Es gibt derzeit wohl kaum einen Spieler beim FC Bayern, der die Fans in ganz Deutschland so polarisiert, wie Joshua Kimmich. Dabei geht es weniger um die sportlichen Qualitäten des 25-Jährigen, als vielmehr um sein Auftreten auf und neben dem Platz.


Kimmich eckt an, ist hyper-ehrgeizig, ist häufig am Meckern und wirkt - gelinde gesagt - nicht sonderlich sympathisch, wenn er verbissen und motzend über das Feld rennt. Beim Rekordmeister wird er für seine Art gelobt, allen voran Klubboss Karl-Heinz Rummenigge schwärmt von den Führungsqualitäten des gebürtigen Schwaben. Rummenigge sieht Kimmich als kommenden Bayern-Kapitän.


Im Rest der Nation wird Kimmich von vielen eher als arrogant wahrgenommen. Ein Giftzwerg mit großer Klappe. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Denn klar ist: Kimmich ist insbesondere auf dem Fußballplatz mit Sicherheit kein Sympath. Aber auch klar ist: Kimmich geht in diesem Bayern-Team 19/20 voran. Und das nicht nur fußballerisch sondern eben auch verbal und gestenreich.


Kimmich auf Effenbergs Spuren


Ein solcher Spiertypus polarisiert immer: Die eigenen Fans lieben ihn, die Gegner empfinden tiefe Abneigung. Das beste Beispiel aus der deutschen Fußballgeschichte dürfte Stefan Effenberg sein. Nun, irgendwie stellte der "Tiger" mit seiner Statur und auch mit seinem Standing mehr dar, als der 1,76 Meter große Kimmich, der von Bayern-Sponsor Braun eher keinen Rasierapparat braucht.


Es ist aber völlig falsch, Kimmich auf sein Erscheinungsbild zu reduzieren. Wir müssen uns fragen: 'Was wollen wir eigentlich?' Ständig nach fehlenden Typen und Mentalitätsspielern zu rufen und dann das Schwert über Kimmich zu brechen, ist nichts anderes als schizophren. Solche Spieler ecken immer an, sind nicht auf Anhieb sympathisch. Aber: solche Spieler sind auf dem Platz für eine Mannschaft unheimlich wertvoll.


Große Klappe - viel dahinter!


Das Gute: Kimmich untermauert seinen Führungsanspruch mit konstant starken Leistungen. Unter Hansi Flick ist er fest als Sechser eingeplant und liefert auf seiner Wunschposition Woche für Woche. Mit nun 25 Jahren darf er dann auch den Anspruch haben, als An- und Wortführer einer neuen FCB-Spielergeneration aufzutreten.


Was bleibt am Ende in dieser Debatte zu sagen? Nein, ihr müsst Joshua Kimmich nicht mögen (auch wenn die Persönlichkeit auf und neben dem Platz durchaus grundverschieden sein kann). Aber ja, ihr solltet dem neuen FCB-Leader den nötigen Respekt zollen. Kimmich ist mittlerweile angekommen in der Weltklasse und dürfte nicht nur beim FC Bayern, sondern auch in der deutschen Nationalmannschaft in den nächsten Jahren eine zentrale Säule sein. Auch und vor allem, wegen der Art und Weise seines Auftretens!