Der Hamburger Sport-Verein geht ins dritte Jahr in der 2. Bundesliga. Zum dritten Mal absolvierten die Rothosen ein Heimspiel zum Start in die neue Spielzeit. Aber zum ersten Mal starteten die Hanseaten siegreich. Mit 2:1 wurde der Absteiger Fortuna Düsseldorf besiegt. Gegenüber der bitteren Pokal-Pleite präsentierte sich das Team wie ausgewechselt.


War was? Nach dem Erstrunden-Aus im DFB-Pokal wurde in Hamburg mal wieder die Krisen-Keule geschwungen. Ein Sieg gegen Fortuna Düsseldorf galt bei einigen Anhängern und Mediengesellschaften im Vorfeld als ausgeschlossen.


Vor einer coronabedingten Minuskulisse von 1.000 Zuschauern rehabilitierte sich der HSV allerdings und gewann verdient mit 2:1. Über die gesamte Spielzeit hielten die Rothosen das Zepter in ihren Händen und Düsseldorf kam lediglich zu zwei klaren Torchancen - von denen eine in der Nachspielzeit genutzt wurde. Anders als am Ende der abgelaufenen Saison konnte das große Zittern jedoch verhindert werden. Nach dem Anschlusstreffer passierte nicht mehr viel.


Besonders der Effekt der Neuzugänge machte sich bemerkbar. Mit Moritz Heyer, Amadou Onana, Klaus Gjasula, Simon Terodde und Leihrückkehrer Manuel Wintzheimer stellte Daniel Thioune fünf Akteure auf, die in der Vorsaison noch nicht das Trikot mit der Raute trugen bzw. verliehen waren.
Viele von ihnen überzeugten auf ganzer Linie.


Natürlich kann man nach dem ersten Spieltag noch keine Schlüsse ziehen, wie der Rest der Saison verlaufen wird - der gestrige Erfolg macht jedoch Lust auf mehr.



Wer nutzte den Heimsieg gegen Düsseldorf für Eigenwerbung? Einige vielversprechende Auftritte sorgten für zufriedene Gemüter bei Fans und Verantwortlichen.


1. Moritz Heyer

Mr. Soforthilfe - Moritz Heyer

Die Tinte war noch nicht ganz getrocknet, da stand Neuzugang Moritz Heyer schon in der Startelf des HSV. Daniel Thioune wird gewusst haben, warum er seinen Ex-Schützling unbedingt beim HSV sehen wollte, denn Heyer funktionierte auf Anhieb und ohne großartige Eingewöhnungszeit. Der 25-Jährige strahlte eine enorme Ruhe aus - die Ruhe, die dem HSV lange fehlte. Wenn es so weitergehen sollte, dann wird sich Heyer zum absoluten Glücksgriff für den HSV mausern.

Sein erster Auftritt für seinen neuen Verein versprach auf jeden Fall eine Menge - die Verantwortlichen bewiesen ein guten Händchen, um die Abwehr-Lücke zu schließen.


2. Stephan Ambrosius

starker Auftritt - Stephan Ambrosius

Was sich schon während der Vorbereitung andeutete, setzte sich auch gegen Düsseldorf fort - Stephan Ambrosius ist durchaus zuzutrauen, langfristig in der ersten Elf der Hamburger zu spielen. Der 21-Jährige agierte ohne Nervosität und gewohnt robust. Gemeinsam an der Seite von Moritz Heyer wurde so gut wie nichts zugelassen - die Stürmer der Fortuna bissen sich am neuen Abwehr-Duo des HSV die Zähne aus.

Ein Auftritt, der aufhorchen ließ, denn von Abwehr-Nöten war gegen Düsseldorf nichts zu sehen. Nach der langen Sperre für Toni Leistner könnte Ambrosius seine große Chance nutzen - das Zeug dazu besitzt das Eigengewächs des HSV definitiv.


3. Josha Vagnoman

von Krise keine Spur - Josha Vagnoman

Josha Vagnoman war in letzter Zeit ein Wackelkandidat. Sowohl beim HSV, als auch bei der U21-Nationalmannschaft wirkte der Rechtsverteidiger leicht überspielt. Mit seinem teilweise sehr aufgeregten Spielstil war der 19-Jährige einige Male für gefährliche Aktionen des Gegners verantwortlich - in der gestrigen Partie bewies Vagnoman jedoch eindrucksvoll, warum er zu den größten Talenten auf der rechten Abwehrseite gehört.

Mit Zug nach vorne und einer defensiv blitzsauberen Leistung katapultierte sich der Hamburger Jung aus seiner persönlichen Krise heraus und fundierte damit seine Ansprüche, Stammspieler zu sein.


4. Jeremy Dudziak

Stammplatzgarantie - Jeremy Dudziak

Gut, dass er geblieben ist. Jeremy Dudziak bewies einmal mehr, dass er für den HSV kaum zu ersetzen ist. Gewohnt dribbelstark schlängelte sich der Mittelfeldmann durch die Reihen des Gegners und belohnte sich für einen tollen Auftritt mit maßgeblichem Anteil an beiden Toren.

Den Elfmeter zum 1:0 holte Dudziak clever heraus und das 2:0 legte der 25-Jährige herrlich auf. In einer guten Hamburger Mannschaft stach der Tunesier heraus und zementierte damit seinen Stammplatz.

In guter Verfassung gehört Dudziak definitiv zu den besten Kickern der 2. Liga. Kein Wunder also, dass der Zauberfuß auch bei anderen Vereinen für Begierde gesorgt hat.


5. Klaus Gjsaula

kopfballstarker Helmträger - Klaus Gjasula

Ein Gladiator vor dem Herrn. Genau diese Zweikampf-Würze hat dem HSV gefehlt. Klaus Gjasula geht ohne lange zu fackeln da hin, wo es wehtut - und das ist auch gut so. Gjasula bringt den Gegnern Respekt bei und verleiht dem Spiel der Rothosen die nötige Härte. Angsthasenfußball kennt der Albaner nicht - auch sein Auftritt war definitiv vielversprechend und könnte für einen Mehrwert im Gefüge der Hanseaten sorgen.

Ebenso vor zu heben: Die Kopfballstärke des Abräumers. Nahezu jede Standardsituation wurde vom Helmträger mit dem Schädel entschärft.


6. Amadou Onana

jung, aber oho - Amadou Onana

Paul Pogba beim HSV? Natürlich nicht, aber die Erscheinung und Spielweise von Amadou Onana erinnert an den französischen Weltstar. In einigen Situationen vielleicht noch etwas zu verspielt, präsentierte sich der 19-Jährige oft wie ein alter Hase, der schon lange auf diesem Niveau spielt.
Dabei wird es die erste Senioren-Saison für den belgischen U19- Nationalspieler, der seine Nominierung für die Startelf mit einer guten Leistung bestätigte.

In einer weitestgehend sehr jungen HSV-Mannschaft übernimmt Onana Verantwortung - von Nervosität keine Spur. Körperlich ist der Mittelfeldspieler eine absolute Säule, aber auch am Ball besitzt der ehemalige Hoffenheimer bereits einige außergewöhnliche Fähigkeiten. Im Ranking der Top-Transfers des HSV könnte sich Onana definitiv ganz vorne einreihen, wenn es so weitergehen sollte.


7. Simon Terodde

Doppelpack zum Auftakt - Simon Terodde

Warum hat der HSV einen Simon Terodde verpflichtet? Genau deshalb! Der Stürmer lieferte auf Anhieb das, was man von ihm erwartet. Im Spiel relativ unsichtbar, aber in den gewissen Szenen genau da, wo ein Stürmer stehen muss. Sein Elfmeter in der 45. Minute fand zwar nur sehr glücklich den Weg ins Tor, der Kopfball in der 60. Minute war jedoch ein typisches Terodde-Tor.

Ein Doppelpack zum Auftakt - diese Kaltschnäutzigkeit könnte für den HSV Gold wert sein. Man darf gespannt sein, ob der ausgewiesene Zweitliga-Experte diese Quote aufrecht erhalten kann. Ein lang ersehnter Torjäger scheint endlich gefunden.


Für vorschnelle Prognosen ist es definitiv noch zu früh - der HSV muss endlich lernen, konstant gute Leistungen zu bringen. In den vergangenen Jahren gab es früher oder später immer einen Einbruch, der verheerende Folgen für den Saisonverlauf hatte. Vor allem die Neuzugänge bringen jedoch das Potenzial mit, diesen negativen Verlauf abzuwenden.