Nach persönlich schwierigen Jahren hat sich Jérôme Boateng wieder als Führungsspieler beim FC Bayern etabliert. Jetzt blieben ihm ein paar Tage, um den aufregenden Sommer zu analysieren. Im Interview mit dem kicker sprach er über seine eigene Perspektive und den Kader für die aktuelle Saison.


"Die Pause hat ihr Gutes", so Jérôme Boateng einleitend im Interview mit dem kicker. Der Bayern-Star ist kein Nationalspieler mehr und verbringt damit mehr Tage zu Hause. In der aktuellen Phase dürfte ihn das aber nicht ganz so sehr verstimmen. Immerhin ist die Belastung in dieser knallharten Saison so hoch wie lange nicht.


Deswegen verfolgte der Innenverteidiger die Transferaktivitäten seines Klubs ganz genau. "Es war wichtig, dass wir noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv geworden sind." Es sei vor allem die hohe Belastung, die den Rekordmeister noch einmal zu Transfers bewegte. "Wir hatten vor allem Spieler abgegeben und an Qualität verloren. Wir haben Hunger, wollen unsere Titel verteidigen. Dafür benötigt man Qualität und einen breiten Kader", so der 32-Jährige.


Boateng: "Auf dem Papier können wir zufrieden sein"


Über die vier wichtigen Neuzugänge verliert Boateng viel Lob. Douglas Costa beispielsweise, "ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann." Marc Roca, Bouna Sarr und Eric Maxim Choupo-Moting traut er viel zu. Unter anderem der Angreifer wird auch in der Kabine zur Bereicherung werden.


Boateng ist mit den neuen Verstärkungen zufrieden

Unter dem Strich sieht der Innenverteidiger seinen Klub gut aufgestellt. "Auf dem Papier können wir zufrieden sein. Wir können mehr rotieren, das wird in dieser Saison sehr wichtig sein." Und genau so wollen die Bayern das große Saisonziel angehen. "Da gibt es nur eins: jeden einzelnen Titel zu verteidigen", so der 32-Jährige forsch.


Die Mannschaft sei hungrig genug, um diese Herausforderung anzunehmen. Wichtig wird für Boateng selbst auch sein, eine womöglich neue Rolle anzunehmen. Anders als in der Vorsaison, ist der Rekordmeister in der Abwehrzentrale deutlich breiter besetzt. Boateng muss sich seinen Platz mit dem wieder fitten Niklas Süle teilen. "Ich bin ein Teamplayer. Niklas ist auch ein toller Verteidiger. Natürlich will ich in den wichtigen Spielen auf dem Platz stehen, das Wichtigste ist aber, dass wir als FC Bayern erfolgreich sind."


Ex-Nationalspieler hofft weiterhin auf das Vertrauen


Es dürfte erneut eine Umstellung für den ehemaligen Nationalspieler werden. Nach einem Jahr, in dem er fast komplett außen vor war, rutschte er wieder in die Mannschaft und erledigte seinen Job überwiegend tadellos. "Ich habe letzte Saison bewiesen, dass ich mit Leistung zurückzahle, wenn man mir Vertrauen schenkt", so Boateng.


Jetzt muss er sich gegen deutlich mehr Qualität durchsetzen. Wie das funktioniert, wird seine unmittelbare Zukunft beeinflussen. Der Vertrag des Abräumers läuft im kommenden Sommer aus. Dementsprechend will er sich bald Gedanken machen. "Ich habe Familie und würde gerne planen. Aber ich mache mir keinen Druck."


Einen Trainerjob kann sich Boateng eher nicht vorstellen

Eine Vertragsverlängerung kann er sich definitiv vorstellen. Vor allem unter Hansi Flick macht ihm der Fußball wieder richtig viel Spaß. Ein Wechsel zu seinem Heimatklub Hertha scheint aber ebenfalls nicht ganz abwegig. "Mal schauen, wie sie sich in dieser und den kommenden Jahren entwickeln."


In jedem Fall will Boateng noch einige Jahre auf dem Platz stehen. "Solange ich Spaß habe, mein Körper mitmacht und ich auf einem gewissen Niveau mithalten kann. Also so lange wie möglich." Was der Innenverteidiger also noch so alles vor hat wird sich zeigen. Doch vor allem zählt das Hier und Jetzt und der Erfolg mit seinen Bayern.