Hertha BSC kommt nicht zur Ruhe. Die Alte Dame hat das ganze Wirrwarr um Jürgen Klinsmann und seinen geräuschvollen Abgang so gerade hinter sich gelassen, da platzt die nächste Bombe in der Hauptstadt.


Es ist Montagnachmittag. Noch 48 Stunden bis zur mit Spannung erwarteten Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dann wird sich entscheiden, ob die Bundesliga in absehbarer Zeit zurückkommt und unter strengen Auflagen den Spielbetrieb aufnehmen darf - oder ob der Ball weiter ruht. Letzteres hätte zur Folge, dass sich immer mehr Klubs ernsthafte Sorgen um ihre Zukunftsfähigkeit machen müssen.


Und plötzlich taucht in den sozialen Netzwerken ein Video von Hertha-Profi Salomon Kalou auf, das - auch wenn es ziemlich drastisch klingt - schockierend ist und wütend macht. Der Ivorer hat das Video vom Auto aus aufgenommen, mit dem er zum Training gebracht wird. Am Trainingsgelände angekommen, wird auch aus den Katakomben und der Umkleidekabine gefilmt. Trotz aller Sicherheits- und Hygienevorschriften gibt's Handshake hier und da, social distancing ist offenbar uncool geworden und überhaupt können die feinen Herren aka Fußballprofis doch wieder zur Normalität übergehen und so tun, als wäre nix gewesen, während die Bevölkerung sich weiterhin strikt an Ausgehverbot, Maskenpflicht und sämtliche weitere Schutzmaßnahmen hält.


Achja: Natürlich regen sich die Herren (vor allem Vedad Ibisevic) auch noch darüber auf, dass ihnen in dieser Zeit das Gehalt gekürzt wurde. Um satte 11%!!! Die Ärmsten!


Dieses Video ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für alle Spieler und Klubs, die sich WIRKLICH an das von der DFL Taskforce erstellte Konzept halten und auf einen möglichst reibungslosen Spielbetrieb hoffen (wenn er denn kommt), sondern auch ein Schlag ins Gesicht für die Fans. Solidarität? Fehlanzeige!


Die DFL kämpft seit Wochen hart dafür, dass die Bundesliga bald wieder loslegen kann - in erster Linie, weil zahlreiche Klubs des Überlebens Willen einfach darauf angewiesen sind. Und folglich auch zahlreiche Arbeitsplätze daran hängen. Und der feine Herr Kalou lädt mal eben so ein Video hoch. Was geht in solchen Menschen vor? Es zeigt einmal mehr, wie abgehoben und von der Realität abgekapselt die Blase 'Profifußball' doch ist.


Die DFL hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet und das Video "absolut inakzeptabel" genannt. "Hierfür kann es keine Toleranz geben", heißt es weiter. Doch was ist denn die mögliche Konsequenz?


Fragen, die man sich hierzu auch stellen muss: Kann man den Verein hierfür belangen? Inwieweit muss der Verein sicherstellen, dass sich die Spieler und Betreuer auch an das DFL-Konzept halten? Oder kann man die Schuld einzig und allein bei den betroffenen Spielern suchen?
Und vor allem: Ist Hertha ein Einzelfall? Oder sieht das auch in anderen Kabinen so aus? (Da sind die Spieler dann wenigstens nicht auch noch so dumm, um das öffentlich zu posten.)


Fakt ist, dass etwas passieren muss. Und zwar mit aller Deutlichkeit. Die betroffenen Spieler, die offensichtlich einen Dreck auf das Konzept und die Vorbildfunktion geben, müssen mindestens mit sofortiger Wirkung freigestellt werden - ohne weitere Zahlung des Gehalts. Am besten auch mit einer anschließenden Spielsperre belegt werden. Denn klar ist: Wer sich nicht an die Spielregeln hält, darf auch nicht mitspielen.