Jung, bescheiden und zielstrebig: Die vergangenen Monate vergingen für Youngster Nick Woltemade wie im Flug. An den Bundesligaalltag muss sich Werders jüngster Debütant der Vereinsgeschichte noch immer gewöhnen. In der aktuellen Ausgabe des Werder-Podcasts sprach der 18-Jährige unter anderem über seine Vergangenheit, sein Debüt und warum er sich beinahe gegen den Weg zum Profifußballer entschied.


Wir schreiben das Jahr 2010. An einem ruhigen Dienstagnachmittag kickt der kleine Nick nichtsahnend mit seinen Freunden auf dem Bolzplatz eines Neubaugebiets im Bremer Stadtteil Woltmershausen. Eigentlich alles wie immer. Doch plötzlich klingelt das Haustelefon: Werder hat angerufen, berichtet die Mutter. Bereits als kleines Kind schlief Woltemade in Werder-Bettwäsche, hegte aber zugleich wegen seines Vaters Sympathien zum VfB Stuttgart. Nun ja, nun also der Wechsel vom kleinen TS Woltermhausen zum großen SVW. Schon etwas Besonderes!


Das Heimweh im Weg


Die kommenden fünf Jahre kickte Woltemade allerdings nicht nur gegen das runde Leder, sondern absolvierte trotz seiner Ausbildung in den Jugendmannschaften des SV Werder weiterhin auch zahlreiche Handballspiele in Bremens Oberliga. Die Entscheidung pro Fußball sei ihm dabei nicht leicht gefallen. Dennoch konzentrierte sich das Sport-Ass ab der U15 ausschließlich auf den Fußball. Die ständigen Auswärtsfahrten zogen seinem weiteren Werdegang dabei beinahe einen Strich durch die Rechnung. Woltemade kämpfte immer wieder mit Heimweh, der Aufenthalt bei Gastfamilien während der Wochenendturniere gefiel ihm überhaupt nicht.


Woltemade bestritt 13 Pflichtspiele für die U17 des DFB

Wenig verwunderlich also, dass der Teenager noch immer zu Hause wohnt. Hier fühlt sich Woltemade wohl und pflegt ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern, die ihn immer und überall supporten. So auch während seiner Jugendnationalspiele in Spanien, Portugal und Frankreich. Dank seines Führerscheins kann er nun immerhin selbst zum Training fahren. Bis vor vier Wochen spielte insbesondere Mama Woltemade die Chauffeuse.


Glückwünsche von Thomas Schaaf


Dass er nun fest zum Bremer Profikader gehört, habe er noch immer nicht wirklich realisiert. "Ich dachte 'Jetzt spielst du erst einmal zwei Jahre U19' und ja, dann war ich ein halbes Jahr in der U19 und schon war ich oben", kommentiert Woltemade seinen Raketenstart in den Profibereich. Überheblich ist er dabei allerdings nicht, eher im Gegenteil: "Ich sehe mich erst als richtiger Profisportler, wenn ich auch regelmäßig spiele, regelmäßig dabei bin." Vorher heißt es: "Ey Nick, du hast noch lange nichts geschafft. Es geht immer weiter."


"Nichts geschafft" scheint dabei zu hart ausgedrückt. Immerhin konnte er Bremens Urgestein Thomas Schaaf beerben. Mit 17 Jahren, 11 Monaten und 18 Tagen war Woltemade bei seinem Bundesliga-Debüt gegen den FC Augsburg (1:2) am 1. Februar 2020 exakt einen Tag jünger als Werders ehemaliger Chefcoach und avancierte so zum jüngsten Werder-Spieler der Vereinsgeschichte. Wie das Schicksal es wollte, traf der neue Rekordhalter am Folgetag gleich einmal den alten Mann der Stunde: "Er hat mich erst einmal angelächelt und gesagt: 'Hey, Glückwunsch'. Ich weiß nicht, wie es gemeint war, aber es kam auf jeden Fall nett rüber", lacht Woltemade und fügt an: "Ich habe auch ein gutes Verhältnis mit Thomas Schaaf."


Woltemade: "Das war wie im Film"


Doch bevor es überhaupt zu seinem Debüt kam, nahm Woltemade bereits das ein oder andere Mal auf der Bank des Bundesligisten statt. Am 26. Oktober 2019 nominierte Florian Kohfeldt den Mittelstürmer erstmalig in seinen Bundesligakader für die Begegnung gegen Bayer 04 Leverkusen (2:2). "Das war wie im Film", schildert der 1,96-Meter-Hüne geradezu euphorisiert und erläutert seine Gedanken während des Spiels: "Ey Nick, du standst gerade das erste Mal auf einem Bundesligarasen. Klar, nur für das Aufwärmen, aber du standst drauf."


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Mittlerweile stehen dem Bremer Eigengewächs sieben (Kurz-)Einsätze in der Liga zu Buche. Zuletzt absolvierte er beim Auswärtsspiel in Freiburg am vergangenen Samstag die ersten 45 Minuten im offensiven Mittelfeld der Grün-Weißen. Aufgrund der dünnen Personalschicht und dem Abgang von Leistungsträger und Mittelfeldmotor Davy Klaassen beruht die Hoffnung vieler Fans nun auch auf Woltemade. "Ich bin ehrlicherweise selber gespannt, wo die Reise für mich hingeht. Aktuell bin ich erst einmal froh, dass ich meinen Führerschein habe, noch bei meinen Eltern wohne und beim Urlaub mit meinen Kumpels im letzten Jahr alles glatt lief", witzelt der bescheide Woltemade zum Abschluss.