Es war eine der kuriosesten Storys der vergangenen Saison: Jürgen Klinsmann, ursprünglich für den Aufsichtsrat geholt, wollte Hertha BSC zum "Big City Klub" entwickeln. Nach großzügigen Transferausgaben, fragwürdigen Online-Auftritten, aber ausbleibenden Erfolgserlebnissen, war die Ära Klinsmann in der Hauptstadt jäh zu Ende. Im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur räumte der 55 jährige nun Fehler ein, übte aber gleichzeitig Kritik.


Hertha BSC - ein Verein, der als Hauptstadtklub Deutschlands weit hinter den eigenen Erwartungen zurückliegt. Im vergangenen Jahr wurde an der Spree ein Projekt gestartet, das für einen steilen Aufstieg der Alten Dame sorgen sollte. Investor Lars Windhorst stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung und Jürgen Klinsmann sollte nach der Entlassung von Ante Covic an der Seitenlinie die Weichen Richtung Erfolg stellen.


Sportlicher Erfolg blieb trotz hohen Ausgaben aus


Im November 2019 wurde der ehemalige Welt- und Europameister Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC installiert. In der darauffolgenden Transferperiode wurde auch auf dem Markt eine Offensive gestartet - 77 Millionen Euro wurden für neue Spieler bezahlt, ein vereinseigener Rekord.
Trotzdem war die Lücke zwischen sportlichem Erfolg und den Erwartungen des Vereins viel zu groß.


Sportlicher Erfolg blieb unter Klinsmann aus

Unter Klinsmann konnte die Hertha nur drei Siege aus neun Begegnungen feiern - der Abstand zu den Abstiegsrängen konnte nicht vergrößert werden. Im Februar 2020 verkündete Klinsmann überraschend seinen Rücktritt - via Facebook. Eine eher ungewöhnliche Methode, die viele Fragen aufkommen ließ.


Der Deutschen Presseagentur erklärte der 55-Jährige nun, dass ihm die Art und Weise seines Abgangs leid tue. Begründen wollte Klinsmann diesen mit der mageren Punkteausbeute während seiner Amtszeit: "Es tut mir sehr leid, wie mein Weggang von Hertha BSC zustande kam, nachdem wir sechs Punkte zwischen uns und den Relegationsplatz gelegt hatten."


Allumfängliches Machtbestreben


Nicht nur auf dem Rasen wollte Klinsmann den Fußball in Berlin revolutionieren, auch er selbst wollte ungewöhnliche Methoden anwenden, um umfangreiche Macht zu erhalten. Als Vorbild soll das englische Modell gedient haben, das einem Trainer ermöglicht, gleichzeitig Technischer Direktor zu sein.


In einer kontroversen Aussage betonte Klinsmann nun, dass man es nicht geschafft habe, in zehn Wochen zu einer schriftlichen Vereinbarung zu kommen, die ihm diese Kompetenzen zugesichert hätte. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer widersprach dem jedoch.


Ein Katalog voller Kritik


Kurze Zeit später kam ein Katalog ans Licht, in dem Jürgen Klinsmann die Situation in der Hauptstadt aufzeigte. Im angesprochenen Katalog, der wie ein Tagebuch geführt wurde, skizzierte der einstige Top-Stürmer systematisch die Missstände des Vereins. Ursprünglich sollte dieses Skript wohl zur Beratung des Investors dienen und vor allem intern bleiben: "Dass anschließend eine Analyse, die ich in meiner Eigenschaft als Berater des Investors für den internen Gebrauch erstellt habe, an die Öffentlichkeit kam, hat allen Beteiligten geschadet. Mir ist heute noch ein Rätsel, wie das an die Medien kam."


In der Umsetzung meines Weggangs habe ich sicherlich Fehler gemacht und dafür möchte ich mich nochmals entschuldigen! Jürgen Klinsmann

Die Analyse des ehemaligen Übungsleiters der Berliner ließ kein gutes Haar am Verein. Besonders Michael Preetz sollen dabei große Versäumnisse vorgeworfen worden sein. Im Nachhinein entschuldigte sich Klinsmann nun für die Art und Weise seines plötzlichen Abgangs, der wenig professionell vonstatten ging.


Hertha nun auf einem vielversprechenden Weg


Nachdem auch Klinsmann-Nachfolger Alexander Nouri kurzfristig keinen durchschlagende Erfolg an der Seitenlinie der Hertha herbeiführen konnte, begann mit Bruno Labbadia der Aufschwung in der Hauptstadt, der in einem souveränen Klassenerhalt mündete. Dadurch, dass auch weiterhin große Investitionen durch Unternehmer Windhorst in Aussicht gestellt wurden, soll die Zukunft der Hertha langfristig im oberen Tabellendrittel liegen, möglichst mit regelmäßiger Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe.