Der FC Bayern München ist nur noch einen Schritt vom erneuten Triple-Gewinn entfernt. Am Sonntagabend ist der deutsche Rekordmeister im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain gefordert. Bei den jüngsten Auftritten in der Königsklasse lieferten die Bayern starke Vorstellungen ab und untermauerten damit eindrucksvoll ihren Titelanspruch. Ein Spieler, der im Hype um die treffsichere Offensive etwas untergeht, ist Ivan Perisic, der nach seinen letzten Einsätzen zweifellos zu den großen Gewinnern der Saison gezählt werden darf.


Wäre Nationalspieler Leroy Sané bereits im vergangenen Sommer zum FC Bayern gewechselt, hätte Perisic wohl nie das Trikot des Rekordmeisters getragen. Da sich der Angreifer jedoch einen Kreuzbandriss zugezogen hat, mussten sich die Münchner nach einem "Notnagel" umschauen, um die Saison 2019/20 zu überbrücken. Fündig wurde Sportvorstand Hasan Salihamidzic bei Inter Mailand.


Für fünf Millionen Euro liehen die Bayern Perisic für eine Spielzeit aus und schienen damit einen guten Backup für die verletzungsanfälligen Serge Gnabry und Kingsley Coman gefunden zu haben. Der 31-Jährige brachte nicht nur jede Menge Erfahrung mit, sondern kannte auch die Bundesliga aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg noch bestens. Dennoch wurde der Transfer von vielen kritischen Stimmen begleitet.


Durchwachsene Hinrunde & Knöchelverletzung im Februar


Nach einem durchaus guten Start beim Rekordmeister mit drei Torbeteiligungen (zwei Treffer/eine Vorlage) in den ersten drei Ligaspielen schaffte es Perisic allerdings nicht, sein Potenzial dauerhaft abzurufen. In der Hinrunde lieferte der Kroate immer wieder enttäuschende Vorstellungen ab, wofür er sich auch Kritik gefallen lassen musste. Nach der Winterpause präsentierte sich der Angreifer zunächst in starker Verfassung (ein Tor/zwei Vorlagen), ehe er Anfang Februar von einer Knöchelverletzung ausgebremst wurde, die ohne die coronabedingte Zwangspause wohl das Saisonaus bedeutet hätte.


Nach mehrwöchiger Verletzungspause kämpfte sich der Ex-Dortmunder jedoch noch einmal zurück. Im Saisonendspurt kam Perisic zwar meist nur als Einwechselspieler zum Zug, erwies sich allerdings als zuverlässige Alternative. Zur Höchstform lief der 31-Jährige in der Champions League auf. Aufgrund der Verletzung von Kingsley Coman durfte die Inter-Leihgabe im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea (4:1) von Beginn an ran und zahlte das Vertrauen mit einer guten Leistung sowie einem Treffer zurück.


Könnte dem FC Bayern über den Sommer hinaus erhalten bleiben: Ivan Perisic

Auch gegen den FC Barcelona (8:2) und Olympique Lyon (3:0) durfte der beidfüßige Angreifer von Beginn an ran und empfahl sich vor allem mit einer bärenstarken Leistung im Viertelfinale (ein Treffer) für einen Startelfeinsatz im Endspiel. Härtester Konkurrent im Kampf um die linke offensive Außenbahn ist Coman, mit dem Perisic in Sachen Schnelligkeit nicht mithalten kann. Der Kroate ist auch nicht für seine trickreiche und spektakuläre Spielweise bekannt, punktet dafür allerdings in anderen Bereichen.


Perisic bringt viel Erfahrung und Cleverness mit, weiß genau, in welche Räume er sich bewegen muss und hat zudem eine hervorragende Spielübersicht, die nicht nur beim Führungstreffer gegen den FC Barcelona zum Vorschein kam. Im Vergleich zu Coman ist der Nationalspieler auch dazu in der Lage, Flanken und Hereingaben präziser zu einem Mitspieler zu bringen und somit für mehr Torgefahr (2:0 gegen Lyon) zu sorgen.


Rummenigge mit Sonderlob für Perisic


Auch von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gab es zuletzt ein Sonderlob für Perisic. "Der Spieler gefällt mir sehr gut. Er hat eine hohe Effizienz, seine Statistiken (18 Torbeteiligungen in 34 Pflichtspielen) sind sehr gut. Wann immer er spielt, macht er etwas Produktives", brachte der Funktionär gegenüber der Sport Bild die Stärken des Angreifers auf den Punkt. Nicht nur Rummenigge, sondern auch Hans-Dieter Flick kann sich einen Verbleib des 31-Jährigen gut vorstellen, konkrete Gespräche soll es allerdings erst nach dem Finalturnier geben.


Perisic selbst scheint einem Verbleib beim Rekordmeister ebenfalls offen gegenüber zu stehen. Eine feste Verpflichtung droht jedoch an den Ablöseforderungen der Nerazzurri zu scheitern. Sollten sich die Bayern mit Inter letztlich doch einigen und sich der Ex-Dortmunder mit der verschärften Konkurrenzsituation auf den Flügeln anfreunden können, darf sich der Champions-League-Finalist über einen erfahrenen und zuverlässigen Spieler freuen, der in den letzten Wochen eindrucksvoll gezeigt hat, dass gute Neuzugänge nicht immer teuer und jung sein müssen.