Mit der Nachwuchsarbeit ist RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff nicht zufrieden. Sportdirektor Markus Krösche sollte deshalb mit den Nachwuchschefs Sebastian Kegel und Christian Streit ein Konzept entwickeln, damit in Zukunft mehr hauseigene Talente den Sprung in den Profi-Kader schaffen. Gegenüber BILD nannte Krösche fünf Punkte, die von elementarer Bedeutung sein werden.


Richtige Eigengewächse können die Sachsen kaum vorweisen. Hauptsächlich verpflichtet RB junge Talente aus dem Ausland, entwickelt diese meist auf Anhieb bei den Profis weiter und verkauft diese unter Umständen gewinnbringend. Mit Tom Krauß, Frederik Jäkel und Fabrice Hartmann waren immerhin drei Nachwuchsspieler ein paar Mal im Spieltagskader dabei, zu mehr hat es allerdings noch nicht gereicht.


Fünf-Punkte-Plan zur Nachwuchsförderung


Das soll sich künftig ändern. Die Durchlässigkeit vom Nachwuchs- in den Herrenbereich soll höher werden, die Perspektive aussichtsreicher. Bis zu fünf Spieler sollen künftig einen festen Platz im Bundesligakader haben, erklärt Markus Krösche. "Dass dieses Ziel Geld kostet, ist selbstredend", so der 39-Jährige - die kolportierte Summe von 30 Millionen Euro, die RB per annum in den Nachwuchs investieren soll, dementiert er allerdings: "Unser Investment liegt [...] bei weniger als der Hälfte."


Alles auf Null: Markus Krösche leitet entscheidende Veränderungen in der Nachwuchsausbildung ein

Fünf Punkte seien für die zukünftige Nachwuchsarbeit elementar. Alles beginnt mit der Spielphilosophie, die in allen Jahrgängen konsequent durchgezogen werde. "Hoch verteidigen, schnell umschalten, mutig und kreativ sein" soll früh gelernt sein, sagt Krösche. Die Grundlagen sollen von der U13 bis zur U16 gelernt werden, ab der U17 gehe es tiefer ins Detail.

Allerdings sollen die Trainer ihren Spielern Freiheiten gewähren, dabei sind Fehler ausdrücklich erlaubt: "Es wird komplexe Übungen geben, die Spieler sollen dabei viele eigene Entscheidungen treffen. [...] Die Spieler sollen nicht zu sehr in Schemen gepresst werden. Wir wollen dadurch Kreativität fördern, die die Spieler nachher bei den Profis brauchen."


Auch die Trainer sollen sich weiterentwickeln


Zusätzlich werden im Profi-Kader insgesamt drei "Akademie-Plätze" eingeführt, wie Krösche erklärt: "Die jungen Spieler sollen bei den Profis mit trainieren, Erfahrungen sammeln und die Chance nutzen können, in der Bundesliga spielen zu können."

Veränderungen finden auch auf der Trainerbank statt: U19-Trainer Alexander Blessin wird nach der Saison aufhören, der bisherige U17-Trainer Marco Kurth dessen Job übernehmen. Sein bisheriger Assistent Tim Krömer soll dann Cheftrainer der U17 werden. Mit dieser Besetzung erhofft sich Krösche eine bessere Entwicklung der Nachwuchstalente: "Die Bewertung der Trainer erfolgt [...] über die Entwicklung der Spieler und die Geschwindigkeit dieser Entwicklung. Der Fokus liegt auf den Spielern mit dem höchsten Potenzial und deren Entwicklung."

Darüber hinaus sollen die Trainer an Fortbildungsseminaren teilnehmen. Dabei gehe es nicht primär um Fußball, "sondern um Gesprächsführung, Konfliktlösung oder Methodik." Man brauche "Impulse von außen", sagt Krösche, etwa von Motivationstrainern oder führenden Köpfen in der Wirtschaft - denn man wolle auch Trainer "auf höchstem Niveau" weiterbilden.

Doch zu guter Letzt wollen sich die Verantwortlichen von Ergebnissen loslösen, nachdem Mintzlaff die Misserfolge der Jugendmannschaften kritisierte. "Der Fokus soll auf der individuellen Entwicklung der Spieler in der Woche liegen und weniger auf der Vorbereitung des Spiels am Wochenende", erklärt Krösche. "Das gilt besonders für die U13 bis zur U16. Ab der U17 wollen wir dann zunehmend mannschaftstaktisch arbeiten und unsere Spielidee auf den Platz bringen. Und dann auch wieder mehr ergebnisorientiert."