Nach dem gruseligen Auftritt in der Champions League bei Basaksehir tritt Manchester United am Samstag beim FC Everton an. Für Trainer Ole Gunnar Solskjaer könnte es bereits ein Schicksalsspiel sein, auch wenn er nicht allein die Schuld an der derzeitigen Lage trägt.


Saisonstarts scheinen nicht so das Ding von Ole Gunnar Solskjaer zu sein. Schon im Vorjahr startete er bei Manchester United mit nur neun Punkten aus den ersten acht Spielen, in diesem Jahr sind es sieben Zähler aus sechs Partien. Am Ende der vergangenen Saison wurde United noch dritter - doch dass Solskjaer diesmal erneut die Zeit bekommt, das Ruder herumzureißen, ist unwahrscheinlich.


Die Red Devils sind nicht so richtig greifbar in dieser Saison: Sie können stark spielen wie in der Champions League gegen Paris St. Germain oder RB Leipzig, dann aber eben gegen Basaksehir kläglich verlieren und gegen Arsenal den Sieg verschenken. Zu oft brauchte es schon einen der zahlreichen Elfmeter, um Spiele zu entscheiden oder zu retten. Und dann war da noch das desaströse 1:6 gegen Tottenham.


Zum Haare raufen: Manchester United leistete sich in Istanbul defensiv grobe Fehler

Unter dem Strich war es ein enttäuschender Start von Manchester United, weit weg vom eigenen Anspruch. Ein Sieg beim richtig gut gestarteten FC Everton könnte die Wogen zumindest nochmal kurzfristig glätten, eine Niederlage dagegen das Aus für Solskjaer bedeuten; Mauricio Pochettino steht angeblich bereits in den Startlöchern. Die Länderspielpause wäre für einen Trainerwechsel sicher nicht der schlechteste Zeitpunkt.


Solskjaer bleibt positiv


Dass die Kritik am Trainer wächst, kann Solskjaer nachvollziehen. "Es gibt gewisse Ansprüche an einen Spieler, Trainer oder Manager von Manchester United", sagte der Norweger auf der Pressekonferenz vor dem Everton-Spiel. "Es gibt auch eine Erwartung, weil wir der beste und größte Klub der Welt sind. Du erwartest nichts anderes als Kritik. Es geht darum, wie du mit Rückschlägen umgehst." Der Trainer lobte außerdem seine Spieler, wo er konnte: "Was ich von den Jungs gesehen habe, ist, dass sie sehr fokussiert sind seit wir zurück sind (aus Istanbul, Anm. d. Red.) und bereit, eine Reaktion zu zeigen."


Solskjaer versuchte mit aller Macht, positiv zu bleiben und Zuversicht auszustrahlen. Er sei überzeugt, noch lange bei Manchester United zu sein und er spüre den Rückhalt des Vereins: "Es ist sonnig in Manchester und ich erwarte nicht, dass sich der Wind dreht." Doch wer weiß schon, was bei einer erneuten Niederlage passiert?


Manchester Uniteds Kader ist nicht gut ausbalanciert


Ole Gunnar Solskjaer aber die Schuld an dem insgesamt durchwachsenen Saisonstart zu geben, wäre auch nicht gerecht. Schon seit Jahren beweist Manchester United auf dem Transfermarkt nur wenig Weitsicht, insgesamt ist der Kader nicht gut ausbalanciert: Während die Offensive mit Weltklasse gespickt ist, gibt es hinten, vor allem in der Innenverteidigung, riesige Probleme. Viel Geld wurde für wenig Ertrag verbrannt, vor allem, wenn es um Harry Maguire geht. Der englische Nationalspieler war teurer als Virgil van Dijk, was gemessen an den Leistungen wie ein schlechter Scherz wirkt. Schon vor Solskjaer sind mehrere Trainer auch an der mäßigen Transferpolitik gescheitert.


Es stimmt momentan vieles nicht bei den Red Devils. Ole Gunnar Solskjaer sitzt aufgrund der Inkonstanz sicher nicht mehr fest im Sattel und muss jetzt mal über mehrere Spiele liefern - und er muss damit in Everton anfangen. Ansonsten könnte seine Zeit an der Seitenlinie bei seinem Herzensverein nach knapp zwei Jahren ein jähes Ende finden.