Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Die außergewöhnlichen Umstände sind hinlänglich bekannt - und schon werden im Profi-Fußball auch sonst undenkbare Szenarien gedanklich durchgespielt. Wie beim FC Liverpool. Der soll nämlich ernsthaft planen, in diesem Sommer keine Transferausgaben zu tätigen.


Dies berichtet zumindest die Bild-Zeitung und beruft sich dabei auf einen Bericht der englischen Daily Mail. Doch schon der zweite einschlägige Satz im Bild-Artikel spricht von "teuren Transfers". Da stellen sich automatisch Fragen: was sind "teure" Transfers? Alle Deals über 20 Millionen Euro? Oder über 30? Und nimmt der FC Liverpool nur von ihnen Abstand - oder wollen die Reds in diesem Sommer gar kein Geld ausgeben?


Würde eigentlich gerne zum LFC wechseln: Timo Werner

So oder so wäre es natürlich ein bemerkenswerter Schritt. Auch in diesen konfusen Wochen. Statt womöglich einen dreistelligen Millionenbetrag in Spieler wie Timo Werner, Houssem Aouar (Olympique Lyon) und andere zu investieren, sollen die Reds es in diesem Jahr vorziehen, Rücklagen für Krisen-Zeiten (wie den jetzigen) zu schaffen. Dies soll übrigens auch für den Fall gelten, dass die Premier League ihren momentan unterbrochenen Spielbetrieb wieder aufnimmt und die Saison mit Geisterspielen zu Ende spielt.


Soll ebenfalls bei den Reds ganz oben auf der Liste stehen: Houssem Aouar

Ganz neu wäre ein solches Gebaren auf dem Transfermarkt allerdings auch nicht. Schon in Pre-Coronazeiten, und noch gar nicht solange her, sorgte Tottenham Hotspur in der Saison 2018/19 für Aufsehen, als sie sogar über zwei Transferperioden hinweg (Sommer 2018 und Winter 2019) keinen einzigen Cent für Neuverpflichtungen ausgaben. Hintergrund war seinerzeit ebenfalls ein "besonderer" Umstand: denn damals wechselten die Spurs ihre Heimstatt und zogen aus dem altehrwürdigen White Hart Lane Stadium in einen neuen, supermodernen High-Tech-Tempel (New White Hart Lane). Die ganze Unternehmung (Northumberland Development Project) soll dem Vernehmen nach um die 850 Millionen Pfund gekostet haben. Grund genug für den Spurs-Präsidenten Daniel Levy, sich auf dem Spielermarkt etwas zurückhaltender zu geben. Kurioserweise - und das könnte als gutes Omen für die Scousers herhalten - gelang Tottenham am Ende jener Spielzeit etwas, was ihnen in ihrer gesamten vorherigen Vereinsgeschichte nicht gelungen war: der Einzug in das Finale der Champions League. Dort unterlagen sie aber - dem FC Liverpool.