Vor drei Jahren hat Philipp Lahm seine Karriere als aktiver Profi beendet. In der aktuellen Diskussion um Gehälter und Obergrenzen bezieht der 36-Jährige klar Stellung: Der Markt regelt die Preise!


Während seiner Zeit als aktiver Spieler zählte Philipp Lahm stets zu den besonnen, aber auch enorm umsichtlichen Spielern. Von diesen Qualitäten hat er nach seiner Karriere kaum etwas eingebüßt. Mit seiner hervorragenden Kenntnis verfolgt er den Fußball nach wie vor. Gerade während der Corona-Krise beschäftigt er sich immer häufiger mit möglichen Gehaltsobergrenzen.


Im Interview mit der Sportbild kam er auf ein Konzept von Juventus Turin zu sprechen, das ab der nächsten Saison die Löhne deckeln will. "Erst einmal: Sechs Millionen netto wären in Deutschland ungefähr zwölf Millionen Euro brutto im Jahr. Das ist schon interessant, hier von einer Grenze zu sprechen. Mit so einer Summe kann man viele Top-Spieler in Europa bezahlen, geschweige denn Bundesliga-Spieler", so der ehemalige Bayern-Star.


Lahm stellt sich hinter Neuer: "Job eines Spitzensportlers nicht mit normalen Berufen vergleichbar"


Gerade für einen Verein wie Juventus Turin wäre es kein Problem, zu solchen Maßnahmen zu greifen. Allerdings lässt der ehemalige Nationalspieler durchblicken, dass etwaige eigens getroffene Obergrenzen wohl in einem Bereich angesetzt werden, von dem nur die wenigsten Spieler betroffen wären.


Zu den Top-Verdienern des Fußballs will auch Lahms ehemaliger Team-Kollege Manuel Neuer gehören. Doch seine hohen Forderungen sorgen für Diskussionen. "Einerseits kann ich verstehen, dass das bei Menschen, die beispielsweise während der Corona-Krise um ihren Job bangen und zusehen müssen, wie sie ihre Miete bezahlen oder sogar schon ihre Arbeit verloren haben, Unverständnis hervorruft."


Lahm kann die Ansprüche des langjährigen Weggefährten nachvollziehen

Dennoch spricht er sich für Neuer aus. "Auf der anderen Seite muss man sagen: Manuel ist ein Weltklasse-Spieler, der sich an Gehältern aus anderen Ligen orientiert. Der freie Markt regelt die Preise - ohne genau zu wissen, welche Summen hier im Raum stehen. Hier prallen derzeit auf unglückliche Weise zwei völlig unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Wobei der Job eines Spitzensportlers nicht mit normalen Berufen vergleichbar ist."


"Der Fußball ist Teil der Unterhaltungsbranche geworden." Philipp Lahm in der Sportbild

Der 34-Jährige hätte sich die Wertschätzung also verdient. Für Fußballer gelten ohnehin andere Regeln. "Der Fußball ist ein Teil der Unterhaltungsbranche geworden. Dort werden Spitzenkräfte dementsprechend bezahlt. Manuel spielt 'nur' Fußball, aber Robbie Williams ist auch 'nur' Sänger. Hier greifen die Regeln des Unterhaltungs-Business, und der Fußball gehört absolut dazu." Mit seiner Bestandsaufnahme dürfte Lahm die Sinne bei einigen Fans geschärft haben.