Der FC Bayern steht im DFB-Pokalfinale. Der Rekordmeister setzte sich mit 2:1 gegen Eintracht Frankfurt durch, zeigte allerdings zwei völlig verschiedene Gesichter. Frankfurt indes verschlief den ersten Durchgang, drehte nach dem Seitenwechsel dafür auf. Robert Lewandowski erzielte schließlich das goldene Tor.


Im ersten Durchgang sahen die Zuschauer vor den Bildschirmen das erwartete Spiel. Die hervorragend organisierten Bayern drückten konsequent und erarbeiteten sich mit teils grandiosen Stafetten eine Großchance nach der nächsten. Das robuste Dreier-Mittelfeld der Eintracht überspielten Alaba und Boateng regelmäßig und fanden Robert Lewandowski, der unfassbar viele Bälle festmachte und damit das Angriffsspiel der Bayern ankurbelte. Über die Flügel generierte der Rekordmeister viel Gefahr und Spielfreude, Ivan Perisic traf schließlich nach 14 Minuten und mustergültiger Vorlage von Thomas Müller per Flugkopfball zum 1:0.


In der Folge spielten die Bayern die teilweise überforderte und mutlose Eintracht an die Wand, ließen aber die Effizienz in der Chancenverwertung vermissen. Lewandowski und Coman trafen das leere Tor nicht, auch sonst ließ das Team von Hansi Flick zu viele Gelegenheiten liegen, um den Sack frühzeitig zu schließen.


Frankfurt dreht nach dem Seitenwechsel auf


Was genau in den Kabinen in der Halbzeitpause passierte, wäre interessant. Denn nach dem Seitenwechsel wandelte sich das Bild komplett. Die Bayern wirkten passiv und ideenlos, die Eintracht indes drehte auf und kämpfte sich in die Partie. Nach 69 Minuten belohnte sich das Team von Adi Hütter für die Energieleistung: der gerade eingewechselte Kamada bediente den ebenfalls frisch in die Partie gekommenen da Costa, der zum Ausgleich einnetzte. Die Bayern, bis dahin kaum aktiv Teilnehmer an der 2. Halbzeit, schlugen aber postwendend zurück: Goretzka steckte durch für Davies, der Kimmich in der Mitte bediente, von dem der Ball zu Lewandowski kam - 2:1 für die Bayern.


Die Eintracht konnte nach dem Nackenschlag nicht mehr antworten - trotz Druckphase nach dem Führungstreffer der Bayern. Der Rekordmeister warf nach starken ersten 45 Minuten viele Fragezeichen auf, steht schließlich aber verdient im Finale. Die Eintracht hätte sich nach der Energieleistung im zweiten Durchgang allerdings durchaus auch eine Verlängerung verdient.


Die Mannschaftsteile in der Bewertung:


1. Tor (FC Bayern): Neuer

Manuel Neuer (r.)

Souveräner Auftritt des Bayern-Kapitäns. Vor dem Führungstreffer durch Perisic spielte Neuer unter Bedrängnis einen starken Ball auf Lewandowski, bekam ansonsten wenig zu tun. Beim Gegentreffer durch Danny da Costa war der Nationalkeeper chancenlos. Ansonsten wie gewohnt die zusätzliche Anspielstation und Aufbauelement im Münchner Spiel.


2. Tor (Eintracht Frankfurt): Trapp

Kevin Trapp (l.)

Machtlos bei beiden Gegentreffern und mit einer bockstarken Parade gegen Lewandowski im ersten Durchgang. Segelte allerdings auch an einer Davies-Flanke vorbei, die Coman völlig freistehend versiebte. Am Eintracht-Keeper lässt sich die Niederlage aber definitiv nicht festmachen.


3. Abwehr (FC Bayern): Pavard, Boateng, Alaba, Davies

David Alaba

Die Bayern-Abwehr ist unglaublich formstark. Das Vierergespann aus Pavard, Boateng, Alaba und Davies funktioniert reibungslos. Vor allem Alaba glänzte im Lauf- und Passspiel, Nebenmann Boateng gewann nahezu alle seine Zweikämpfe und spielte ebenfalls einige kluge Bälle in die Spitze.

Während Pavard seine Dienste eher in der Defensive anbot - und das äußerst souverän -, schaltete sich Pendant Davies wie gewohnt fleißig in die Offensive ein. Nachdem ihm einige Flanken über den Schlappen rutschten, passte sein Ball auf Coman, der das leere Tor nicht traf. Lieferte dann aber die Vorarbeit zum 2:1 und bestätigte seine bockstarke Form.


4. Abwehr (Eintracht Frankfurt): N'Dicka, Hinteregger, Abraham - Chandler, Toure

Martin Hinteregger

Die Eintracht-Innenverteidigung stand gut organisiert und physisch präsent im Zweikampfverhalten. Dem Münchner Powerplay der ersten 45 Minuten hatte die SGE-Verteidigung trotzdem wenig entgegenzusetzen. Vor allem über die Seite von Timothy Chandler, der zu häufig defensiv fehlte, hatte Coman alle Freiheiten. Die Außen bekam die Fünferkette von Adi Hütter einfach nicht zu, das starke Dreiergespann im Zentrum konnte dann nicht mehr viel ausrichten.

Kapitän Abraham rettete im ersten Durchgang spektakulär mit der Fußspitze vor Perisic, der durch gewesen wäre; auch N'Dicka und Hinteregger präsentierten sich mitunter stark im Zweikampfverhalten. Frankfurt wollte das Spiel von hinten spielerisch aufbauen, wurde durch das Münchner Pressing aber zu häufig zu langen Bällen gezwungen, die verpufften.


5. Mittelfeld (FC Bayern): Kimmich, Goretzka

Joshua Kimmich

Thiago bleibt derzeit trotz herausragender Form nur die Bank. Das liegt an der Formstärke des Gespanns Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Vor allem in den ersten 45 Minuten dirigierten die beiden deutschen Nationalspieler das Spiel der Münchner im Zentrum und zeigten sich unglaublich lauffreudig und physisch präsent. Goretzka schaltete sich regelmäßig in die Offensive ein und sorgte für Gefahr, Kimmich gewann viele wichtige Zweikämpfe und schüttelte auch einen blutigen Tritt auf den Kopf mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit ab. Erneut ein bärenstarker Auftritt der Nationalmannschafts-Achse im Bayern-Mittelfeld.


6. Mittelfeld (Eintracht Frankfurt): Kohr, Ilsanker, Rode

FBL-GER-CUP-BAYERN MUNICH-FRANKFURT

Adi Hütter setzte im Zentrum auf Zement statt der feinen Klinge. Mit Dominik Kohr, Stefan Ilsanker und Sebastian Rode wollte Frankfurt vor allem in gegnerischem Ballbesitz präsent und defensiv orientiert sein. Das machte das Trio mitunter stark, wurde allerdings konsequent von der Bayern-Abwehr überspielt. Sebastian Rode zeigte immer mal wieder, dass er ein unglaublich feiner Fußballspieler ist und versuchte zu initiieren; gegen die stark organisierte Bayern-Defensive sprang allerdings nicht viel heraus.


7. Angriff (FC Bayern): Perisic, Müller, Coman, Lewandowski

Thomas Müller (r.)

Unglaublich spielfreudig im ersten Durchgang! Ivan Perisic ersetze den angeschlagenen Serge Gnabry und belohnte sich für eine gute Leistung mit dem zwischenzeitlichen 1:0. Sein Pendant Kingsley Coman sprühte vor Energie und Lust auf Fußball und präsentierte sich auf der rechten Seite als permanenter Unruheherd. Sorgte für viele gute Bayern-Chancen, ließ aber auch zu viele Hochkaräter liegen.

Thomas Müller brillierte erneut als hängende Spitze hinter Robert Lewandowski. Der Raumdeuter spielte wahnsinnig viele gute Bälle und bereitete das 1:0 durch Perisic gedankenschnell und mustergültig vor. Bockstarker Auftritt! Das gilt auch für Robert Lewandowski. Der Pole arbeitete unermüdlich gegen die drei Frankfurter Abwehrhünen und machte viele lange Bälle fest. Erarbeitete sich im ersten Durchgang mit einer genialen Drehung eine Großchance, verpasste allerdings auch einen Hochkaräter, als er vor dem leeren Tor über den Ball trat. Im zweiten Durchgang machte er es dann besser und schob zum 2:1-Siegtreffer ein.


8. Angriff (Eintracht Frankfurt): Gacinovic, Silva

Mijat Gacinovic (l.)

Undankbare Aufgabe für das Duo im Frankfurter Sturm. Mijat Gacinovic vertendelte in der Umschaltbewegung einige Bälle leichtfertig und ließ in zu vielen Situationen die nötigen Spielmacherqualitäten, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Sturmspitze Andre Silva hing komplett in der Luft und wurde zu selten gefüttert, respektive stand auch unter konsequenter Bewachung von Jerome Boateng, gegen den für Silva wenig zu holen war.


9. Bank (Bayern München): Thiago, Hernandez, Martinez

Thiago

Nach einer guten Stunde brachte Hansi Flick Thiago und Lucas Hernandez in die Partie. Die beiden stellten sich physisch und mit Einsatzbereitschaft gegen die drückende Eintracht und hinterließen durchaus einen ordentlichen Eindruck. Javi Martinez kam für die Schlussminuten, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen und zu kämpfen.


10. Bank (Eintracht Frankfurt): Kamada, da Costa, Torro, Dost

Danny da Costa (m.)

Adi Hütter wechselte den Ausgleich nach 66 Minuten ein: Daichi Kamada sorgte für die Vorarbeit, Danny da Costa für die Vollendung. Auch Lucas Torro war ein absoluter Gewinn, verteidigte kurz vor Schluss stark gegen Lewandowski und setzte einige Duftmarken. Bas Dost indes konnte wenig bewirken.