Im Westen nichts Neues. Oder im Südwesten, von unseren Gestaden aus gesehen. Denn auch nach dem mit Spannung erwarteten Treffen zwischen dem Präsidenten des FC Barcelona, Josep Maria Bartomeu, und Messis Vater (und Berater) konnte eine Einigung in dem Konflikt nicht erzielt werden. Oder muss man sagen: noch nicht?


Insgesamt fünf Personen waren bei der Unterredung anwesend. Bartomeu wurde vom Vorstandsmitglied Javier Bordas begleitet, Messis Vater von seinem Sohn Rodrigo, dem älteren Bruder von Lionel, und dem Anwalt Jorge Pecourt. Die Atmosphäre dabei soll, der Mundo Deportivo zufolge, kordial und frei von Spannungen gewesen sein.


Der Klub ließ jedoch abermals keinen Zweifel an seiner Absicht, den Vertrag mit Messi bis 2022 zu verlängern. Zu Verhandlungen um die Ablösesumme (vertraglich auf 700 Millionen Euro fixiert) seien sie ebenfalls nicht bereit. Also: verlängern - oder die festgeschriebene Summe zahlen.


Auf die neuerlich wiederholte "Offerte" von Bartomeu, den Vertrag mit Messi bis zur Weltmeisterschaft in Katar (Winter 2022) zu verlängern, soll Jorge Messi während des Treffens geantwortet haben: "Wenn Leo nicht mal mehr in diesem Jahr für Barça spielen will, wie soll er denn dann über 2021 hinaus verlängern wollen?" Womit die Option Vertragsverlängerung wohl vom Tisch wäre - aber 700 Millionen Euro für einen 33-jährigen Spieler, Superstar hin oder her, würde schon in "normalen" Zeiten niemand zahlen. In Corona-Zeiten ist es um so weniger vorstellbar.


Keine Verlängerung, kein Transfer - sondern simple Vertragserfüllung?


Doch im Gegensatz zu den bisherigen kategorischen Aussagen aus dem Spielerlager, gab es jetzt erstmals leise Anzeichen dafür, dass der Spieler auch von einer dritten Möglichkeit Gebrauch machen könnte: nämlich den bis 2021 datierten Kontrakt schlicht und einfach zu erfüllen - um dann ablösefrei zu gehen. So geht es jedenfalls aus einem Bericht von Deportes Cuatro hervor. Demzufolge soll Jorge Messi zum ersten Mal überhaupt bestätigt haben, dass sein Sohn diese Option nun genauer prüfen wolle.


Für die Azulgrana wäre das natürlich ein eher unbefriedigendes Ergebnis - allein: rechtlich hätten sie keine Handhabe. Für Messi hingegen wäre es die beste Möglichkeit, einigermaßen unbeschadet aus der Affäre zu kommen. Wie schnelllebig das Gedächtnis von Fußballfans ist, wissen wir ja auch hierzulande allzu gut. In einem Jahr könnte der Superstar seine neue sportliche Heimat frei wählen - und hätte in der nun beginnenden Saison die Möglichkeit, sich von seinen Fans auf anständige Art und Weise zu verabschieden. Spätestens nach seinem ersten Hattrick der Saison würden auch die meisten Fans dem Superstar seine Ankündigung, den Verein schon in diesem Sommer verlassen zu wollen, verzeihen.


So gesehen könnte man sagen, dass beide Parteien einer Einigung, wenn es denn wirklich so kommen sollte, nähergekommen sind. Es wäre sozusagen eine Kompromisslösung. Und wie das bei Kompromissen nun mal so ist: Beide müssten auf Teile ihrer ursprünglichen Prätentionen verzichten, würden also "verlieren". Messi an Ansehen bei den Fans, der Klub in Bezug auf die fehlende Entschädigung für den Abgang des Superstars.


Doch auf der anderen Seite würden beide auch, in mehr oder weniger Proportion, gewinnen: in einer überschaubaren zeitlichen Perspektive kann Messi schon mal für die Zukunft Post-Barça planen, und der Klub kann sich wenigstens noch für ein Jahr der Dienste des für viele besten Fußballers der Welt sicher sein und hätte genügend Zeit, sich auf die Ära Post-Messi vorzubereiten.