Still und heimlich hat sich Benjamin Pavard gleich in seiner ersten Saison beim FC Bayern einen Stammplatz erobert. Wie bei der Weltmeisterschaft 2018 agiert der Franzose als Rechtsverteidiger, der zwar unauffälliger spielt als Vorgänger Joshua Kimmich, aber dennoch beachtliche Leistungen liefert. Viel Geld sollten die Verantwortlichen daher nicht für einen Konkurrenten ausgeben.


Der 35-Millionen-Euro-Transfer von Benjamin Pavard wurde anfangs noch belächelt. Nach dem WM-Triumph mit Frankreich spielte der flexible Abwehrspieler eine schwache Saison beim VfB Stuttgart, der nach der Relegation gegen Union Berlin in die 2. Bundesliga abgestiegen war. Konkurrent Borussia Dortmund sicherte sich dagegen auf dem ersten Blick ein Schnäppchen, als Nico Schulz für knapp zehn Millionen Euro weniger von der TSG Hoffenheim verpflichtet wurde.

Rein von der Spielzeit beider Akteure lässt sich allerdings ablesen: Der Preis für Pavard hat sich definitiv ausgezahlt. 3.402 Einsatzminuten verbucht der Weltmeister bis dato in allen Wettbewerben - mehr als jeder andere Abwehrspieler der Bayern. Das 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf war sein viertes Saisontor, hinzu kommen sechs Vorlagen. Vorgänger Kimmich lieferte deutlich mehr Assists, war im Vorwärtsgang aber auch deutlich auffälliger als Pavard, der sich primär im Mittelfeld aufhält und Alphonso Davies auf der linken Abwehrseite den Vortritt im letzten Drittel überlässt.


Benjamin Pavard ist im Spiel des FC Bayern eine wichtige Stütze

Pavard liefert eine gesunde Balance aus offensiver und defensiver Beteiligung. Laut fbref ist der 24-Jährige pro Spiel an durchschnittlich 1,35 Offensivaktionen beteiligt, sammelt zudem durchschnittlich 93 Ballaktionen. Somit ist Pavard eine wichtige Stütze in der Spieleröffnung und bei Spielzügen über die rechte Außenbahn. Auch in puncto Verteidigung kommt er mit einer Quote von 55 Prozent gewonnener Zweikämpfe am Boden sowie 66 Prozent gewonnener Zweikämpfe in der Luft auf mehr als solide Werte (viabundesliga.com). Zudem blockt er viele Schüsse ab und klärt brenzlige Situationen.

Trotz dieser guten Werte fliegt er bisweilen unter dem Radar. Das mag daran liegen, dass nicht nur Kimmich auffälliger war, ebenso macht Alphonso Davies wöchentlich von sich reden. Der "Roadrunner" wirkt aufgrund seines ungeheuren Tempos und seines riesigen Offensivdranges wie das Gegenstück zu Pavard - beide Außenverteidiger ergänzen sich in dieser Hinsicht.


Pavard braucht keine teure Konkurrenz


Vor der Winter-Transferperiode war Pavard allerdings der einzige nominelle Rechtsverteidiger, da Kimmich ins Mittelfeld vorgezogen wurde. Mit Álvaro Odriozola kam neue Konkurrenz, der glücklose Spanier wird im Sommer jedoch zu Real Madrid zurückkehren. Die daraus resultierende Lücke soll geschlossen werden, doch macht es Sinn, einen talentierten Spieler wie Sergino Dest für eine zweistellige Millionensumme zu verpflichten, wenn mit Pavard jemand in den eigenen Reihen steht, der konstant gute Leistungen bringt und zudem noch Luft nach oben hat?


Nur Lückenfüller statt Stammspieler: Álvaro Odriozola ist im Konkurrenzkampf mit Pavard chancenlos

Der Transfer von Odriozola hat bewiesen, dass es im Grunde keinen Neuzugang braucht, der einen Anspruch darauf hat, regelmäßig zu spielen. Denn wer auf der rechten Abwehrseite auf sich aufmerksam machen will, muss erst an Pavard vorbei - und diese Aufgabe gehört zu den unangenehmeren.

Von den Verantwortlichen ist Fingerspitzengefühl auf dem Transfermarkt gefordert. Da David Alaba sich offenbar vorstellen kann, weiterhin in der Innenverteidigung zu spielen und Alphonso Davies sich als Linksverteidiger etablieren will, bleibt für Pavard nur die Rechtsverteidigerposition. Um eine Situation wie in Dortmund zu vermeiden, wo mit Schulz ein eigentlicher Stammspieler das Nachsehen hat und medial bereits als Streichkandidat gehandelt wird, sollte ein junger und talentierter Spieler her, der sich hinter Pavard entwickeln und von ihm lernen kann.

Einen zweiten Davies werden die Bayern wohl kaum finden. Der Kanadier ist ein Ausnahmetalent. Das ist in Anbetracht von Pavards Leistungen aber auch nicht nötig. Spielt er weiter so konstant, wird er auch in den kommenden Jahren nahezu jedes Pflichtspiel absolvieren.