Eigentlich geht sie ja erst jetzt richtig los - die spanische Liga. Zwar findet an diesem Wochenende schon der dritte Spieltag statt - aber durch die Corona-bedingten Verschiebungen des Terminkalenders treten die beiden großen Rivalen des amtierenden Champions Real Madrid, FC Barcelona und Atlético Madrid, erst an diesem Wochenende zum ersten Mal in Aktion. Wir geben einen kleinen Ausblick.


Prognose 1: Real Madrid, FC Barcelona und Atlético werden wieder die ersten drei Plätze belegen


Mit den genannten drei Teams ist das Kandidatenfeld für die Meisterschaft auch eigentlich schon erschöpft. In den letzten acht (!) Jahren standen auf den ersten drei Plätzen der Endtabelle jeweils Real Madrid, Atlético und der FC Barcelona. Nur die Reihenfolge untereinander änderte sich. Fünfmal standen die Katalanen ganz oben, zweimal der Erzrivale aus der Hauptstadt - nur in der Saison 2013/14 gelang es den Colchoneros, sich vor die beiden Megaklubs zu schieben. Man muss bis in die Saison 2011/12 reichen, um einen anderen Namen auf dem Siegerpodest zu registrieren: Der FC Valencia beendete die Spielzeit vor knapp achteinhalb Jahren auf dem dritten Rang.


Prognose 2: Der FC Sevilla wird mit dem Titelrennen erneut nichts zu tun haben


Jesús Navas und der FC Sevilla machten es auch den Bayern sehr schwer

Auch der FC Sevilla wird auf Strecke nicht mit den großen Drei mithalten können. Was nicht heißt, dass er es ihnen nicht erneut sehr schwierig machen wird, die Punkte aus den direkten Duellen mitzunehmen. Zu was die Andalusier in punktuellen Spielen, wie dem europäischen Supercup, in der Lage sind, hat die vielleicht momentan beste Mannschaft der Welt, der FC Bayern, vor zwei Tagen am eigenen Leib zu spüren bekommen. Und nicht umsonst haben sich die Südspanier in den vergangenen Jahren als Experte für k.o-Wettbewerbe wie die Europa League erwiesen.


Prognose 3: Athletic Bilbao und Real Sociedad als Wanderer zwischen den Polen


Gerettet wurden die Bayern am vergangenen Donnerstag ausgerechnet von einem Spanier. Einem Nordspanier um konkreter zu sein. Einem Basken. Und Basken gilt auch die kommende Prognose. Doch zunächst ein Blick zurück: zum ersten Mal in der Geschichte des spanischen Pokals standen sich Athletic Bilbao und die Real Sociedad de San Sebastián im Finale gegenüber. Besser gesagt: hätten sich gegenüber gestanden. Denn ein kleiner Virus mit großer Wirkung machte dem baskischen Finale, dem ersten überhaupt zwischen diesen beiden Klubs, einen Strich durch die Rechnung.


Doch die Basken gelten als stur. Und so einigten sich beide Klubs darauf, das Finale nur zu bestreiten, wenn ihre jeweiligen Fan-Gemeinden es auch vor Ort verfolgen könnten. Da das aus der damaligen Perspektive frühestens Ende des Jahres möglich war, "verzichteten" beide auf den potentiellen Europa League-Startplatz, zu dem ein nationaler Pokaltriumph berechtigt hätte. Letzter Stand der Dinge war, dass das Finale um Weihnachten herum - und als erstes Spiel vor (reduziertem) Publikum stattfinden soll.


Wollte nach zehn Jahren in Manchester wieder in die spanische Heimat: David Silva

Für die Liga sehe ich beide normalerweise in den Sphären zwischen Platz fünf und zehn, was auch in etwa mit den Platzierungen der letzten Jahre übereinstimmt. Doch die Real Sociedad hat immerhin den Abgang von Martin Ödegaard zu verkraften, der am Ende doch ein Jahr früher als geplant zu Real Madrid zurückkehrt. Für ihn holten die Guipuzcoanos einen Welt-und Europameister: David Silva. Und der ist immerhin schon 34. Ob er einer langen Saison (38 Spieltage) standhalten wird, hängt nicht zuletzt auch von den Rotationsfähigkeiten seines Trainers Imanol Aguacil ab.


Die Vizcainos aus Bilbao wiederum haben sich bislang noch gar nicht extern verstärkt. Vier Spieler wurden aus der zweiten Mannschaft hochgezogen, fünf weitere kehren nach Leihen zurück. Die Hoffnungen ruhen wieder auf der disziplinierten Defensivarbeit und auf Geniestreichen von Iker Muniaín und Iñaki Williams. Bei optimalem Verlauf können beide Teams durchaus an den oberen Rängen schnuppern - wie sie bei einer negativen Entwicklung auch schnell gegen den Abstieg spielen, was in den letzten Jahren auch immer mal wieder drin war.


Prognose 4: Bis Sommer 2021 kein echter neuer Superstar in Sicht


Natürlich lebt auch die spanische Liga von ihren Superstars. Lange klopfte sich LaLiga dafür auf die Schulter, in Lionel Messi und Cristiano Ronaldo die beiden besten Kicker des Planeten in ihrem Spielbetrieb zu wissen. Doch der Portugiese geht mittlerweile schon in seine dritte Saison in der italienischen Serie A, und einen "Nachfolger", wenn es überhaupt so etwas eins zu eins geben kann, haben die Königlichen seitdem nicht finden können.

Nicht weil es sie nicht gäbe, zumindest potentiell. Aber ein Erling Braut Haaland ging ihnen durch die Lappen, wie anderen Top-Klubs auch, und landete erstmal in Dortmund. Und bezüglich Kylian Mbappé bissen sie sich bislang die Zähne aus. Nächstes Jahr soll der Franzose kommen und wieder etwas mehr Glanz im Kader der Königlichen verbreiten. Den ein Eden Hazard, der im Vorjahr als Galaktischer angekündigt wurde und doch sehr terrestrisch daherkam, eigentlich nie verbreiten konnte.


Auf ihn wird Real wohl noch ein Jahr warten müssen: Kylian Mbappé

Mit Lionel Messi bleibt zwar der große Fixstern dem Liga-Universum erhalten: aber um welchen Preis? Der Rausschmiss seines Buddys Luis Suárez hat den Floh jedenfalls sehr verärgert. Man darf gespannt sein, wie er damit umgeht. Ich persönlich glaube, dass er trotz aller Querelen in diesem Sommer ähnlich spielentscheidend für Barça sein wird wie in den vergangenen Jahren. Nur weiß ich eben nicht, ob das wirklich gut oder eher schlecht für das Team ist.

Messis Weggang in diesem Jahr (und nie war er näher als in diesem Sommer 2020) hätte natürlich eine Zäsur für den FC Barcelona bedeutet - aber eben auch eine große Chance für einen Neubeginn. Eine gute Woche bleibt den Katalanen noch Zeit, um auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Die letzten Bemühungen, wie z.B. um Antonio Rüdiger, lassen dabei auch Überraschungen erwarten.


Prognose 5: Suárez wird Atlético beflügeln


Geht jetzt für rot-weiß statt blau-rot auf Torejagd: Luis Suárez

Apropo Suárez: Wenn dieser Abgang die Katalanen nicht noch mal richtig schmerzen wird. Zum einen aus benanntem Grund heraus, dass er ihrem Leader Messi über Gebühr fehlen wird. Zum anderen weil er natürlich einen direkten Kontrahenten um die Meisterschaft verstärkt. Ich denke, dass Suárez auch in Madrid für eine Torausbeute um die 20 plus gut sein kann. Womit Atlético ein gewichtiges Wort bei der Titelvergabe mitsprechen wird.


¡Viva la Liga!


Fünf Prognosen, die natürlich nicht im entferntesten einen kompletten Ausblick auf die Saison geben können. Mit dem FC Granada, der Positivüberraschung der vergangenen Spielzeit, mit dem FC Valencia (der Negativerscheinung im gleichen Zeitraum), mit den spielstarken Teams Villarreal, Betis, Getafe oder Vigo, aber auch den Neulingen aus Cádiz, Huesca und Elche, dazu den immer schwierig zu spielenden Underdogs aus Eibar, Levante oder Valladolid (wo Ronaldo Nazario der Boss ist) gibt es genügend Teams, auf die man sich auch außerhalb der Big Shots freuen kann. Freuen wir uns also auf eine hoffentlich spannende Liga-Saison in Spaniens Primera División.