harit hat Wagner noch zarte Hoffnungen, dass er mit von der Partie an der Alten Försterei sein kann. Wäre für Schalke auch bitter nötig, denn der Marokkaner versprüht in den letzten Wochen als einer der wenigen so etwas wie Spielkultur im biederen Gekicke der Schalker.


Stambouli soll als moralische Unterstützung mit nach Berlin fahren


Wie sehr man sich bei den seit elf Spielen sieglosen Schalkern mittlerweile schon an die dünnsten Strohhalme klammert, verdeutlicht der Umstand, dass zu dem Spiel in der Bundeshauptstadt eventuell auch der verletzte Benjamin Stambouli reisen soll. Und zwar als Motivator und Hoffnungsgeber für eine völlig verunsicherte Mannschaft. "Ich möchte das nicht ausschließen. Wir haben in der Vergangenheit schon öfter einen dritten Torwart oder 19. Feldspieler mitgenommen, um auf Eventualitäten gewappnet zu sein."


Spielen wird der Franzose aber auf keinen Fall. "Es wird sicher noch dauern", so Wagner laut Sport1. "Der Junge hat acht Monate kein Fußball gespielt, das müssen wir bedenken."