Manchester United bekommt schon seit einiger Zeit außergewöhnlich viele Elfmeter zugesprochen, Dienstagabend in Paris ertönte bereits der fünfte Pfiff in der laufenden Spielzeit - im siebten Spiel. Ist es schlicht Glück oder schinden die Red Devils, wo sie nur können?


Es ist die 20. Minute im Champions-League-Spiel zwischen Paris St. Germain und Manchester United am Dienstagabend. Anthony Martial bekommt den Ball im Strafraum zugespielt, wird von hinten von PSG-Verteidiger Abdou Diallo leicht touchiert und geht zu Boden - Elfmeter. Ein Elfmeter der Sorte, den man geben kann, aber nicht unbedingt muss. Doch die Red Devils wissen eben offenbar genau, wie sie sich im gegnerischen Strafraum zu verhalten haben, um einen Pfiff zu bekommen.


14 Elfmeter in der Premier League - Arsenal brauchte dafür drei Jahre


Im siebten Pflichtspiel in dieser Saison war es bereits der fünfte Strafstoß zugunsten Manchester Uniteds. Sie sind damit auf dem Weg, ihre aufgestellte Marke aus dem Vorjahr nochmal zu übertreffen: 2019/20 bekamen sie in allen Wettbewerben ganze 22 Elfmeter zugesprochen. Alleine in der Premier League waren es derer 14 und damit ebenso viele, wie zum Beispiel Arsenal seit 2017 in drei Jahren erhielt. Die 22 insgesamt sind der höchste Wert in Europa seit 2015/16, als der FC Barcelona mal 24 bekam.


Auch 2018/19 war United in der Premier League ganz vorne, was Versuche vom Punkt anging. Warum das so ist, darüber ist in der jüngeren Vergangenheit viel spekuliert worden. Nicht wenige werfen Man United Schauspielerei und das Schinden von Elfmetern vor.


Mourinho mit Spitze gegen Solskjaer


Dazu gehört wohl auch Ex-United- und jetzt Tottenham-Trainer José Mourinho. Nachdem sein Nachfolger in Manchetser Ole Gunnar Solskjaer sich ein wenig darüber amüsierte, dass Mourinho bei einem Europa-League-Spiel zurecht bemängelt hatte, dass die Tore zu klein seien, bemerkte der Portugiese (via Metro): "Ich verstehe, dass die Größe der Torpfosten nicht wichtig für ihn sind. Was ihm wichtig ist, ist die Größe des Sechzehnmeterraums. Er würde niemals in einem Fünfzehnmeterraum spielen. Ich denke, er würde einen Zwanzigmeterraum bevorzugen. Das wäre besser für ihn."


Ole Gunnar Solskjaer und José Mourinho frotzelten ein wenig über die Medien

Solskjaer nahm die Anspielung auf die vielen Strafstöße gelassen. "Die Regeln sind wie sie sind im Fußball, oder? Ich denke wirklich nicht darüber nach. Es ist mehr für die Medien. Ich denke, es ist wichtig, dass wir auch ein wenig Unterhaltung haben. José hat uns über die Jahre all diese fantastischen Momente gegeben, sowohl in Pressekonferenzen als auch auf dem Platz." Er habe sich auch schon als Stürmer keine Gedanken darüber gemacht, wie groß der Strafraum war.


Die Seite Football365 hat, wie sie selbst sagt objektiv, auf alle 22 United-Elfmeter der vergangenen Saison geblickt und kam zu dem Schluss, dass 17 davon berechtigt waren, fünf nicht. Zudem habe es keine Situation gegeben, in der die Red Devils zu unrecht keinen Strafstoß erhielten. Ausgleichende (Un)Gerechtigkeit? Wenn es hiernach geht, gab es das bei Manchester United im Vorjahr wohl nicht.


Bruno Fernandes kann auch verschießen - wann endet Uniteds Glückssträhne?


Stattdessen sorgte diese Glückssträhne auch dafür, dass United aaison- und wettbewerbsübergreifend inzwischen zehn Auswärtsspiele in Folge gewonnen hat. In vieren davon traf Manchester vom Punkt, in dieser Saison gewannen sie so zum Beispiel in Brighton in der zehnten Minute der Nachspielzeit. Die letzte Auswärtsniederlage datiert übrigens aus dem Januar, auch, weil Bruno Fernandes im Juni in Tottenham kurz vor Schluss per Strafstoß ausglich. Mourinhos Meinung kommt also nicht von irgendwoher.


Bruno Fernandes hat United mit seinen Elfmetern schon viele Punkte gesichert

Die vielen Elfmeter haben Manchester United jedenfalls einige Punkte beschert. Mal sehen, wie lange das noch so weitergeht. Zumindest beim Schützen Fernandes hat die Regression ein wenig eingesetzt: Nachdem er seine ersten zehn Elfmeter allesamt verwandelt hatte, scheiterte er zuletzt in Newcastle und eigentlich auch Dienstag in Paris - hätte Keylor Navas auf der Linie gestanden. Vielleicht lässt auch irgendwann das Elfmeterglück nach.