Laut Jupp Heynckes deckt die Corona-Krise Probleme in der heutigen Gesellschaft und im Fußball auf. Der Ex-Bayern-Trainer fordert ein Umdenken und plädiert für ein stärkeres "Miteinander".


Im Interview mit WELT am Sonntag kritisiert Heynckes "die Ich-AGs" und "den Egoismus" in der Gesellschaft. "Das Miteinander, das Menschliche oder die Solidarität sind zuletzt viel zu kurz gekommen", so der 74-Jährige (zitiert via FAZ). Man müsse in Zukunft wieder verstärkt "die Sinne für die Menschen schärfen, denen es nicht so gut geht."

Auch die Entwicklungen im Fußball sieht Heynckes kritisch. Man müsse allen voran auf finanzieller Ebene, "einen Weg zurück wieder zu mehr Normalität zu finden. Es muss in Bezug auf die Ablöse oder die Gehälter zurückgerudert werden. Teilweise war das unmoralisch."


Heynckes: Klubs müssen nachhaltiger wirtschaften


Die DFL hofft auf eine Fortsetzung der Saison, ohne die benötigten TV-Einnahmen würden einige der 36 Profi-Klubs in eine existenzbedrohende Lage geraten. "Ich denke, in der Krise merken einige Vereine vielleicht auch, wie wichtig es ist, kaufmännisch klug zu agieren", sagt Heynckes, der RB Leipzig als Exempel für nachhaltiges Wirtschaften anführt.


RB Leipzig investiert Millionen Euro gezielt in junge Spieler, die nachhaltig gefördert werden sollen

Mit Red Bull würden die Sachsen zwar über einen namhaften Geldgeber verfügen, "aber das Geld muss von klugen Köpfen mit Know-how auch erst einmal gut und nachhaltig eingesetzt werden", so Heynckes. "Das geschieht dort. Da passt alles. Leipzig ist ein perfektes Beispiel dafür, wie wichtig das Personal an den wichtigen Schnittstellen ist."

Mit Blick auf die weiteren Entwicklungen, die von der Corona-Pandemie ausgehen, erwartet Heynckes "spannende Zeiten". Wie gravierend sich die Gesellschaft und der Fußball ändern werden, wisse er nicht, jedoch ist er von einer Sache überzeugt: "Es wird sicher anders. Das zeigen ja schon die Geisterspiele, wenn es mit der Bundesliga weitergeht. Die Vorstellung, dass es Spiele ohne Interaktion zwischen Zuschauern und Spielern gibt, ohne Freude, Ärger oder Enttäuschung, ist nicht so gut" (zitiert via Sport1).